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Er hat die Vorhänge zurückgezogen und die Fenster geöffnet. Jeder, der in sein Büro kommt, soll die wunderschöne Kulisse seiner Heimatstadt sehen. Und er auch. Seit gestern führt Julien Neubert die Geschäfte im Licher Rathaus. FOTO: TI

Erster Arbeitstag

Lichs neuer Bürgermeister Julien Neubert nimmt die Geschäfte auf

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Bis Mittwoch arbeitete Dr. Julien Neubert als Demografiebeauftragter des Landkreises. Seit gestern sitzt er im Licher Rathaus auf dem Chefsessel.

Die bodenlangen Gardinen sind zurückgezogen. Die Sonne scheint in das großzügige Büro im ersten Stock des Rathauses. Das Fenster in Richtung Stadtturm steht weit offen und gibt den Blick auf den "längsten Licher" und die Marienstiftskirche frei. Auf der anderen Fensterseite macht sich der blaue Himmel über der Oberstadt breit. "Wunderschön" findet Dr. Julien Neubert diese Kulisse. In den kommenden sechs Jahren wird er sie täglich von seinem neuen Arbeitsplatz aus sehen.

Bereits am Montag hat der 32-Jährige begonnen, sich einzurichten, Bücher in Schränke geräumt, persönliche Dinge arrangiert. Ein Foto seines Neffen steht auf dem Schreibtisch, ein Stück weiter eine Manekineko. Die winkende Katze ist ein beliebter japanischer Glücksbringer und war für den bisherigen Demografiebeauftragten des Landkreises ebenso ein Abschiedsgeschenk ehemaliger Kollegen, wie ein kleiner Kaktus und eine Bildercollage.

Kampf mit alten Wänden

Letztere anzubringen sei allerdings nicht einfach gewesen. Im Gegenteil: "Es war ein Riesenakt in diese alten Wände einen Nagel zu bekommen", erzählt Neubert. Aber mit dem Durchhaltevermögen, das den studierten Politikwissenschaftler schon im Wahlkampf, insbesondere in der Diskussion um die Langsdorfer Höhe ausgezeichnet hatte, erreichte er sein Ziel.

Ober er in der Nacht vor seinem Amtsantritt gut geschlafen hat? Ja, sagt Neubert. Aufgeregt war er trotzdem und das schon eine ganze Weile. "Eigentlich seit November", gibt er zu. Da standen die ersten Gespräche mit Bernd Klein und Hauptamtsleiter Frank Arnold an. Neubert nahm Termine wahr und wurde vermehrt von Bürgern kontaktiert. "Mir wurde klar, jetzt wird es ernst."

Seit gestern ist Neubert, derzeit der jüngste Bürgermeister im Landkreis, für eine Stadt mit 14 700 Einwohnern zuständig, außerdem Chef von 169 Mitarbeitern, 38 davon in der Kernverwaltung. Eine große Verantwortung, wie er findet. Und auch deshalb ist er an seinem ersten Arbeitstag aufgeregt. "Ich war ja noch nie Chef von so vielen Menschen."

Verwaltung zukunftsfähig machen

Letztere dürfen sich auf eine kooperativ-kommunikative Führung einstellen und darauf, dass Neubert einiges anders machen wird als sein Vorgänger. Als erstes hat sich der Sozialdemokrat vorgenommen, die Kommunalverwaltung zukunftsfähig und die Stadt als Arbeitsplatz attraktiver zu machen. "Wir sind hier sehr gut besetzt, die Leute denken selbstständig. Das soll auch so bleiben." Darüber hinaus ist ihm die Digitalisierung des Rathauses wichtig, um Abläufe künftig reibungsloser zu gestalten. Ein weiterer Punkt ist die Bürgerbeteiligung, auf die er seinen Fokus legen und den Prozess eventuell professionell begleiten lassen will. Neubert: "Damit niemand mehr sagen kann, da wird im stillen Kämmerlein gemauschelt."

Bereit für das Historische Spiel

Um neun Uhr begann Neubert gestern seinen ersten Arbeitstag als Verwaltungschef. Die erste Amtshandlung bestand im Überreichen eines Blumenstraußes an seine Sekretärin. "Weil sie alles so schön vorbereitet hat", sagt er. Anschließend galt es, Dokumente zu unterzeichnen und Termine abzustimmen, bevor der neue Bürgermeister sich seinen Mitarbeitern vorstellte. Bürgerbüro, Standesamt, Bauhof und Ordnungsamt schaffte Neubert noch vor dem Pressetermin am Mittag. Heute führt er die Runde fort, denn um 14 Uhr stand gestern seine erste Magistratssitzung auf der Tagesordnung, anschließend die Bürgersprechstunde. Eine Anmeldung hatte die Sekretärin hierfür am Mittag vorliegen. Die kam von Gerhard Pappe. Das Thema: die Teilnahme Neuberts am Historischen Spiel, dessen Proben dieser Tage begonnen haben. "Ich weiß zwar noch nicht welche Rolle ich übernehmen soll, aber ich bin dabei", meinte Neubert mittags.

Ob er stolz ist, auf dem Bürgermeisterstuhl zu sitzen? "Es erfüllt mich irgendwie", meint er. Als Kindergartenkind hatte Neubert anlässlich eines Geburtstages von Ludwig Seiboldt im Rathaus gesungen. Als er zu Hause davon erzählte, habe sein Großmutter gesagt: Das kannst Du ja auch mal machen. Und als er viele Jahre später als Student einigen Kommilitonen die Altstadt zeigte und die Gruppe am Rathaus vorbeikam, meinten diese: Hier wirst Du dann irgendwann mal sitzen. Gerstern Morgen lief er dann durch die Oberstadt auf das Rathaus zu und ihm wurde klar, dass es tatsächlich soweit ist. Neubert: "Das ist schon echt krass."

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