Kommunalwahl im Kreis Gießen

Wahl der Stadtverordnetenversammlung in Lich: BfL sind stärkste Kraft

Aus dem Stand heraus sind die »Bürger für ein lebenswertes Lich« mit 24,07 Prozent noch vor den Grünen zur stärksten Fraktion in der künftigen Stadtverordnetenversammlung gewählt worden.

Lich (us). Erst im Herbst hatten sich die Gegner des Logistikzentrums an der Langsdorfer Höhe als Wählergruppe formiert. Nun sind die »Bürger für ein lebenswertes Lich« aus dem Stand heraus mit 24,07 Prozent noch vor den Grünen zur stärksten Fraktion in der künftigen Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Spitzenkandidat Burkhard Neumann zeigte sich in Anbetracht dieses Vertrauensvorschusses »demütig«, wie er sagte.

»Wir müssen jetzt liefern.« Nach seiner Analyse haben die BfL ihre Stimmen aus dem Wählerpotenzial der Logistikzentrum-Befürworter geschöpft, vor allem von CDU und Freien Wählern. Enttäuschte SPD-Wähler seien wohl eher zu den Grünen gewechselt, so seine Vermutung. Die Öko-Partei, die sich ebenfalls stets strikt gegen das Logistikzentrum ausgeprochen hat, ist mit 20,66 Prozent die zweite große Wahlgewinnerin. BfL und Grüne kommen zusammen auf 17 von insgesamt 37 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung.

SPD, CDU und Freie Wähler haben die Mehrheit verloren, mit der sie im Herbst 2019 den Bau des umstrittenen Logistikzentrums durchsetzten. Vor allem die Wähler aus der Kernstadt haben sie abgestraft. CDU (15,98 Prozent) und FW FW (13,49 Prozent) verlieren jeweils drei Mandate. Am schlimmsten hat es die Sozialdemokraten getroffen. Mit 13,17 Prozent bleiben ihnen noch fünf Mandate von ursprünglich einmal elf. »Sehr enttäuschend, wenn auch absehbar«, kommentierte Ruth Rohdich, die den Ortsverband seit Januar 2020 gemeinsam mit Knut Stieger führt.

Neben dem allgemeinen negativen Trend für die SPD machen die beiden Vorsitzenden die speziellen »Licher Verhältnisse« für das schlechte Abschneiden verantwortlich. 2018 und 2019 sei es der SPD und dem damaligen Bürgermeister Klein nicht gelungen, die Entscheidungen zur Langsdorfer Höhe nachvollziehbar zu vermitteln. Hinzu komme der Generationswechsel in der Partei. »Wir sind jung und motiviert, aber noch nicht so sehr bekannt«, sagte Stieger und richtet seinen Blick auf die Zukunft: »Wir wollen Politik über diese Legislaturperiode hinaus machen.« Die FDP ist vom politischen Tsunami, der über Lich hinweggebraust ist, halbwegs verschont geblieben, verliert aber einen Sitz. Die Partei rechnet sich weder den Befürwortern noch den Gegnern des Logistikzentrums zu und hatte im Wahlkampf konsequent auf andere Themen gesetzt: Bildung, Digitalisierung, Stärkung der Innenstadt. »Wenn man uns braucht, werden wir ausgleichend tätig sein«, versicherte der bisherige Fraktionsvorsitzende Dennis Pucher. Bei einem Mandat bleibt es für die DBL.

Das Heft des Handelns haben als größte Fraktion jetzt die BfL in der Hand. Über Bündnisse und Posten habe man sich im Vorfeld der Wahl noch keine Gedanken gemacht, sagte Burkhard Neumann und kündigte intensive Beratungen an.

Bürgermeister Dr. Julien Neubert geht davon aus, dass es in Anbetracht der Mehrheitsverhältnisse schwierig werden könnte, eine kodifizierte Kooperation oder Koalition zu bilden. Doch schon in den vergangenen Monaten habe die Stadtverordnetenversammlung ihre Entscheidungen mit wechselnden Mehrheiten getroffen. Neubert zeigt sich offen für lebendige Diskussionen. »Ich bin der festen Überzeugung, dass ich gute Ideen habe und dafür auch Mehrheiten bekomme.«

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