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Silke Luft und Dr. Roland Fischer-Stein, Leitender Oberarzt an der Asklepios-Klinik in Lich. "Bei ihm habe ich mich jederzeit gut aufgehoben gefühlt", sagt die ehemalige Patientin. FOTO: US

Asklepios-Klinik

Dank Innovation in der Medizintechnik: Keine Angst mehr vor Krebs

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Silke Luft hat keine Angst mehr vor Krebs. Die Lollarerin war die erste Patientin, der an der Asklepios-Klinik in Lich endoskopisch eine Wucherung aus der Wand des Zwölffingerdarms entfernt wurde.

Da ist was... - Wohl jeder, der nach einer Routine-Magenspiegelung eine solche Nachricht erhält, reagiert beunruhigt. Bei Silke Luft jedoch klingelten sämtliche Alarmglocken. In ihrer Familie gibt es etliche Fälle von Krebs; ihren Bruder hat die Krankheit vor zehn Jahren binnen weniger Monate hinweggerafft, damals war er so alt wie sie heute. Man kann es nachvollziehen: Die Lollarerin wollte möglichst schnell Klarheit gewinnen, ob bei ihr eine bösartige Geschwulst vorliegt. Doch ihr Fall erwies sich als kompliziert. Dass die Wucherung im Zwölffingerdarm ohne große Operation entfernt werden konnte, verdankt die 51-Jährige einem neuen Verfahren, das erst seit vergangenem Frühjahr verfügbar ist. Sie war die erste Patientin in der Asklepios-Klinik Lich, bei der es vom Leitenden Oberarzt Dr. Roland Fischer-Stein im Zwölffingerdarm angewendet wurde.

Mit der herkömmlichen Diagnostik waren die Ärzte bei dieser Patientin nicht weiter gekommen. Beim Ultraschall hatten sie einen kleinen Tumor in der Darmwand festgestellt. Ob bösartig oder gutartig, ließ sich bei der folgenden Biopsie nicht klären. So blieben nur zwei Möglichkeiten. Entweder eine engmaschige Kontrolle mit vierteljährlichen Untersuchungen. Oder eine chirurgische Entfernung der Geschwulst.

Ungünstige Lage

Leider saß der Knubbel denkbar ungünstig, nämlich genau dort, wo Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang in den Zwölffingerdarm münden. "Die einzige Stelle, an der man aus dem Darm nicht einfach ein Stück rausschneiden kann", sagt Dr. Fischer-Stein. Der gesamte Zwölffingerdarm hätte entfernt werden müssen, dazu der Kopf der Bauchspeicheldrüse. Ein riesiger Eingriff mit erheblichen Risiken und möglicherweise lebenslangen Einschränkungen. Und alles, um am Ende vielleicht herauszufinden, dass die Wucherung gutartig ist? Doch einfach abzuwarten kam für Silke Luft auch nicht in Frage. Sie hätte die permanente Unsicherheit und die immer wiederkehrenden Kontrolluntersuchungen nicht ausgehalten, sagt sie.

Technik made in Schwaben

Die Lösung ihres Problems stammt aus Tübingen. Eine, wie Fischer-Stein sie nennt, "schwäbische Tüftelfirma" namens Ovesco hat dort das full-thickness-resection-device (FTRD) erdacht, ein Instrument, mit dem man Wucherungen ohne chirurgischen Eingriff aus der Darmwand entfernen und den Darm auch wieder verschließen kann.

Drei statt 14 Tage

An der Asklepios-Klinik kommt es schon seit längerem im Dickdarm zum Einsatz. Vergangenes Jahr waren Fischer-Stein und sein Team auch auf die Variante für den Zwölffingerdarm geschult und zertifiziert worden. "Frau Luft kam genau im richtigen Moment", sagt der Oberarzt rückblickend. Sie war die erste Patientin in Lich und vermutlich auch in der Region, bei der das System im Zwölffingerdarm zum Einsatz kam. Neben Fischer-Stein und drei Assistenten war auch ein Vertreter der Hersteller-Firma bei dem Eingriff dabei. Alles ist gut gegangen. Drei Tage später konnte die Patientin wieder zurück nach Lollar in das kleine Häuschen, das sie erst kürzlich gekauft hat. Ein chirurgischer Eingriff hätte mindestens 14 Tage Krankenhaus mit anschließender Reha bedeutet. Und ein Sterblichkeitsrisiko von etwa fünf Prozent.

Zu Fuß über die Alpen

Für die Patientin war die neue Methode "mein Sechser im Lotto." Das Allerbeste war jedoch die Nachricht, die der Arzt ihr gleich nach dem Aufwachen überbringen konnte. Die Wucherung war gutartig. Silke Luft kann ihr Glück kaum fassen. Vor dem Eingriff hatte sie sich intensiv mit der eigenen Sterblichkeit auseinander gesetzt und einen Herzenswunsch in die Tat umgesetzt: Sie hat allein zu Fuß die Alpen überquert. "Das wollte ich noch erlebt haben", sagt sie. Jetzt kann sie neue Pläne schmieden.

Das finger- bis daumendicke Instrument des FTRD®-Systems wird an einem Schlauch durch Rachen, Speiseröhre und Magen in den Zwölffingerdarm geschoben. Engstellen werden dabei mit einem Ballon aufgeweitet. Eine Zange greift den Tumor und saugt ihn in eine Kappe ein. Anschließend wird der Darm mit einem Clip verschlossen, der Tumor über dem Clip mit einer Schlinge abgetrennt und mit dem gesamten Instrument herausgezogen. Das Design des FTRD®-Systems stellt sicher, dass die Darmwand erst dann durchtrennt wird, wenn sie an der Zielstelle sicher verschlossen ist. Der Clip wächst mit der Zeit aus der Darmwand heraus und wird ausgeschieden. "Simpel-genial" nennt Dr. Fischer-Stein dieses System, für das die Ovesco Endoscopy AG 2017 den Innovationspreis des Wirtschaftsministeriums von Baden-Württemberg erhielt. An der Asklepios-Klinik wurde es mittlerweile mehrfach angewendet. us

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