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Bettina Roth (mit Adler) wurde 2019 Schützenkönigin. Die Suche nach einer Amtsnachfolgerin fiel 2020 der Pandemie zum Opfer. ARCHIVFOTO: PAD

Ein Jahr ohne König

  • vonPatrick Dehnhardt
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Das Königsschießen ist für jeden Schützenverein das Salz in der Suppe des Vereinsjahres. In Zeiten von Corona ist solch eine gesellige Veranstaltung nicht möglich. Auch der Trainingsbetrieb auf dem Schießstand ruht. Beim KK 1913 Lich hofft man jetzt auf den Frühling.

Das Königsschießen ist beim Kleinkaliber-Schützenverein KK 1913 Lich stets der Höhepunkt des Vereinsjahres. Ab den Morgenstunden wird auf den liebevoll gestalteten Sperrholzadler angelegt. Da es reines Glück ist, bei welchem Treffer die Halterung bricht, haben fördernde Vereinsmitglieder die gleichen Chancen wie aktive Sportler. Der ganze Verein kommt zusammen, es wird gegessen und gespannt auf den Moment gewartet, an dem der neue Schützenkönig feststeht.

Das Jahr 2020 endete, ohne dass der Name des neuen Königs in die Vereinschronik eingetragen werden konnte. »Das Königsschießen und der Stadtpokal waren nicht möglich«, sagt Vorsitzende Anke Burghammer. Corona machte einen Strich durch alle Pläne. Selbst wenn man nach jedem Schützen den Schießstand desinfiziert hätte, wäre doch das zentrale Element auf der Strecke geblieben: die Geselligkeit.

»Jeder Schütze freut sich auf dieses Event«, sagt Tanja Frank, Präsidentin des Hessischen Schützenverbandes. Wenn die Traditionsveranstaltungen ausfallen müssen, stimme dies traurig. Auch der Sportbetrieb leide unter den Einschränkungen. So dürfe nur allein, zu zweit oder innerhalb des eigenen Haushalts trainiert werden - und dies auch nur eingeschränkt.

»Wenn die Schützenhäuser geschlossen sind, haben wir keinen Zugriff auf die Schießstände«, sagt Frank. Zudem seien nicht in allen Schützenhäusern die Abstands- und Hygieneregeln umsetzbar.

Zumindest dies ist beim KK 1913 Lich kein Problem. Nach dem ersten Lockdown konnte der Trainingsbetrieb recht zeitnah wieder starten, berichtet Burghammer. Dazu trug auch ein ausgefeiltes Hygienekonzept bei. Unter anderem wurde jeder zweite Stand gesperrt, die Trainingsabläufe umgestellt und Übungszeiten festgelegt.

Die meisten Schützen stiegen sofort wieder ins Training ein. »Die Leute saßen zu Hause, es fehlte ihnen etwas«, sagt die Vorsitzende. Die Bogenschützenabteilung hatte den Vorteil, dass sie sowieso an der frischen Luft trainiert. »Der Sommer lief reibungslos.«

Rundenwettbewerbe waren möglich, auch wenn diese nur auf dem eigenen Stand stattfinden konnten. Schützenpräsidentin Frank sagt, dass man die Auf- und Abstiegsregelungen für 2020 außer Kraft gesetzt hatte, um niemanden zu benachteiligen, der vielleicht zur Risikogruppe gehört. Mit dem zweiten Lockdown wurde der Wettbewerb abgebrochen.

Nun stellt sich die Frage, wie es 2021 weitergeht. »Normalerweise würden wir jetzt mit der ersten Meisterschaft anfangen«, sagt Burghammer. Jedoch rechnet sie nicht damit, dass diese vor April wieder stattfinden können.

Auch beim Hessischen Schützenverband ist man vorsichtig. »Wir werden, wenn es die behördlichen Auflagen überhaupt zulassen, neue Wege finden, wie wir unsere Sportangebote aufrechterhalten können«, sagt Präsidentin Frank. Wie diese aussehen könnten, wird in den nächsten Tagen und Wochen beraten.

Geraten bis zu einem Neustart die Schützen komplett außer Form? Frank kann beruhigen: »Durch die Vielseitigkeit unseres Sportes ist es nicht immer zwingend erforderlich, für jedes einzelne Training ins Schützenhaus zu fahren.« Fitness, Koordination und Körperstabilität seien die Basis eines erfolgreichen Schützen. Dies ließe sich auch durch Lauftraining, Fahrradtouren oder Übungen zu Hause aufbauen.

Burghammer gibt zu Bedenken, dass selbst wenn nach dem 14. Februar wieder Training auf den Schießständen möglich wäre, die Motivation ohne Wettbewerbe leide: »Viele brauchen die Herausforderung des Wettkampfs, dass man auf ein Ziel hinarbeitet. Wenn das fehlt, lässt die Motivation Federn, weil man nicht weiß, wofür man trainiert.« Optimistisch mache sie, dass man keine Kontaktsportart sei, somit auch Wettbewerbe unter Einhaltung der Hygieneregeln möglich seien.

Wesentlich länger als der sportliche Neustart dürfte allerdings der gesellige Neustart auf sich warten lassen. Ob es in Lich dieses Jahr ein Königsschießen oder einen Stadtpokal geben wird, ist derzeit noch unklar. Ob man beim Historischen Markt dieses Jahr wieder mitwirken wird, auch das weiß keiner - ebenso, ob dieser überhaupt stattfindet.

»Vielleicht wird es besser, wenn wir im Sommer einige Geimpfte haben«, sagt Burghammer. Bei einem ist sie sich aber sicher: »Die Mund-Nasen-Bedeckung und Abstandsregeln werden uns noch lange begleiten.«

Eine positive Nachricht ist, dass auch fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie die Mitgliederzahlen stabil sind. Burghammer sagt: »Wir sind ein Traditionsverein, davon profitieren wir.«

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