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Nach einem Aufruf der HETA-Verfahrenstechnik haben freiwillige Näherinnen bislang rund 1500 Masken aus hochwertigem Filtervlies gefertigt. Geschäftsführer Heiko Hensel, Commercial Director Thomas Brühl und ihre Nachbarn, die Orthopäden Petra Michel-Leutheuser und Dr. Wolfgang Leutheuser, äußern sich begeistert über die Resonanz. FOTO: US

Masken

Firma spendet, Freiwillige nähen: Sichere Masken made in Lich

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In einer groß angelegten Spendenaktion hilft die Firma HETA aus Lich, Arztpraxen und Altenheime mit dringend benötigten Masken zu versorgen.

Gäbe es einen Preis für die originellste Gesichtsmaske, Gesine Pabel hätte Chancen auf einen Spitzenplatz. Ihre Kreationen sind mit gemustertem Baumwollstoff überzogen und teilweise nach den Wünschen der künftigen Nutzer ganz individuell gestaltet. Viel wichtiger aber sind die inneren Werte. Der Mund-Nasen-Schutz ist mit hochwertigem Vlies gefüttert. Den Stoff mit hervorragenden Filtereigenschaften hat die HETA Verfahrenstechnik GmbH aus Lich gespendet.

Auch Feuerwehren haben Interesse

Gesine Pabel, von Beruf eigentlich Physiotherapeutin, ist nur eine von mehr als 30 Freiwilligen, die einem Aufruf des Unternehmens im Licher Wochenblatt gefolgt sind: "Näherinnen für Schutzmasken gesucht". Die Resonanz war überwältigend. Seit Beginn der Aktion sind nach Schätzungen von HETA-Geschäftsführer Heiko Hensel etwa 1500 Masken entstanden, die kostenlos an Arztpraxen, Altenheime und ähnliche Einrichtungen abgegeben wurden. Auch Feuerwehren sind unter den Interessenten.

Dabei hat HETA mit Textilproduktion so gar nichts am Hut. Der Anlagenbauer aus der Gottlieb-Daimler-Straße produziert hochspezialisierte Filteranlagen, die in der Chemie-Industrie, bei der Meerwasserfiltration, bei der Förderung von Erdgas und Erdöl oder auch in Kernreaktoren zum Einsatz kommen. Der Mittlere Osten ist für HETA ein zentraler Markt. "In Lich kennt man uns eigentlich nicht", sagt Commercial Director Thomas Brühl. Das hat sich in den letzten drei Wochen gründlich geändert.

Auf die Idee mit den Masken ist Geschäftsführer Hensel gekommen. Privat hat er miterlebt, wie sehr Altenheime hierzulande mit dem Materialmangel zu kämpfen haben. Beruflich stand er vor der Herausforderung, Schutzausrüstung für die Mitarbeiter zu besorgen. Die Bestellung gestaltete sich kompliziert, und Hensel geriet ins Grübeln: "Wenn schon ein Unternehmen mit internationalen Netzwerken wie wir Schwierigkeiten hat, wie soll das dann eine normale Arztpraxis schaffen?" So machte er in der nächsten Sitzung der Geschäftsführung den Vorschlag, die großen Beutel aus Filtervlies, die das Unternehmen auf Lager hat, für die Maskenproduktion zur Verfügung zu stellen. Bei der Familie Ruppel, den Eigentümern der PACO-Group, zu der HETA gehört, stieß er auf offene Ohren. Dann ging alles ganz schnell: "Eine Woche nach dem Beschluss waren die ersten Masken da," erzählt er. Mittlerweile türmen sie sich überall in seinem Büro, jeden Tag werden neue abgegeben.

Hochwertiges Material, aber nicht zertifiziert

Eine Information ist dem Geschäftsführer wichtig. Das Material, aus dem der Mund-Nasen-Schutz genäht wird, ist hochwertig, es kann auch kleinste Tröpfchen abhalten. "Besser als FFP3-Standard", sagt Hensel. Aber zertifiziert seien die handgenähten Masken natürlich nicht. Dafür sind sie hitzebeständig und können bei 70 Grad im Ofen für den nächsten Einsatz wieder fit gemacht werden.

Dankbare Abnehmer haben die Masken gleich in der Nachbarschaft gefunden, bei Petra Michel-Leutheuser und Dr. Wolfgang Leutheuser. Die beiden Ärzte betreiben in Gießen eine orthopädische Praxis. "Die, die die Schutzausrüstung am nötigsten bauchen, haben sie nicht", berichten sie. "Wir haben wochenlang drauf gewartet."

Aktion für die Region

Die Notiz im Licher Wochenblatt kam da wir gerufen. "Ich habe sie gelesen und bin gleich rübergelaufen", erzählt Michel-Leutheuser. Sie und ihr Mann nutzen den Gesichtsschutz nicht nur im eigenen Team, sondern geben ihn auch an andere Praxen weiter. "Man fühlt sich wirklich sicher", loben die beiden.

So hat sich das Heiko Hensel auch vorgestellt. "Ein unkonventioneller Dienst in einer außergewöhnlichen Lage", sagt er über die Aktion, von der die Menschen vor Ort profitieren sollen. Eine Anfrage, 800 Masken nach Hamburg zu liefern, hat er abgelehnt. Den Näherinnen aus dem Raum Lich und Hungen hingegen steht es frei, einen Teil ihrer Produktion gratis im Bekanntenkreis zu verteilen. "Es soll eine Spende sein", betont Hensel, der den Materialwert des zur Verfügung gestellten Vlies auf mehrere tausend Euro beziffert.

Den Prototyp hat er übrigens gemeinsam mit seiner älteren Tochter Anna, einer Viertklässlerin, ausgetüftelt. Es handelt sich um die "asiatische Form"; die Masken aus dem festen Vlies sehen aus wie ein kleines Schnäuzchen, das man sich über Mund und Nase stülpt. Was die Befestigung angeht, so sind der Fantasie der Näherinnen keine Grenzen gesetzt. "Da können wir nichts zur Verfügung stellen", sagt Heiko Hensel. Also nehmen die Produzentinnen, was sie gerade zu Hand haben, vom Gummiband über bunte Schnüre bis hin zu feiner Spitze.

Den Frauen, ohne die die ganze Aktion nicht denkbar gewesen wäre, ist Hensel jedenfalls unendlich dankbar. Und ihre Dienste werden weiter benötigt. Weil die etwa 1500 Masken, die bislang verteilt wurden, angesichts der ab kommender Woche geltenden Maskenpflicht die Nachfrage nicht decken, hat man bei Heta soeben Material für weitere 2000 Masken zur Verfügung gestellt. Derweil schlägt die Hilfsaktion immer weitere Kreise. Manche Abnehmer haben unbedingt darauf bestanden, für den Gesichtsschutz zu bezahlen. Heiko Hensel hat das letztlich akzeptiert. "Wir werden das Geld für gemeinnützige Zwecke weitergeben", versichert er. "Das Ganze soll eine Spendenaktion bleiben."

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