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Wiedersehen mit dem alten Gefährt von einst.

Die Eisenbahnfahrer von einst und das Wiedersehen nach 60 Jahren

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60 Jahre ist es her, dass es eine Bahnverbindung zwischen Lich und Butzbach gab. Nun gab es ein besonderes Wiedersehen.

»Wir möchten gerne noch einmal mit der Butzbach Licher Eisenbahn fahren« - dies war der Wunsch von zwei Licher Jungen im Spätsommer 1960, nachdem bekannt wurde, dass die Bahnlinie nach Lich im Reiseverkehr ganz eingestellt werden sollte.

Diese beiden Jungen waren Alfred Sommer und sein Cousin Roland. Schon lange Zeit hatten sie fasziniert die Arbeit der Schrankenwärter und Schaffner im Bahnhof Lich beobachtet.

»Rolands Vater war als Betriebsschlosser bei der Butzbach Licher Eisenbahn AG beschäftigt und so hatten wir als Kinder ab und zu die Gelegenheit, nach Wartungsarbeiten auf kurzen Strecken auch mal mitzufahren«, erinnerte sich Sommer. »Er machte auf unser Betreiben hin dann eines Tages den Vorschlag, uns einmal nach Butzbach mitzunehmen, um uns das Bahnbetriebsgelände dort zu zeigen.« Die Rückfahrt sollte dann von Butzbach-Ost nach Lich erfolgen.

Auf dem Bahngelände in Butzbach bekamen die Jungen große Augen aufgrund der Dampflokomotiven, die auf ihre Abfahrt warteten. Am Arbeitsplatz von Rolands Vater durften beide bei der Wartung an Lokomotiven zuschauen. Da wuchs die Hoffnung, dass es auch mit einer Dampflok zurück nach Lich gehen würde. »Dieser Wunsch erfüllte sich leider nicht«, erinnert sich Sommer.

Wer die Jungs damals auf der Rückfahrt begleitete, weiß er nicht mehr. Jedoch ist ihm das Fahrzeug im Gedächtnis geblieben: Ein Esslinger-Dieseltriebwagen VT 65, der im Dezember 1953 an die BL-Eisenbahn ausgeliefert und ab 1954 in deren Dienst gestellt worden war. »Er war für über 100 Fahrgäste ausgelegt, aber schon zur damaligen Zeit nur noch spärlich besetzt. Wir duften zeitweise ganz vorne im Führerstand mitfahren und blickten wie der Zugführer durch die großen Frontscheiben auf das Gleisbett.« Das entschädigte dann doch für die fehlende Dampflok.

Die Fahrt ging zurück über Griedel, Gambach, Ober-Hörgern/Eberstadt, Münzenberg, Trais Münzenberg, Muschenheim, Hof-Güll/Dorf-Güll und führte auch durch ein Tal bei Kloster Arnsburg. »Aus Erzählungen wussten wir, dass hier im Wald kurz nach der Unterführung zur Bundesstraße mal ein Zug entgleist sei, was die Fahrt noch aufregender machte.« Dann tauchten auch schon die ersten Häuser von Lich an der Lohmühle auf und die Heimreise endete am Bahnhof Süd der Endstation. Ende Mai 1961 wurde die Strecke stillgelegt und später abgebaut.

Sommer wollte nun wissen, was aus den Zügen von damals geworden ist. Als einziges Relikt damaliger Eisenbahngeschichte blieb neben einzelner Waggons nur der Esslinger Dieseltriebwagen VT 65 bis heute erhalten. Nach einer wechselvollen Geschichte ist er wieder beim Verein der Butzbach-Licher Eisenbahnfreunde gelandet. Dort gab es nun nach über 60 Jahren ein Wiedersehen zwischen den ehemaligen Fahrgästen und dem Schienenbus.

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