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Alle fünf Kinder auf ein Foto zu bekommen, fällt Songül und Hasan Dilman nicht leicht. Ihre zweijährigen Drillinge halten von Fotos noch gar nichts und können es kaum erwarten, wieder loszurennen.

Drillingstreffen

Erst eins, dann zwei, dann fünf: Familie Dilman aus Gießen ist plötzlich zu siebt

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Jedes Jahr lädt Volker Bouffier zum Drillingstreffen. In Lich tummeln sich fast 300 Drillinge. Ihre Eltern erzählen von besonderen Herausforderungen - wie sie ihre Kinder auseinanderhalten etwa.

Bei der Bereitschaftspolizei in Lich war es wahrscheinlich noch nie so laut und bunt. Mit den Hüpfburgen, dem Karussell und der Rutschbahn gleicht das Gelände mehr einem großen Kinderspielplatz. Große Seifenblasen fliegen durch die Luft - jedes Mal, wenn eine platz, kreischt eine Handvoll Kinder entzückt auf. Zwei Pferde ziehen geduldig ihre Runden, während kleine Kinderhände an den Mähnen zupfen und der einziger Clown auf dem Rasen kann gar nicht genug Luftballon-Tiere knoten. Rund 100 Mehrlingsfamilien aus Hessen und insgesamt gut 500 Kinder und Erwachsene tummeln sich auf Einladung des Ministerpräsidenten Volker Bouffiers auf der Anlage. Seit fast zwei Jahrzehnten übernimmt der Landesvater traditionell die Ehrenpatenschaft von Mehrlingskindern und organisiert jährliche Treffen - 2019 zum ersten Mal in Lich.

Während die Kinder ausgelassen toben, haben die Eltern alle Hände voll zu tun - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie füttern und wickeln im Akkord, rennen mindestens einem Kind hinterher und suchen anschließend die anderen. Schwitzen und schieben Kinderwägen, für die es gefühlt einen eigenen Führerschein geben muss. Die meisten Drillinge sind gleich gekleidet, ein Laie behält da unmöglich den Überblick. Liam, Kilian und Jayson dagegen lassen sich gut auseinanderhalten - so lange sie Caps aufbehalten. Denn darauf sind die Namen der Dreijährigen eingestickt. "Aber nicht, weil wir sie sonst verwechseln", sagt Mutter Lavanya Gouvinda Rajan lachend. Sie seien ein Geschenk gewesen. "Früher aber", so verrät die Mutter "haben wir sie immer in unterschiedlich farbige Decken gehüllt, um sie gleich auf den ersten Blick zu unterscheiden."

Drillinge: Familie aus Gießen hat ihre Tricks

Auch Familie Dilman aus Gießen hatte ihre Tricks: Um die Mädchen des Trios auseinanderzuhalten, wurden ihnen die Haare unterschiedlich geschnitten. "Heute kann ich sie aber an den Stimmen gut auseinanderhalten", sagt Vater Hasan Dilman. Inzwischen hat sich die Familie an die neuen Umstände gewöhnt, eine "ziemliche Überraschung" sei es damals trotzdem gewesen. Vor allem, weil das Paar zu dieser Zeit schon zwei kleine Kinder hatte. Narin, Kamila und Amir werden im Dezember drei Jahre alt, Miran ist fünf und Asmin acht.

"Es ist schon sehr anstrengend", sagt Mutter Songül Dilman. Mehr kann sie gar nicht sagen, eins der Kinder will im Karussell wieder nicht sitzenbleiben, die Mutter muss hinterher. "Es ist viel Arbeit. Das stimmt", sagt Hasan Dilman, "aber nicht dreimal so viel." Am schlimmsten seien die ersten Monate gewesen. Stillen und Füttern habe den Eltern viel Kraft abverlangt. Die Drillinge kamen rund sieben Wochen zu früh und haben besonders viel Zuneigung gebraucht. "Zum Glück hatten wir Unterstützung von der Familie", sagt Hasan Dilman. Ohne die hätten sie es nicht geschafft. "Wir hatten auch Haushaltshilfen. Davon hat es aber keine lange ausgehalten." Vollkommen nachvollziehbar sei das, sagt er noch.

Drillinge: Alltag als Herausforderung

Drillinge zu bekommen, heißt Zugeständnisse zu machen. "Privatleben oder Freunde treffen ist momentan schwierig", sagt Songül Dilman, scheint sich aber damit abgefunden zu haben. Viele Dinge haben sich in den vergangenen drei Jahren verändert. Zwei neue Autos mussten her, auch die Vier-Zimmer-Wohnung wird bald zu knapp. "Spätestens wenn Miran in die Schule kommt, müssen wir uns ums Umziehen Gedanken machen", sagt Hasan Dilman. Mit insgesamt fünf Kindern hatten sie nie gerechnet.

Wochenendeinkäufe, Behördengänge, Ausflüge, Urlaub: Was für andere Alltag ist, ist für Familien wie die Dilmans eine enorme Herausforderung, jeder Morgen ein neues Abenteuer. Fünf Mal wecken, fünf Mal frühstücken, fünf Mal Zähneputzen und fünf Mal anziehen - "allein alle Kinder morgens fertig zu machen ist schwierig", sagt Hasan Dilman. Vom Defizit im Haushalt will er lieber gar nicht sprechen. Doch auch für die Kinder sei die Situation nicht immer einfach: "Miran, der Mittlere, stand von einem auf den anderen Tag nicht mehr im Mittelpunkt."

Im Herbst werden auch die Drillinge in den Kindergarten gehen. Dann wird es ruhig bei den Dilmans. "Das ist dann zwar eine große Erleichterung, aber ich glaube, ich werde es auch ein bisschen vermissen", sagt Hasan Dilman.

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