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Im Hof dieses Anwesens in Bettenhausen ereignete sich im April 2002 ein grausames Verbrechen. FFOTO: GAZ-ARCHIV

2002 in Bettenhausen

Freundin mit Klappmesser getötet

  • Susanne Riess
    VonSusanne Riess
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Eine 37-Jährige muss sterben, weil sie sich von ihrem gleichaltrigen Freund trennen will. Der US-Amerikaner tötet die junge Mutter im April 2002 in Bettenhausen mit einem Klappmesser.

I killed my girlfriend« (Ich habe meine Freundin getötet« - mit diesen Worten meldet sich der 37-jährige Jonathan W. am 28. April 2002 gegen 13 Uhr bei der Polizei in Gießen. Rettungswagen und Notarzt werden daraufhin sofort nach Bettenhausen geschickt, dort soll sich die schreckliche Tat ereignet haben. Doch für die Frau kommt jede Hilfe zu spät. Der Mediziner kann nur noch den Tod der Frau feststellen, ihr Leichnam liegt in einer Blutlache. Laien würden sagen, ihr wurde die Kehle durchgeschnitten. Tatort ist ein Anwesen in der Bettenhausener Obergasse.

Täter stellt sich bei der Polizei

Der Mann selbst hat, als er bei der Polizei erscheint, Verletzungen am Hals und an den Handgelenken. Hat er sich diese Wunden in selbstmörderischer Absicht selbst zugefügt? Er muss in einer Klinik versorgt werden, wird aber kurz darauf wieder entlassen.

Der 37-jährige Zivil-Amerikaner, in einer Küche der US-Armee am Standort Friedberg beschäftigt, gibt bei der Polizei zu Protokoll, dass es zwischen 12 und 13 Uhr zum Streit zwischen ihm und seiner Freundin gekommen sei, in dessen Verlauf er sie auch geschlagen habe. Daraufhin sei die Frau nach draußen auf den Hof geflohen, offenbar wollte sie bei den Nachbarn Hilfe holen. Er sei dann hinter ihr her gelaufen, habe sie an einer Tür im Hof »gestellt« und ihr mit einem Klappmesser die Kehle durchtrennt.

Frau liegt tot im Hof

Wie konnte es zu dieser grausamen Tat kommen, noch dazu am helllichten Tag? Eine Nachbarin wird später aussagen, sie habe das aus Münster bei Laubach stammende Opfer gegen 10.30 Uhr noch gesehen, als die Frau gerade mit ihrem Auto vor dem Haus vorgefahren war. Gegen 12 Uhr sei W. dann zu seinem Wagen gelaufen und habe einer Nachbarin zugerufen, sie möge die fünfjährige Tochter um 12.30 Uhr vom Kindergartenbus abholen und das Kind mit zu sich nehmen.

Da die Nachbarin mit dem Paar befreundet ist, fragt sie nicht nach. Was sich in der Zwischenzeit auf dem Grundstück abgespielt hat, davon ahnt sie nichts. Wie sich später herausstellen wird, ist die Mutter des Kindes zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr am Leben. Sie liegt tot im hinteren Teil des Hofes, von der Straße nicht einsehbar.

Opfer wollte ausziehen

Bei dem Paar soll es laut Aussagen von Anwohnern schon öfter zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Auch von Handgreiflichkeiten ist die Rede. Auf die Frage, warum sie ein blaues Auge habe, soll die 37-Jährige einmal geantwortet haben, ihr Freund habe sie geschlagen. Nun hat sie offenbar die Konsequenzen gezogen und will aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, sie will zurück zu ihren Eltern nach Münster. Einige Möbelstücke sind zum Tatzeitpunkt bereits abtransportiert. Am 29. April habe sie ihn schließlich endgültig verlassen wollen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Zwar habe man keinen engen Kontakt zu dem Paar gehabt, dennoch seien beide immer freundlich aufgetreten.

Unverständlich für die Nachbarn in der Obergasse ist, dass die Auseinandersetzung des Paares von der Freundin des Hausbesitzers, die im hinteren Teil des Hofes wohnt und zum Tatzeitpunkt zu Hause ist, offenbar unbemerkt bleibt. Die getötete Frau habe doch sicher fürchterlich geschrieen und sich nicht einfach so ihrem Schicksal ergeben.

Was den Menschen im Dorf ebenfalls zusetzt, ist die Tatsache, dass es im Anwesen Obergasse 18 schon mehrfach zu brutalen Übergriffen gekommen ist. Im Oktober 1997 hatte dort ein Mann seinen Cousin zu Tode getreten, kurz danach war das Haus vom damaligen Besitzer aus Muschenheim an einen Mann aus Offenbach verkauft worden.

Schwere Vorwürfe des Angeklagten

Der Käufer hat das Anwesen saniert und lebt seither mit seiner Freundin dort. Früher ist es oft zu nächtlichen Ruhestörungen durch Betrunkene gekommen, doch mit dem Besitzerwechsel ist Ruhe eingekehrt. 1998 ist die nun getötete Frau mit ihrem Freund Jonathan W. dort eingezogen.

Im Januar 2004 beginnt in Gießen der Prozess gegen den US-Amerikaner. Er muss sich wegen Mordes an seiner Freundin verantworten, ihm droht eine lebenslängliche Strafe. Obwohl der Fall eigentlich aufgeklärt scheint, startet der Prozess mit einer Überraschung: Der Angeklagte widerruft sein Geständnis. Er habe bei der Polizei lediglich ein Geständnis abgelegt, weil er sich für den Tod der Freundin. verantwortlich gefühlt habe.

Die Tatwaffe, das Klappmesser, habe er aber nicht geführt. Stattdessen erhebt er schwere Vorwürfe gegen seine Freundin: Sie sei der Prostitution nachgegangen - zumindest habe er das vermutet. Die gemeinsame Tochter habe im Alter von fünf Jahren noch Windeln getragen, sei zudem von der Frau misshandelt worden.

Seine Anschuldigungen und Verdächtigungen reichen bis hin zu sexuellem Missbrauch. Worauf sich dieses Vermutungen stützen, kann der Angeklagte nicht näher begründen. Die einzige halbwegs plausible Antwort: es habe keinen körperlichen Kontakt mehr zwischen ihm und seiner Freundin gegeben.

Am zweiten Verhandlungstag gesteht W. die Tat schließlich auch vor Gericht, »so nebenbei«. Beim Betrachten von Fotos auf dem Richtertisch bemerkt er beiläufig: Ja, das sei das Messer, mit dem er seine Freundin umgebracht habe.

Urteil lautet lebenslang

Die Richter verurteilen den US-Amerikaner, einen ehemaligen Soldaten, schließlich zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der Mann habe seine Partnerin als Eigentum betrachtet, meint der Vorsitzende Richter. Als die Frau gedroht habe, sich von ihm zu trennen, habe sie sterben müssen. Dadurch sei das Mordmerkmal »niedrige Beweggründe« erfüllt.

Der Angeklagte habe sich alle Freiheiten genommen, mehrere Affären gehabt, in Marburg sogar einen Sohn gezeugt und der Freundin das auch noch verkündet. Die 37-Jährige hingegen habe unter seiner Eifersucht leiden müssen. Gegen seine Partnerin habe er »gänzlich haltlose Fantasien und Verdächtigungen« gehegt. Keine diese Beschuldigungen habe sich als wahr herausgestellt, so der Richter.

Was bleibt, ist ein Kind, dem die Mutter genommen wurde, und das mit der Gewissheit leben muss, dass der eigene Vater ein Mörder ist. Ein Leben lang.

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