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Auf dem vorgesehenen Baugelände an der Langsdorfer Höhe laufen die notwendigen Untersuchungen der Bodendenkmalpflege.

Geplantes Logistikzentrum

BI bringt Argumente gegen die "Monsterhalle" in Lich

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Das geplante Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe ist das Gesprächsthema in Lich. Zu einem Infoabend der Bürgerinitiative kamen am Freitagabend über 200 Interessierte.

Wer an einem traumhaft schönen Spätsommerabend nicht im Biergarten sitzt, sondern sich aus freien Stücken in den überfüllten und völlig überhitzten Kultursaal des Licher Bürgerhauses zwängt, meint es ernst. Der Bürgerinitiative (BI) gegen das Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe ist es bitterernst. "Das Ding wird gebaut, um zu bleiben. Es wird Lich nachhaltig verändern", warnte BI-Sprecher Alexander DeWitt am Freitagabend vor mehr als 200 Teilnehmern eines Bürgergesprächs, bei dem die BI die Informationen vorstellte, die sie in den vergangenen Wochen zusammengetragen hat.

Die Zeit ist knapp

Zwei Stunden lang erläuterten mehrere Referenten, warum die riesige Halle an der Hungener Straße aus ihrer Sicht unbedingt verhindert werden muss. Die Zeit ist knapp. Der Bauantrag ist gestellt, auf dem Gelände laufen aktuell die notwendigen Untersuchungen der Bodendenkmalpflege, und am 25. September steht in einer Sondersitzung des Stadtparlaments die endgültige Entscheidung über den Bebauungsplan an.

Furcht vor Starkregen

Höhe, Flächenfraß, Verkehrchaos, Emissionen, ungeklärte Fragen beim Artenschutz, dazu die Folgekosten: Die Bürgerinitiative lässt kein gutes Haar an dem Projekt, das vom Stadtparlament bei mehreren Abstimmungen mit sehr breiter Mehrheit gut geheißen worden war, ohne dass zu diesem Zeitpunkt Protest laut geworden wäre. "Wir sind keine Wutbürger. Wir nehmen unser Recht als Demokraten wahr", betonte am Ende der Diskussion Wilfried Graf und bot den Stadtverordneten den Dialog an.

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Langsdorfer Höhe stammt aus dem Jahr 2003. Damals sei, wie Klaus Zeiger sagte, keine "Monsterhalle" geplant gewesen, sondern eine kleinteiligere Nutzung für Gewerbe und Industrie. Der nun geplante Bau werde 204 Meter über NN hoch sein, höher als der Turm der katholischen Kirche. Zeiger nannte darüber hinaus Maße: 188 Meter breit, 432 Meter lang; diese Zahlen habe ihm der künftige Bauleiter genannt. Zweifel äußerte der Redner an den Plänen für die Entwässerung. Bei Starkregen drohe die Bahnhofstraße abzusaufen.

Sorge vor enormer Verlehrsbelastung

Diplom-Biologe Roland Graf setzte sich anschließend mit den Eingriffen in die Natur auseinander. Bevor an der Langsdorfer Höhe gebaut werden dürfe, müssten der Artenschutz gewährleistet und der erforderliche Ausgleich nachgewiesen sein. Zudem gelte der Grundsatz eines sparsamen und schonenden Umgangs mit Boden. "Die Risiken für Wasser, Boden, Artenschutz und durch Lärm sind noch nicht abgeklärt", warnte Graf. "Das muss noch geschehen." Aus dem Auditorium kam die Anmerkung, dass die Böden am Rande der Wetterau viel zu wertvoll seien, um sie zuzubauen.

Die meisten Wortmeldungen gab es jedoch zum Thema Verkehr. 2530 zusätzliche Verkehrsbewegungen pro Tag, davon allein 1280 durch Lkw, nennt das Verkehrsgutachten. Die jetzt schon stark befahrene B 457 würde zusätzlich belastet, warnte Zeiger. "Der geplante Kreisel kann den Kollaps der Bundesstraße nicht verhindern." Sowohl an der Bessinger Anschlussstelle als auch an der "Schwimmbad-Kurve" würden es Linksabbieger künftig sehr schwer haben. Und wenn auf der A5 Stau sei, müsse man mit Lkw-Verkehr quer durch die Innenstadt Richtung A45 rechnen.

Zweifel an prognostizierten Stellen

Ein weiterer Kritikpunkt war die geplante Nutzung der Halle durch den Online-Händler Wayfair. Die avisierten 850 Arbeitsplätze werde es nicht geben, prognostizierte Martin Seifert, der selbst einen Online-Shop betreibt. Der Trend bei den Großen gehe zu vollautomatisierten Lagern, zumal die Branche schon jetzt Schwierigkeiten habe, genügend Mitarbeiter zu finden.

Abschließend rechnete Dr. Cornelia Konrad vor, dass die Stadt mit der Ansiedlung ein schlechtes Geschäft mache. "Der Investor zahlt fünf Millionen Euro und ist aus dem Schneider." Risiken und Folgekosten verblieben bei der Stadt. Außerdem: "Es tut mir weh, wie Lich in den letzten zehn Jahren zubetoniert worden ist."

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