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Ein Zeichen für den Frieden

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Von: Ursula Sommerlad

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Lich (us). Der Krieg in der Ukraine verwüstet seit mehr als fünf Wochen Städte, Landstriche, Infrastruktur. Er tötet Menschen. Er treibt Millionen in die Flucht und nimmt ihnen alles, was ihr bisheriges Leben ausmachte. Angesichts dieser Katastrophe will der Verein künstLich ein Zeichen setzen. Er lädt am Sonntag, dem 10. April, zur »Friedensmusik« nach Lich ein.

Das Konzert, das um 17 Uhr im Kulturzentrum ehemalige Bezalel-Synagoge beginnt, wird von professionellen Musikern und einer Tänzerin aus der Ukraine gestaltet. Sie alle haben nach der Flucht aus ihrer Heimat rund um Gießen, Hungen und Lich eine Zuflucht gefunden.

Die künstlerische Leitung der »Friedensmusik« übernimmt künstLich-Vorstandsmitglied Vitalina Pucci. Die Pianistin, die an der Musikschule Hungen unterrichtet und durch Auftritte mit den Frauen-Comedy-Ensembles »Belle Mélange« und »Bittersüß« bekannt ist, stammt selbst aus der Ukraine. Als der Krieg ausbrach, wurde sie zum Anlaufpunkt zahlreicher Kollegen aus der alten Heimat, die ihr Land Hals über Kopf verlassen mussten.

»Wir von künstLich haben uns gefragt, was wir für Menschen tun können, die von heute auf morgen vor dem Nichts stehen«, berichtet Pucci. »Was gibt ihnen wieder Zuversicht?«

Die geplante Konzertreihe ist die Antwort. Die Mitwirkenden machen in Deutschland mit dem weiter, was in ihrem Leben seit jeher die zentrale Rolle spielt: Musik.

»Es sind Profis«, sagt Vitalina Pucci. »Sie wollen nicht nur auf Spenden oder Sozialhilfe angewiesen sein, sondern ihren Beruf ausüben.«

Unter den Musikern ist Puccis Mutter. Eleonora Akchurina, Jahrgang 1945, ist Konzertpianistin. Bis vor Kurzem hat sie noch unterrichtet. In Tschernihiw, jener belagerten Stadt im Norden an der Grenze zu Belarus, der ein ähnliches Schicksal droht wie Mariupol. Klavier spielt auch Diana Skoropad, die als Komponistin und Korrepetitorin an der Musikhochschule in Charkiw wirkte. Ebenfalls aus Charkiw kommt die Sängerin Yana Tarasenko.

Zu diesen drei Profis gesellen sich drei Nachwuchsmusiker. Der 16 Jahre alte Dmytro Havryliuk spielt Klavier. Er hat die Frühförderung der Tschaikowski-Musikakademie besucht. Die ein Jahr ältere Bratschistin Anastasiia Kostohryz wurde an der Musikfachschule in Tschernihiw ausgebildet. Jüngster im Bunde ist Daniil Pereplesnin (Saxophon). Er wollte in Kürze als Jungstudent an der Musikhochschule anfangen. Diesen Traum muss er jetzt begraben. Ergänzt wird das Programm von einer Tänzerin aus Odessa. Nelli Syupyur will die Geschichte der Ukraine im Tanz darstellen.

Die Moderation übernehmen Vitalina Pucci und als Gast der bekannte Hörbuch-Sprecher Sänger und Songwriter Sven Görtz. »Wir wollen ansprechen, wie dieser Krieg in das Schicksal von Menschen eingreift«, hat sich Pucci vorgenommen. »Und wir wollen als Künstler ein Zeichen für den Frieden setzen.«

Die »Friedensmusik« soll keine Eintagsfliege bleiben. Die Veranstalter von künstLich wollen sie gerne zu einer Veranstaltungsreihe weiter entwickeln und Auftritte in anderen Orten der Region organisieren, gerne mit wechselnden Gästen. Der Erlös wird an die Mitwirkenden aus der Ukraine als Gage ausgezahlt.

Vitalina Pucci hat, als sie vor 20 Jahren nach Deutschland kam, am eigenen Leib erfahren, wie sehr Musik beim Neustart helfen kann. Sie weiß: »Musik ist die Rettung.«

Friedensmusik- Ein Konzert ukrainischer Künstlerinnen, Sonntag, 10. April, 17 Uhr, Lich, ehemaliges Kulturzentrum Bezalel-Synagoge, Eintritt 15 Euro, Vorverkauf im Traumstern, Tel. 0 64 04/38 10.

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