»Die Geschichte ist ein wenig anders«

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Lich (pm). Nachdem Schulleitung und Elternbeirat in einer Pressemitteilung erneut auf die Raumnot an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) in Lich hingewiesen haben, nimmt Schul- und Baudezernentin Dr. Christiane Schmahl Stellung und erklärt, wie es zu der Raumnot kam. Vor allem in den Aussagen des Schulleiters Peter Blasini sieht sie Widersprüche.

So schrieb dieser 2018 in einer E-Mail an den Leiter des staatlichen Schulamtes und die Schuldezernentin: »Was unsere räumliche Situation betrifft, wurde alles für die nächsten Jahre berechnet. Wir werden nicht an unsere räumlichen Kapazitätsgrenzen stoßen.« In dieser Mail bat er um die Erlaubnis, statt fünf Eingangsklassen sechs zu bilden. Da die Schule kurz zuvor acht zusätzliche Klassenräume erhalten hatte, stimmten Schulamt und Dezernentin zu.

Ein halbes Jahr später erhielt der Landkreis erneut einen Brief des Schulleiters mit einer ähnlichen Aussage. Bei einem Treffen mit ihr und dem Fachdienstleiter Schulen bereits im Juli 2013 habe Blasini erklärt, wie viele Klassenräume die Schule in Zukunft voraussichtlich benötigen wird. Diese und weitere Klassenräume habe der Landkreis daraufhin errichtet. Blasini habe zu diesem Zeitpunkt keinen Raumbedarf für seine Schule an der Selma-Lagerlöf-Schule (SLS), an der damals auch die Schüler der Erich-Kästner-Schule (EKS) unterrichtet wurden. Doch relativ kurze Zeit später musste der Landkreis auch vier Klassen der DBS dort unterbringen. »Jetzt will Herr Blasini uns schon seit zehn Jahren darauf hingewiesen haben, dass er 35 Klassen beschulen wird. Und nur der Landkreis wolle das einfach nicht verstehen«, sagt Schmahl. »Doch die Geschichte ist ein wenig anders.«

Als der Landkreis eine zusätzliche Busverbindung von Pohlheim über Steinbach nach Lich einrichtete, hatte die DBS etwa 400 Schülerinnen und Schüler. Die Einrichtung erfolgte, um die DBS zu stützen und die Adolf-Reichwein-Schule in Pohlheim zu entlasten. Das Modell funktionierte: Der Landkreis sparte Gastschulbeiträge und bezahlte davon den Bus, und die Schule in Lich bekam mehr Schüler. Als sich die Situation zu ändern begann, bat der Landkreis die DBS, keine weitere Werbung in Schulen außerhalb von Lich zu machen.

Dies geschah dennoch. »Je mehr Werbung, desto mehr Anmeldungen, desto mehr Druck auf den Landkreis«, erklärt die Dezernentin. Aktuell werden Schüler aus Annerod aktiv beworben. »Aber warum wirbt eine Schule, die ständig über zu wenige Räume klagt, nun auch noch an dieser Grundschule«, fragt Schmahl.

Bereits jetzt werden 250 Jugendliche aus Pohlheim und Steinbach beschult. Obwohl der Kreis den Pohlheimer Eltern in Linden ebenfalls eine kooperative Gesamtschule anbieten kann, die über all das verfüge, was die DBS bietet. »Wenn diese Schülerinnen und Schüler nicht mehr kämen, würde vermutlich auffallen, dass die Übergangsquoten aus den Licher Grundschulen nicht 90 Prozent betragen, sondern dass sich durchaus weniger Kinder direkt für die DBS entscheiden. In Langsdorf sind es nicht einmal 50 Prozent und an der EKS etwa 75 Prozent«, macht Schmahl an den Zahlen des Kultusministeriums deutlich.

Um alle Licher Kinder an der DBS beschulen zu können, hat der Kreistag eine Zügigkeitsbegrenzung im Schulentwicklungsplan festgelegt. Deswegen gibt es Schülerlenkungsmaßnahmen durch das staatliche Schulamt. Zusätzlich plant der Kreis ein neues Mensagebäude. Dieses Gebäude ermöglicht eine Aufstockung für weitere Klassenräume, falls es mehr Licher Kinder durch mehr Baugebiete geben wird.

»Hätte sich die Schule an die Aufnahmebegrenzung von jeweils fünf Klassen gehalten, dann hätte sie jetzt maximal 33 Klassen. Dafür würden 32 Klassenräume sowie Fach- und Differenzierungsräume ausreichen«, so Schmahl.

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