Luisa Kantorowicz eröffnete am Sonntag ihr neues Restaurant in Lich. 		FOTOS: PAD
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Luisa Kantorowicz eröffnete am Sonntag ihr neues Restaurant in Lich. FOTOS: PAD

Existenzgründer

Lich: Luisa Kantorowicz eröffnet neues Restaurant im Golfclub

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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In Corona-Zeiten ein Geschäft eröffnen? Es gibt a Menschen, die genau das getan haben - wie die Gastronomin Luisa Kantorowicz aus Lich und der Florist Martin Hofmann aus Röthges.

Am Samstag hatte Luisa Kantorowicz noch einmal über die Fenster gewischt. Sicher ist sicher. Für den großen Tag sollte alles glänzen. Am Sonntag dann eröffnete sie in Lich ihr Lokal: »Luisa’s Restaurant«. Der Zeitpunkt mag äußerst ungewöhnlich erscheinen. Immerhin darf die Gastronomie seit dem 2. November nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten.

Kantorowicz ist eine von wenigen, die sich in diesen Zeiten trauen, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Genaue Zahlen, die einen Rückgang an Existenzgründungen belegen, konnte die IHK auf Anfrage nicht nennen. Doch in den Wochen, in denen immer mehr Unternehmer über ganz substanzielle Sorgen klagen und nicht wissen, wie es weitergeht, erscheint ein solcher Schritt äußerst mutig.

Auch die 42-jährige Kantorowicz hatte sich den Tag der Neueröffnung anders vorgestellt. Ein kleiner Empfang, bei dem die Besucher einen Blick in die Räume werfen können, das schwebte ihr ursprünglich vor. Doch dann kam der Lockdown. Nun bietet sie ihre Gerichte zum Abholen an. »Sobald es möglich ist, das Restaurant wieder zu öffnen, machen wir eine kleine Eröffnungsfeier«, sagt sie.

»Luisa’s« ist Nachfolger von »Remo’s«

Dass Kantorowicz zur Gastronomin wurde, hat einen Grund: Lange Zeit hat sie für Remo Fabricius im Restaurant »Remo’s« im Clubhaus des Licher Golfclubs gearbeitet. Als dieser beschloss, sich zumindest für eine gewisse Zeit aus der Gastronomiewelt zurückzuziehen, entschied sie sich dafür, das Restaurant zu übernehmen. Keine Bedenken wegen Corona? »Ich bin optimistisch, dass zumindest das Weihnachtsgeschäft erlaubt wird«, sagt Kantorowicz. Zudem sieht sie auch einen positiven Aspekt: »Es geht langsam und ohne Stress los, die Küche und alles andere kann sich einspielen. Qualität ist wichtiger als Quantität.«

Aus den Fenstern des Restaurants blickt man auf die grünen Hügel des Golfplatzes. Es ist wie ein Kurzurlaub in Irland. Kantorowicz hofft, dass viele Menschen diesen Anblick bald wieder genießen können. »Es ist eine öffentliche Gaststätte, man muss kein Golfer sein, um hierher zu kommen«, sagt sie. Bis aber die ersten Familien auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen vorbeikommen dürfen, wird es noch einige Tage dauern. Die Gastronomin hat dies jedoch einkalkuliert. Auch wenn - was keiner hofft - die Einschränkungen im Dezember verlängert würden, wäre dies kein finanzieller Beinbruch. »Wichtiger ist, dass wir gesund sind. Alles andere kommt von allein.«

Florist im Homeoffice

Ein paar Kilometer weiter in Röthges ist Martin Hofmann erleichtert, dass er während des zweiten Lockdowns nicht schließen muss. Erst vor wenigen Wochen hat er die Geschäftsräume der »Blumenschmiede« offiziell eröffnet. So langsam spricht es sich herum, dass es im Laubacher Stadtteil nun ein Blumengeschäft gibt.

Auch bei ihm gibt es einen speziellen Grund für das Existenzgründungsjahr 2020. Seit mehr als einem Viertel Jahrhundert arbeitet Hofmann als staatlich geprüfter Florist, zunächst in Ruppertsburg, dann in Villingen und Ockstadt. Fast 20 Jahre führte er ein großes Blumengeschäft in Bad Nauheim. Dann entschied er, dass er ein wenig kürzer treten wollte - und dies mit einem kleinen eigenen Laden. Das mag erst einmal widersprüchlich klingen, da eine Geschäftseröffnung auch immer eine Menge Arbeit bedeutet. Doch da er diese nun in dem Haus erledigt, in dem er auch lebt, spart er sich jeden Tag lange Fahrtstrecken: »Ich bin quasi Florist im Homeoffice.«

Kontaktloser Blumenverkauf auf Vertrauensbasis

Eigentlich wollte Hofmann bereits im Frühjahr öffnen, aber mit dem ersten Lockdown war auch das passé. Da er noch einen Supermarkt beliefert, konnte er diese Zeit überbrücken. Auch in Röthges verkaufte er die ersten Blumen, auf - zumindest für Städter - etwas ungewöhnliche Weise: Er legte die Sträuße in einem öffentlich zugänglichen Regal bereit, aus dem die Kunden sie ohne Kontakt abholen konnten. »Da ist auch nie was geklaut worden, wir sind hier auf dem Dorf«, sagt er und schmunzelt.

Dass am Tag der Neueröffnung Röthges als »Dolles Dorf der Woche« einen Besuch von der »Hessenschau« bekam, war dann ein glücklicher Zufall - so erhielt der neue Laden gleich ein bisschen kostenlose Fernsehwerbung.

Jetzt freut sich Hofmann, den Kunden die Blumensträuße, Gestecke und floralen Dekorationen in den Räumen der ehemaligen Schmiede zu präsentieren. Und obwohl es seit der Eröffnung läuft, spricht er von einem harten Jahr für die Branche. Blumenarrangements zu Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen und Beerdigungen sind das Brot jedes Fachgeschäftes. Doch all das fiel seit März aus. Und auch seine kleinen Adventsausstellung mit Ständen der Ortsvereine vor der Blumenschmiede hatte sich mit den zuletzt steigenden Fallzahlen erledigt, bevor sie überhaupt eröffnet wurde. Vielleicht klappts 2021.

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