Bürgermeisterwahl in Lich

Blasini will mit Erfahrung und Unabhängigkeit punkten

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Vor zwei Wochen ließ Peter Blasini die Katze aus dem Sack, als Unabhängiger tritt er nun bei der Bürgermeisterwahl in Lich an. Was bringt einen 59-jährigen Schulleiter dazu?

Hätte sich Bürgermeister Bernd Klein für eine dritte Amtszeit beworben, ich hätte keinen Gedanken daran verschwendet" - tat er aber nicht. Und so keimte an einem Herbsttag 2018 bei Peter Blasini der erste Gedanke an eine Kandidatur. Als nach Christian Knoll (CDU) mit Dr. Julien Neubert (SPD) auch der zweite Bewerber feststand, habe er sich dann ernsthaft die "K-Frage" gestellt, verrät er beim Pressegespräch. Bestärkt durch Freunde und Familie, gab er Ende Juni schließlich seine Bewerbung bekannt.

"Auch ein Schulleiter muss viel aushalten"

Warum will man sich als 59-Jähriger und Direktor der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) einen Job antun, der wenig Freizeit bedeutet. Dafür aber viel Ärger, da ein Bürgermeister doch für alles verantwortlich gemacht wird, was schiefläuft? "Auch als Schulleiter muss man eine Menge aushalten", schickt Blasini voraus. Und verweist auf eine von vielen Stationen geprägte berufliche Vita, die ihn gar 1990 in den Knast brachte - als Übungsleiter. Am Ende dann die Anstellung als Musik- und Sportlehrer an der DBS, deren Leitung er 2010 übernahm. Neue berufliche Herausforderungen kennt er also, und darum geht es ihm nun. Sozusagen auf der Zielgeraden, will er sich auf neuem Terrain beweisen. Was nur geht, da "das Feld bestellt ist, die Schule wieder gut dasteht". Ein weiteres Motiv ist sehr persönlich: Blasini, dessen Opa 1908 als Gastarbeiter aus den Abruzzen nach Lich kam, will der Stadt, "der seine Familie so viel Gutes zu verdanken hat", etwas zurückgeben.

Hofft auf Wahlhilfe von FW, FDP und Grünen

"Klar rechne ich mir Chancen aus", gibt er sich kurz darauf selbstbewusst. Sein Alter, die Aussicht auf nur eine Amtsperiode sieht er nicht als Handicap. Eher als Vorteil, könne er doch seine (Lebens-)Erfahrung einbringen. Dass ihm seine enge Vernetzung als "Ur-Licher", seine "vielen Kontakte zu Menschen, Vereinen, Institutionen" zupass kommen, ist ihm bewusst. Ebenso, dass eine mögliche Wahlhilfe von FW, FDP oder Grünen die Chancen weiter erhöhte.

Einen Stundenplan aufzustellen ist was anderes als ein Haushalt. "Ja", räumt er ein. Doch nicht zuletzt Gespräche mit einem Bürgermeister stimmten ihn zuversichtlich, sich auch in Kommunalverwaltung reinarbeiten zu können. Und was ist mit dem Mangel an politischer Erfahrung, wie stellt er sich Amtsführung ohne Hausmacht vor, mit zwei Fraktionen, deren Ambitionen er zunichte gemacht hätte, eine von Neubert geführt? Blasini verweist zunächst auf seinen "guten Draht" zu Licher Politikern. Und wendet dann auch diesen vermeintlichen Nachteil ins Positive: Unabhängigkeit erleichtere eine sachorientierte Arbeit.

Von Hause aus SPD-nah

Dass er von Hause aus, da aus einer Arbeiterfamilie stammend, der SPD nahestehe, aber lange schon Wechselwähler sei, fügt er an. Im Übrigen reklamiert er diese Maxime von Amtsführung: "Ohne den Bürger geht gar nichts."

Mit konkreten Zielen hält sich der "dritte Mann" im Rennen um Kleins Nachfolge zurück. Bei vielen "Aufregerthemen", wie Straßenbeiträge oder Logistikpark, will er sich zunächst schlau machen. Gilt auch für die Verkehrssituation, wobei er nicht das Rad zurückdrehen will, ob der Staus von Braugasse bis Heinrich-Neeb-Straße aber Korrekturbedarf sieht.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Der Stärkung des Ehrenamts, der Senioren- und Jugendarbeit ("brauchen ein Juz"), der Vereinsförderung will er sich annehmen, die Sorgen der Stadtteile genau anhören sowie für ein "besseres Verhältnis zum Fürstenhaus" eintreten, um mehr aus dem Park machen zu können. Ganz oben auf seiner Agenda: bezahlbarer Wohnraum statt noch mehr hochpreisige Apartments. Etwa indem eine Genossenschaft Bauland erhält, um Sozialwohnungen zu errichten. Nur ein Feld, auf dem er die Stadt mit ihrem bereits positiven Image weiterentwickeln möchte. "Ich werde das Amt mit Respekt und Demut angehen", sagt Blasini am Ende. Und wenn’s nicht klappt mit dem Rathauschef? "Dann bleibe ich halt an der Schule."

Rechnet sich gute Chancen bei der Bürgermeisterwahl in Lich aus: Peter Blasini.(Foto: tb)

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