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Ein Weg. Ein Team. Ein Ziel. Letzteres eint die BfL und ihren ehemaligen Kandidaten Detlef Kuhn noch. Zum Team gehört er aber nicht mehr. Seinen Weg ins Stadtparlament geht er nicht mit der Fraktion der Wählergruppierung. ARCHIVFOTO: US

Getrennte Wege

Detlef Kuhn kehrt den BfL den Rücken

  • vonChristina Jung
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Er hat für die BfL bei der Kommunalwahl mehr als 2000 Stimmen geholt. Ins Stadtparlament wird er dennoch nicht für die Wählergruppe einziehen: Dr. Detlef Kuhn.

Die Kommunalwahl war vor zehn Tagen in Lich wie ein Wirbelsturm durch die politische Landschaft gefegt und hatte die Bürger für ein lebenswertes Lich (BfL) als stärkste Kraft zurückgelassen. Kurz darauf ist die aber schon wieder Geschichte. Der Grund: Dr. Detlef Kuhn, der für die Logistikzentrum-Gegner hinter Burkhard Neumann auf Listenplatz zwei angetreten war, wird sein Mandat nicht für die Fraktion der Wählergruppierung annehmen. Darüber informierte BfL-Sprecher Burkhard Neumann gestern in einer Pressemitteilung.

Grund für die Entscheidung des Muschenheimers waren offenbar unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten. Laut Neumann habe es »nicht bei allen politischen Zielsetzungen Konsens gegeben«. Kuhn bestätigt das auf GAZ-Anfrage, wird sogar noch konkreter. So habe er als Anästhesist und Intensivmediziner, der täglich mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfe, nicht bei den Mitgliedern damit durchdringen können, dass die BfL diesbezüglich eine proaktive Rolle für Lich einnehmen. Kuhn: »Die Impfskeptiker überwogen und vorbereitete Wahlplakate wurden nicht publiziert.«

Mandat trotzdem annehmen

Nachdem ihm aber so viele Bürger in Form von Wählerstimmen ihr Vertrauen ausgesprochen hätten (insgesamt erhielt er 2194 Stimmen), werde er sein Mandat annehmen und sich gegebenenfalls einer anderen Fraktion anschließen, um die erklärten Ziele - unter anderem die Reduzierung der Eingriffswirkung durch das Logisitikzentrum auf ein Minimum - mit seiner Stimme uneingeschränkt zu unterstützen. Gleichzeitig möchte er dazu beitragen, »dass der politische Frieden in Lich wieder einzieht«. Welche Fraktion dafür infrage kommt, ließ Kuhn offen. »Hier ist noch nichts entschieden.«

Überraschung bei BfL

Die Bürger für ein lebenswertes Lich bedauern Kuhns Schritt, »respektieren aber seinen Wunsch, sein Mandat in der Licher Stadtverordnetenversammlung nicht als Mitglied der BfL-Fraktion wahrzunehmen«, so Neumann. Für ihn und seine Mitstreiter sei Kuhns Entscheidung so kurz nach der Kommunalwahl »überraschend« gewesen.

Mehrheit schwindet

In politischen Kreisen allerdings hatten die Spatzen dies bereits vor Tagen von den Dächern gepfiffen. Es war sogar davon die Rede, dass es weitere »Dissidenten« geben könnte, was mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse eine besondere Brisanz hätte. Zwecks Koalitionsbildung hatten die BfL (bisher 9 Sitze) bereits mit den Grünen (8) und der FDP (3) erste »Kennenlerngespräche« geführt. Mit Detlef Kuhn hätten die drei Fraktionen über 20 Sitze im neuen Parlament verfügt, CDU, SPD, FW und DBL wären zusammen nur auf 17 gekommen.

Mit Kuhns Entscheidung steht es jetzt 19 zu 18, ginge ein weiteres BfL-Mitglied und nähme sein Mandat mit, hätte das anvisierte Bündnis keine Mehrheit mehr.

Keine weiteren »Dissidenten«

Neumann versichert auf Nachfrage, dass diesbezüglich keine Gefahr bestehe. Man habe mit allen gewählten Mitgliedern und einer Handvoll Nachrücker gesprochen. »Da verschwendet keiner einen Gedanken daran, zu gehen«, so der BfL-Sprecher.

Konstituierende Sitzung

Zu ihrer konstituierenden Sitzung hatte sich die BfL-Fraktion am Montagabend getroffen und einen Vorstand gewählt. Zum Fraktionsvorsitzenden der Bürger für ein lebenswertes Lich wurde einstimmig Magnus Schneider bestimmt, zu seinen Stellvertretern Joachim Siebert, Oliver Meineke und Dr. Karin Lorenz. Darüber hinaus wählten die Mitglieder eine Verhandlungskommission, die die Gespräche mit den anderen Parteien führen soll. Dazu gehören Carmen Knöß, Burkhard Neumann, Magnus Schneider und Joachim Siebert.

BfL diskutiert Strategie

In einem direkt an die Fraktionssitzung anschließenden Online-Meeting mit den Mitgliedern der Wählergruppe sei intensiv über die weitere Strategie diskutiert und über inhaltliche Vorstellungen gesprochen worden, mit denen die BfL in die Gespräche mit den anderen Fraktionen gehen wird. Oberste Priorität habe nach wie vor, »die in unserem Wahlprogramm im Herbst gemeinschaftlich erarbeiteten Ziele für Lich und für die Bevölkerung umzusetzen«, betont Neumann. Heißt konkret: die Folgen des Logistikzentrums weitestgehend abzumildern und die Bürgerbeteiligung voranzutreiben.

Die ersten Gespräche mit Grünen und FDP zeigten laut Neumann, dass es einen Konsens über die zukünftige Entwicklung der Licher Stadtpolitik geben könnte. In den kommenden Tagen werde man auch den Kontakt zu den anderen Fraktionen suchen.

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