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Lesung mit (v. l.) Laura Nold, Seba Habibyar, Valentina Dietrich.

"Erzähl doch mal was"

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Lich(pm). Es ist in der Tat eine Kunstfertigkeit, auf gerade einmal fünf Seiten die niederschlagende Geschichte einer kleinen Familie zusammenzufassen - eine Erzählung, die traurig macht, die hoffnungslos und sicherlich nicht einzigartig ist. Kein Wort zu viel, keine Gefühlsduselei und dennoch vom ersten bis zum letzten Wort voller Empathie. Gelungen ist dies der 23-jährigen Grünbergerin Laura Nold, die 2019 beim 16. Jugend-Literaturpreis der OVAG mit ihrer Geschichte "Zuhause" den ersten Platz gewonnen hat. Gemeinsam mit zwei weiteren der insgesamt 23 Preisträger las sie nun ihre ausgezeichnete Arbeit nun vor Schülern der Dietrich-Bonhoeffer-Schule vor.

Eine junge Frau besucht kurz vor Weihnachten ihr Elternhaus, vermeintlich im ländlichen Gebiet. Verdeckte Vorwürfe der Mutter, ein Vater, der sich am Essenstisch die Fußnägel schneidet und ansonsten auf sein Handy starrt und Interesse am Studium der Tochter vortäuscht, um nur irgendetwas zu sagen. Die Großmutter, die bemüht ist, einen Gesprächsfaden zur Enkelin zu knüpfen und dabei von der eigenen Mutter abgebürstet wird ("So hätte ich mit meiner Mutter nie geredet", sagt Oma leise) und die hilflose Aufforderung der Mutter: "Erzähl doch mal was." Am Ende von "Zuhause" ruft die Erzählerin einen Freund in der Großstadt an: "Kannst du mich abholen? Ich will nach Hause."

Prekär ist auch das Familienverhältnis, das Seba Habibyar (18 Jahre) aus Bad Nauheim in "Du" schildert. Dabei hat sie Trauer und Zorn herausgelassen über die Beziehung zu ihrem Vater, der sich von der Familie getrennt hat und jetzt auf der Suche nach einem Zugang zu seiner Tochter ist. Erst 15 Jahre ist Valentina Dietrich aus Friedberg, welche die Jury mit ihrem Text "Ihr letzter Wunsch" auszeichnete. Ein Mädchen hat nicht mehr lange zu leben und bittet ihre beste Freundin, ihr den letzten Wunsch zu erfüllen - eine Reise nach Wien. Das Buch "Gesammelte Werke" mit den 23 Texten der Preisträger 2019 kostet 12 Euro (Info: Tel. 0 60 31/68 48-11 93). FOTO: PM

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