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„Keine Überraschungen mehr“: Lich kündigt Ende der Bürgerhaus-Dauerbaustelle an

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Von: Christina Jung

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Im Inneren wird sich einiges ändern, beispielsweise im Bereich der Bühne, die einen direkten Zugang vom Saal erhält
Im Inneren wird sich einiges ändern, beispielsweise im Bereich der Bühne, die einen direkten Zugang vom Saal erhält © ARCHITEKTUR- UND INGENIEURBÜRO LEIDNER UND PARTNER

Eigentlich sollte die Sanierung des Licher Bürgerhauses nach einem Jahr abgeschlossen sein. Nun dauern die Bauarbeiten schon 33 Monate. Insbesondere für die Vereine ist das ein großes Ärgernis. Doch Ende 2022 ist damit Schluss.

Lich – Das neue Jahr ist gerade drei Wochen alt, da hat Lichs Bürgermeister Dr. Julien Neubert schon das Ende von 2022 im Blick. Dann nämlich soll die Dauerbaustelle Bürgerhaus endlich Geschichte sein. Bei einer Pressekonferenz im Stadtverordnetensitzungssaal informierte der Verwaltungschef gestern gemeinsam mit Architekt Christoph Leidner sowie Marco Römer und Stefan Rauch von der Bauverwaltung über den aktuellen Sachstand. Bittere Pille für die Vereine: Bis zur Wiedereröffnung müssen sie sich noch ein knappes Jahr gedulden.

16 Monate zuvor hatte es schon einmal einen Pressetermin gegeben. Auch damals hatte Neubert mit Blick auf die Fertigstellung schlechte Nachrichten. Immer mehr Probleme waren im Zuge der Sanierung aufgetreten und hatten zu zeitlichen Verzögerungen geführt - angefangen beim mangelnden Brandschutz über statische Schwierigkeiten mit der Dachkonstruktion bis hin zur angespannten Auftragslage in der Baubranche. Und so ging es weiter.

»Das Grundproblem dieses Sanierungsprojektes ist, dass es immer wieder zu Überraschungen kommt«, so Neubert, der mit Blick auf die Begegnungsstätte »sehr, sehr bedaure, dass wir die Halle immer noch nicht öffnen konnten«. Was seit September 2020 passiert ist, listete der für den Hochbau zuständige Verwaltungsmitarbeiter Stefan Rauch auf: der restliche Abbruch im Innenbereich, die komplette Dachsanierung mit Abbruch der statisch nicht mehr sicheren Bimsplatten sowie dem Einbau einer neuen Dachtragschicht in Form von Trapezblechen, die Untersuchung der vielfach schadhaften Betonbauteile sowie deren anschließende umfangreiche Sanierung und die Ertüchtigung der Stahlfachwerkträger im Dach. Darüber hinaus wurde die Bühne umgebaut - sie ragt künftig in den Saal hinein, wird von dort einen direkten Zugang und hinten einen Backstagebereich haben.

Fensterflächen wurden reduziert, fehlende Notausgänge geschaffen, ebenso für die Vereine ein direkter Eingang zur Halle. Wände wurden zwecks neuer Aufteilung der Nebenräume versetzt, beispielsweise um die Umkleiden der aktuellen Nutzung anzupassen.

Eine Kombination aus Klinkern und Putzfassade soll das sanierte Licher Bürgerhaus außen kleiden.
Eine Kombination aus Klinkern und Putzfassade soll das sanierte Licher Bürgerhaus außen kleiden. © ARCHITEKTUR- UND INGENIEURBÜRO LEIDNER UND PARTNER

Dass die Halle nicht, wie vor 16 Monaten unter Vorbehalt angekündigt, nach den Sommerferien 2021 öffnen konnte, hatte laut Rauch verschiedene Ursachen. Ein Konzept für die Betonsanierung musste her, ebenso eine Schadstoffanalyse für die Abbrucharbeiten. Zudem war die Stadt zwischenzeitlich gezwungen gewesen, sich nach einem neuen Fachplaner für den Bereich Elektro umzuschauen. Die Schäden an den Bimsdielen sowie den Stahlfachwerkträgern seien elementar gewesen, was aber erst nach dem Rückbau des Unterdaches zum Vorschein kam, so Rauch. »Diese Arbeiten mussten kurzfristig in den Zeitplan mit aufgenommen werden, was aufgrund der aktuellen Situation im Baugewerbe nicht einfach war«, erklärt der Fachmann.

Am Ende hatte Rauch aber auch eine gute Nachricht zu verkünden: »Jetzt sind keine weiteren Überraschungen mehr zu erwarten.« Sämtliche Abbrucharbeiten seien durch, nun stünde der Innenausbau auf dem Programm: Elektro- und Haustechnik, Heizung, Sanitär und Lüftung, Innenputz, Obeflächengestaltung. Und sobald es die Witterung zulasse, geht es laut Architekt an die Außenarbeiten.

Für die Fassade hat sich Christoph Leidner eine Kombination aus Klinkern und dunklem Putz ausgedacht. Die Zweiteilung soll das Gesamtbild auflockern.

Die Gesamtkosten bezifferte der Bürgermeister auf 3,8 Millionen Euro. »Aber letztlich werden wir das erst sagen können, wenn die Maßnahme abgeschlossen ist.« Ursprünglich waren für das Vorhaben 1,5 Millionen Euro vorgesehen, doch es sei schnell absehbar gewesen, dass das nicht reichen würde.

Geschlossen worden war das Bürgerhaus im April 2019. Damals hatten sich die Nutzer, allen voran der TV Lich auf eine gut zwölfmonatige Übergangszeit eingestellt. Wenn die Halle Ende des Jahres wieder öffnet, wird die Schließung mehr als dreieinhalb Jahre gedauert haben.

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