+
Meister ihres Fachs: Die kubanischen Musiker erobern die Herzen des "Traumstern"-Publikums mit leichter Hand.

Ein Gefühl von "Buena Vista"

  • schließen

Lich (usw). "SommerMusikWelten" heißt durchaus etwas grandios das jährliche Musikfestival, das "KünstLich" in Kooperation mit dem "Kultursommer Mittelhessen" veranstaltet. Zum diesjährigen Auftakt sollte es ein richtiger Paukenschlag sein, und so bat man die international renommierte Formation "Conexión Cubana" um ein Gastspiel. Eine glänzende Idee, zeigte sich am Mittwochabend im restlos ausverkauften Kino "Traumstern". Die kubanischen Profis erwiesen sich nicht nur als Meister ihres Fachs, sondern auch als unwiderstehliche, zauberhafte Charmeure: herrlich.

Mit einer bisweilen sogar enthusiastischen Spielfreude bestachen diese Musiker: Nicolás Alberto Sirgado Llanes (Bandleader, Bass und Vocals), William Borrego (Vocals, Posaune), Heber Alberto Méndez Gómez (Piano), Lázaro Amauri Oviedo Dilout ("El Professor", Trompete, Vocals), Carlos Querol Aldana (Tres und Vocals), Alexander "El Vivo" García Barrera (Perkussion und Vocals) und last not least Fabián Sirgado Pérez (Perkussion und Vocals).

Los ging es mit dem Titelsong der CD "La Maravilla" und einem definitiven "Buena Vista"-Gefühl. Schon hier zeigten sich die enormen Qualitäten der Band. Mit strahlendem, felsenfestem Satzgesang (bis zu fünf Stimmen) und einem sanften, aber unwiderstehlichen Groove swingten sich die Kubaner mühelos ins Ohr des Publikums.

Der transparente Klang ließ die akustische Vielfalt eindrucksvoll wirken, das Piano lieferte die charakteristische rhythmische Begleitung, zuweilen einen jazzig orientierten Zusatzbeitrag.

Viel Bewegung vor der Bühne

An Fantasie mangelte es den Gästen nie, nach einer Weile bemerkte man im wunderbar runden Gesamtklang zahlreiche kleine rhythmische Variationen, lässige Verlangsamungen etwa - die Kubaner wissen, was "laid back" bedeutet. Die langjährige gemeinsame Erfahrung (zwölf Jahre insgesamt, sieben davon ohne Unterbrechung, bisher 14 CD-Veröffentlichungen), ließ sie in einem zuweilen trägen, sehr sinnlichen Stil musizieren, aus dem sie eine famose Präzision in jeder Hinsicht schöpften.

Heraus ragte neben den beiden Sängern Aldana (Tres) und Borrego (Posaune) Trompeter Dilout. Er glänzte mit einer inbrünstigen Inhaltlichkeit und geradezu chirurgischen Präzision und verströmte sich einfach, besonders im zweiten Teil.

Nach und nach entfalteten sich die einzelnen Instrumentalisten (nur der Pianist und der Congaspieler sangen nicht) mit mannigfaltigem Detailreichtum. So fügte etwa Bandleader Llanes ein kleines Vokalsolo ein, das an sich schon eine Kostbarkeit war. Und Pianist Heber Alberto Méndez Gómez glänzte mit einem Einfallsreichtum, der von kongenialer Sensibilität geprägt war. Dass die Sänger auch vor der Bühne Kontakt zu jungen Damen fanden, war irgendwie klar: schon im ersten Teil tanzte das halbe Kino, und dabei blieb es. Ein tolles Konzert auf höchstem Niveau, nachher lächelten alle.

Nach dem gestrigen Gastspiel von Melanie Bong und Lulo Reinhardt (Bericht folgt) wird das Festival heute um 19.30 Uhr mit einem Konzert des iranischen Duos Naqsh im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge fortgesetzt. Am Samstag um 20 Uhr ist dann die Band "Radio Rumeli" (anstelle von "Turbo Sapienova" in der Kinokneipe "Statt Gießen" zu erleben (www.kuenstlich-ev.de).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema