Robert Laupert und Nora Pleil.
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Robert Laupert und Nora Pleil.

Black Coffee: Ein Licher Juwel

Lich (sis). Es war wieder Zeit für das (Weihnachts-)Konzert mit Kultstatus in der Licher Kino-Kneipe "Statt Gießen".

Am Samstag und Sonntag jeweils für gut drei Stunden vermittelten Sängerin Nora Pleil, deren Vater Jörg "JJ" Fischer, Gitarrist und Sänger, sowie Saxophonist Robert Laupert plus Kollegium als Formation "Black Coffee" sanfte Entschleunigung mit zeitlosem Bar-Lounge-Blues und überraschendem Rock für eine treue Fangemeinde, die jeden Titel lautstark mit Zurufen quittierte.

Die Frontfrau bewies im Vergleich zum Vorjahr, dass sie gesanglich weiter gereift ist und sorgte mit ihrer überraschend vollen Stimme für bezaubernde Aussagekraft und leidenschaftliche Emotionen. Bassist Martin Gniess ließ das vollbesetzte Lokal am Samstag länger warten, da er sich zunächst seinen Weg von Hohensolms durchs verschneite Land bahnen musste. Dann begeisterte er mit stoischer Ruhe. Zurückhaltend und doch führend war das schwermütige Zupfen an seinem Kontrabass bei Stücken wie "Angel Eyes" oder "Gee Baby Ain?t I good to you". Einfach gut.

"L’Aupaire" mit Song der Woche

Pianist Dirk Menger durfte als Abwechslung zum Set der Band drei Eigenkompositionen an den Tasten performen und erinnerte gerade mit seinen Melodien "fae" und "see" von seinem ersten Album an das Werk erfolgreicher Filmkomponisten.

Der Abend hatte es in sich. Auch Laupert, der sich solo "L’Aupaire" nennt und stolz verkündete, dass es sein Song "Rollercoaster Girl" bei HR3 kürzlich zum Song der Woche geschafft habe, ließ das Publikum staunen. Nachdem es zunächst schien, er wolle sein Licht unterm Scheffel von Pleil und Fischer verstecken, sorgte gerade dieser schüchterne charismatische Typ für einen Gänsehautmoment. Schon bei den ersten Takten seiner Single mochte man sich gut vorstellen, hier den neuen Caleb Followill zu hören. Wenn die Kings of Leon einmal Ersatz brauchen, können sie ohne Scheu auf Laupert zurückgreifen. Liebe auf den ersten Blick.

"Always travelling" begleitete Menger unaufgeregt und doch passgenau an den Tasten. "Hold on" wurde mit Unterstützung von Pleil zu einer wunderschön zurückhaltenden Ballade. Alles hinter sich lassen, wieder auf den Boden kommen mit verträumten Klängen und gereifter musikalischer Aussagekraft – das ist Programm bei Black Coffee und das begeisterte am Samstagabend alle Gäste.

Die solisitischen Einspielungen fügten sich mit ihren Stil-Besonderheiten wunderbar ins Blues-Jazz-Gefüge der eigentlichen Band. Hochtalentierte junge Musiker ergänzten "alte Hasen" wie Fischer und Gniess. Jonathan Reiter an den Drums fiel nicht nur durch seine Lockenpracht auf. Der Bandklassiker "Peel me a grape" wurde durch sein Rhythmusgefühl und Gniess’ begnadetes Zupfen einmal mehr zu einer eher fetzigen Nummer.

Wahrlich eine Instanz

Gleichwohl postulierte Fischer, schnelle Rhythmen seien schlecht für den Kreislauf. So überwogen an diesem Bilderbuch-Winterabend die ruhigen Songs. Unter der funkelnden Diskokugel wurden die Zuhörer bei Kerzenschein wundersam berührt, genossen sie Interpretationen von "Dreaming", "Roxanne" sowie – klasse interpretiert von Nora – "Fever".

Einer der Höhepunkte war Pleils Performance von "Trust in me" aus dem Dschungelbuch. Das Saxophon von Laupert erinnerte dabei entfernt an die Schlange Kaa. Mit "Invitation to the blues" versetzte der begnadete Musiker Fischer das Publikum in eine verlassene Bar in irgendeiner Metropole dieser Welt. Beim letzten Drink, allein mit dem Barkeeper, schweiften die Gedanken melancholisch.

Fischer ist wahrlich eine Instanz. Und Black Coffee ein lokales Juwel. (sis)

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