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Ein Fest für Geist und Sinne

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Von: Sascha Jouini

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Kantor Christof Becker spielt in Begleitung der Capella Instrumentalis Telemanns Violakonzert. © Sascha Jouini

Lich (jou). Unter dem Motto »Klingendes Barock« bot die Capella Instrumentalis, verstärkt durch Solisten, am Sonntagabend in der Marienstiftskirche ein stimmungsvolles Adventskonzert. Zwar bestand das Programm größtenteils aus bekannten Werken, doch bot gleich der Beginn eine reizvolle Konfrontation mit einem weniger geläufigen Komponisten: Johann Bernhard Bach, einem Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach.

Feines Gespür für historische Vorlage

Kantor Christof Becker leitete das achtköpfige Ensemble bei dessen Ouvertüre e-Moll vom Cembalo aus. Der getragene Eröffnungssatz bildete einen atmosphärisch intensiven Auftakt. In Kontrast zu den ruhigen Rahmenteilen stand der bewegtere Mittelteil. Im Ganzen artikulierte das Ensemble deutlich und demonstrierte feines Gespür für die historische Aufführungsweise. Die stimmige Gestaltung gefiel auch beim feierlichen Air und der beschwingten »Gavotte en Rondeau«.

Es folgten in Begleitung des Orchesters solistische Beiträge. Sehr sensibel sang Tenor Dan Martin die innige Arie »Every Valley Shall Be Exalted« samt vorangehendem Rezitativ aus Georg Friedrich Händels Oratorium »Der Messias«: makellos meisterte er die virtuosen Koloraturen. Über eine geschmeidige Stimme verfügte auch Sopranistin Katia Plaschka in der Arie »Rejoice Greatly« aus demselben Oratoriumsteil.

Gleichermaßen glänzte Organistin Eva-Maria Anton an der Truhenorgel bei Händels Konzert für Orgel und Orchester F-Dur op. 4 Nr. 4. Ihre staunenswerte Fingerfertigkeit und detailverliebte Gestaltung machten den Allegro-Kopfsatz zum Genuss - umso mehr, als sie vom Ensemble ausgezeichnet unterstützt wurde. Zum Fest für Geist und Sinne geriet das weihevolle Andante. Das Adagio leitete über zum vitalen Allegro-Finale.

Auch Kantor Christof Becker beeindruckte als Solist in Georg Philipp Telemanns Violakonzert G-Dur durch harmonisches Zusammenspiel mit dem Ensemble. In den schnellen Sätzen bestach die beherzte Spielfreude. Besonders haften blieb das schwermütige, in empfindsame Sphären führende Andante.

Zum Abschluss des trotz Corona gut besuchten Konzertabends stand Johann Sebastian Bachs Kantate »Nun komm, der Heiden Heiland«, BWV 61. Der Pandemie geschuldet war die solistische Besetzung der Gesangsstimmen. Zu Katia Plaschka und Dan Martin trat hier Altistin Ursula Feick hinzu; der vielseitige Kantor Becker als Bassist komplettierte das Ensemble. Der Eingangs-chor geriet trotz dezentem Klangbild ansprechend.

Am meisten in Erinnerung blieb die Sopranarie »Öffne dich, mein ganzes Herze«, in der eine christliche Seele Einblick in ihr Innerstes gewährt.

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