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Die Solisten Tomi Wendt, Markus Francke, Frauke Willimczik und Helena Günther (v. l.) nehmen den Beifall entgegen. FOTO: JOU

Elegant und finessenreich

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Lich(jou). Voller Glanzlichter steckte die Aufführung der ersten Hälfte von Johann Sebastian Bachs "Weihnachtsoratorium" am Sonntag in der nahezu voll besetzten Marienstiftskirche. Das Konzert unter Leitung des Kantors Christof Becker gewann noch an Faszinationskraft durch die vorangestellte, für festliche Einstimmung sorgende Adventskantate "Nun komm, der Heiden Heiland" BWV 61. Die Marienstiftskantorei und Cappella Instrumentalis zeigten darin gemeinsam mit hervorragenden Solisten künstlerische Qualitäten, die auch das Hauptwerk bestimmen sollten: Tenor Markus Francke ließ in der Arie "Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche" mit makellos-elegantem, sehr klaren Vortrag aufmerken. An diese kristallene Linie knüpften Bassist Tomi Wendt und Sopranistin Helena Günther überzeugend an.

Vorzügliches Gesamtbild

Beim "Weihnachtsoratorium" ist der erste Eindruck beim berühmten Eröffnungschor "Jauchzet, frohlocket" nachhaltig, und der hätte kaum besser ausfallen können. Kantor Becker wählte ein behutsam ausgelotetes Tempo und lenkte sein Augenmerk bei Chor und Orchester gleichermaßen auf deutliche Artikulation. In der Evangelistenrolle zog Markus Francke die Hörer durch bildhafte Anschaulichkeit in den Bann. Die Arien bereiteten durchweg Genuss. Sehr ansprechend, im Mittelteil besonders finessenreich gelang Altistin Frauke Willimczik etwa "Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben".

Das in der historischen Aufführungspraxis versierte Orchester unterstützte Chor und Solisten einfühlsam. Anmutig geriet die arabeskenhafte Umspielung der Gesangsmelodie bei der eingeschobenen Arie "Süßer Trost, mein Jesus kömmt". Sopranistin Helena Günther arbeitete hier sehr schön den Kontrast heraus zwischen dem ruhigen musikalischen Strom in den Rahmenteilen und dem lebhaften, inneres Vergnügen vermittelnden "Herz und Seele freuet sich" im Zentrum. Restlos zu begeistern vermochte auch Bassist Tomi Wendt in "Großer Herr und starker König" mit seiner resoluten, im Detail durchdachten Interpretation.

Zum Balsam für die Seele wurde die beschauliche Sinfonia zu Beginn des zweiten Teils. Schön anzusehen war hier, wie Becker das Orchester mit weit ausholender Gestik zu sanft fließendem Vortrag trieb. Ebenso gut gerieten kammermusikalisch-intime Sätze, etwa die technisch knifflige Arie "Frohe Hirten, eilt, ach eilet", bei der Tenor und Traversflötist in puncto Virtuosität auf Augenhöhe agierten. Das vorzügliche Gesamtbild hielt bis zum Schluss. Sehr fein harmonierten Günther und Wendt im Duett "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen". Stets aufs Neue zu bezaubern vermochte die variabel gehandhabte Instrumentierung, die bis zur empfindsamen Violinbegleitung bei der kontemplativen Altarie "Schließe mein Herze, dies selige Wunder" reichte. Alle Beteiligten wurden für ihre leidenschaftliche Hingabe mit kräftigem Beifall belohnt.

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