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Für Kinder in Nairobi

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Von: Sascha Jouini

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Christian Weymann, Dietrich Lasius, Tilman Saniter und Thomas Tüschen (v.l.) spielen im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge für den guten Zweck. © Sascha Jouini

Lich (jou). Die Vorfreude auf die Musik beim Konzert mit dem Ensemble Medici am Freitag im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge wuchs von Minute zu Minute, mussten die Besucher doch auf die verspätete Landrätin Anita Schneider warten, die die Schirmherrschaft übernommen hatte. In ihrem Grußwort dankte Schneider den Künstlern dafür, »immer wieder auf der Bühne zu stehen und damit vielen Menschen in Afrika zu helfen«.

Das von drei Kinderärzten und einem Chirurgen gebildete Ensemble unterstützt die Organisation »Ghetto Classics«, die Kinder und Jugendlichen in den Slums von Nairobi ermöglicht, ein klassisches Instrument zu lernen und im Orchester zu spielen.

Dies erinnerte Schneider daran, was hierzulande Musikschulen wie die in Lich leisten, die das Konzert veranstaltete: Sie stärken Kinder in ihrer Entwicklung. So gilt es als erwiesen, dass gemeinsames Musizieren die Konzentration wie auch soziale Fähigkeiten schult.

Bis Heranwachsende so anspruchsvolle Werke wie das Ensemble Medici darbieten können, ist es freilich ein weiter Weg. Die Mitglieder des Streichquartetts - Christian Weymann (1. Violine), Dietrich Lasius (2. Violine), Tilman Saniter (Viola) und Thomas Tüschen (Cello) - erhielten neben ihrem Medizinstudium eine fundierte musikalische Ausbildung, ergänzt durch zahlreiche Meisterkurse.

Spielerischer Charme

Zu Beginn widmeten sie sich Ludwig van Beethovens Quartett c-Moll op. 18 Nr. 4. Im Allegro-Kopfsatz gefielen vor allem das genaue Timing, die weiten musikalischen Bögen und eleganten Übergänge. Während die beiden Violinisten hier noch ein wenig kantabler und konturierter hätten spielen können, ließ der voller Fugati steckende zweite Satz dank plastischer Stimmenzeichnung keine Wünsche offen. Lebhaft wurde es beim Menuett. Hier setzte das Ensemble die Akzente so stark wie eben nötig und entführte die Hörer beim Trio in beschauliche Sphären. Das spielerischen Charme versprühende Allegro-Finale rundete das Vergnügen ab.

Aus Antonin Dvoráks »Amerikanischem Quartett« F-Dur op. 96 berührte besonders das Lento mit dem innigen Gesang der ersten Violine, den das Cello fortspann. Die atmosphärische Aufgeladenheit traf das Ensemble sensibel und ließ selbst im zarten Piano den musikalischen Strom nie abreißen. Zu begeistern vermochte auch der temperamentvoll gespielte Schlusssatz. Nach diesem folkloristisch inspirierten Quartett passte als Zugabe vorzüglich die Bearbeitung eines schwedischen Volksliedes.

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