Darmspiegelung bestes Vorsorgeinstrument

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Lich/Pohlheim (pm). Im Darmkrebs-Vorsorgemonat März appellieren viele Mediziner verstärkt an die Bevölkerung, die angebotenen Möglichkeiten zur Darmkrebsvorsorge besser zu nutzen. Denn immer noch sterben in Deutschland rund 24 000 Menschen an Darmkrebs. Diese Zahl könnte man drastisch verringern. Das sagen auch die Mediziner Walter Kierer, Ingo Kolossa, Evelyn König, Petra Schlierbach, Markus Schaller und Jochen Sucke aus dem End- und Dickdarmzentrum Hessen Mitte in Pohlheim.

Auch die Experten der Asklepios-Klinik Lich informieren über die Möglichkeiten der Vorsorge. »Die bösartigen Tumoren entstehen in der Regel aus Vorstufen, den sogenannten Polypen. Diese zunächst gutartigen Tumoren können im Verlauf von vielen Jahren entarten«, berichtet Privatdozent Dr. Thilo Schwandner, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Licher Klinik. Durch diesen langen Zeitraum sei die Vorsorge eine effektive Waffe gegen den Krebs.

Keineswegs schmerzbehaftet

»Die Darmspiegelung ist das beste Vorsorgeinstrument«, erklären auch die Darmspezialisten aus Pohlheim mit Blick auf die vielen Vorsorgemöglichkeiten. Sie gehören zu den 2400 Fachärzten in Deutschland, die eine Vorsorge-Darmspiegelung durchführen dürfen und sind Teilnehmer an der Aktion »Deutschland gegen Darmkrebs«, die über Möglichkeiten der Vorsorge aufklären möchte. Bundesweit machen mehr als 5000 Arztpraxen, Apotheken und sämtliche Reformhäuser mit. Ziel ist es, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, die Vorsorgemöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.

Darmkrebs gehört mit rund 58 000 Neuerkrankungen im Jahr zu den am häufigsten diagnostizierten Krebsarten. Zwar ist die öffentliche Aufmerksamkeit für die Bedeutung einer effizienten Darmkrebs-Früherkennung in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt Felix Rotaru, Projektleiter der Aktion »Deutschland gegen Darmkrebs«. Allerdings sei weitere Aufklärung nötig, um auch nachhaltige Erfolge zu erreichen. Er möchte vor allem mit dem Mythos der schmerzbehafteten Untersuchung aufräumen: »Eine Darmspiegelung ist heutzutage in der Regel schmerzfrei und dauert nur etwa 20 Minuten«. Zur Vorbereitung muss der Darm entleert werden. Auf Wunsch kann vor der Untersuchung eine Beruhigungsspritze gegeben werden. Dann »verschläft« man die komplette Prozedur. Der leere Darm wird mit einem dünnen, flexiblen Schlauchsystem (Koloskop) untersucht. An der Spitze befindet sich eine hochempfindliche Videokamera, die Bilder aus dem Darminneren auf einen Monitor liefert. Der Arzt kann so die gesamte Darmwand beurteilen. Die Kosten werden bei Männern ab 50 Jahren und bei Frauen ab 55 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, bei einer familiären Vorbelastung sogar noch früher.

Die gutartigen Wucherungen des Dickdarmes sind bei Menschen über 50 weit verbreitet und nehmen mit zunehmendem Alter an Häufigkeit zu, erläutert Schwandner. Damit steige mit zunehmenden Lebensalter die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken. Aus diesem Grund wurde 2002 die Vorsorgekoloskopie in das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen. Ab dem 55. Lebensjahr besteht ein Anspruch auf diese Untersuchung. Jedoch nehmen nur etwa 25 Prozent der Anspruchsberechtigten dieses Angebot wahr. Dabei konnte bei keiner anderen Krebsart durch eine Vorsorge und Früherkennung so viel erreicht werden.

Als Risikofaktoren für die Entwicklung von Darmkrebs gelten »Lifestyle«-Faktoren wie schlackenarme Ernährung mit hohem Fett- und Fleischanteil, Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel. Blut im Stuhl und veränderte Stuhlgewohnheiten in Verbindung mit Müdigkeit, Gewichtsabnahme und Schmerzen können Symptome sein.

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