Tess Wiley und Cordula Poos spielen im Gewächshaus von Blumen-Volz unter anderem das Lied vom "Hattenbacher Dreieck".
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Tess Wiley und Cordula Poos spielen im Gewächshaus von Blumen-Volz unter anderem das Lied vom "Hattenbacher Dreieck".

Authentisch und emotional

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Lich(usw). "Tess und Daisy" nennt sich das Duo, das aus den Musikerinnen Tess Wiley und Cordula Poos besteht. Sie arbeiten seit einiger Zeit zusammen und treten unter diesem Motto gemeinsam auf. Am Mittwoch gaben sie im Rahmen der Licher Kulturtage ein herausragendes Konzert in ungewöhnlichem Ambiente, bei Blumen-Volz im Gewächshaus. Das Konzert war ausverkauft, das Publikum hingerissen.

Die beiden Musikerinnen sind schon lange bekannt, Wiley als renommierte Singer-/ Songwriterin und Mitwirkende etwa bei Dietrich Faber oder Stefan Stoppok, die Harfenistin, Komponistin und Sängerin Poos seit geraumer Zeit als ein Teil von Poco Piu, dem Duo, in dem sie mit Markus Reich eine Art niveauvoller Weltmusik spielt, um zu beiden nur das Notwendigste zu sagen.

Inniges Zusammenspiel

An diesem Abend spielt Wiley Gitarre und Poos Harfe, und natürlich singen beide - und zwar ganz ausgezeichnet, bemerkt man sogleich, sie sind beide sehr gut aufgelegt, und der Sound im Gewächshaus ist prima. Zur Zierde tragen beide ein kleines Vögelchen im Haar. "Sie haben sich heute bewegt", sagt Poos.

Das erste Glanzlicht ist das von Wiley stammende "My Heart". Hier summieren sich Jahre der Erfahrung in Komposition und Performance zu einem eindrucksvollen Gesangserlebnis, das von einer stimmigen Gitarrenbegleitung ergänzt wird.

Nur mit der Harfe erklingt ein Titel von Poos, "Hattenbacher Dreieck". In dem erzählt sie von einem Stauerlebnis auf der Fahrt zu einem Auftritt, das sich elend lange hinzog, aber von wundersamen Begegnungen aufgewertet wurde: "Wir haben irgendwann angefangen, Musik zu machen. Vor uns stand ein Bus mit einem Polizeiorchester, auf der Gegenfahrbahn stand ein ukrainischer Chor, und schließlich haben wir drei Tage und drei Nächte gemeinsam Musik gemacht", flunkert sie. Die charmante Geschichte präsentiert sie in einem deutlich narrativen Duktus, sehr eingängig und mit sehr gut balancierter Dynamik.

Ihre aparte, sehr klare und ungemein sympathische Stimme passt ausgezeichnet zu dieser kleinen Ballade. Auffällig ist dabei, wie Poos ihre Stärke zeigt, die Harfe neben dem Originalklang wie eine Gitarre zu spielen oder sie manchmal auch verblüffend deutlich wie eine Laute klingen zu lassen. Großer Beifall.

"Alles nimmt einen Lauf", singt Poos einmal, als es um glückliche Momente im Leben geht. Mit einem typisch harmonischen Harfenintro beginnt sie das Lied. Fast etwas melancholisch klingt das, und sie singt exzellent. Eine Stärke beider Musikerinnen ist die authentische emotionale Darstellung. Das dringt beim Publikum ganz durch. "Einmal war ich zu Tränen gerührt", berichtet eine Zuhörerin in der Pause. Kraftvoller Duogesang zeichnet "Wo gehst du hin" aus, dazu eine abwechlungsreiche Struktur mit schönem Break und sehr sensiblem Zusammenspiel.

Einfach großartig gelang Poos "Schnapsidee", angeblich ein Versuch, nicht zu erwartungsgemäß zu komponieren, "sondern so, wie ich wollte". Heraus kam ein äußerst eingängiger Blues, eine herausragende, typische Gesangskooperation der beiden im Chor - insgesamt ein Hit, kann man davon ausgehen. Jedenfalls gefällt er den Zuhörern absolut großartig.

Zum Piepen in seinem originellen, lakonischen Witz, der an Schlager der Dreißiger erinnert, ist "Im Morgentau auf einem Blatt" von Poos, wo etwa eine Raupe sinniert: "Mein Lebensglück, es kommt zurück", während sich eine kooperative Dreieinigkeit mit einer Ameise und einem Käfer anbahnt.

Tatsächlich ereignet hat sich bereits eine sehr fruchtbare, kreative Zusammenarbeit der beiden Musikerinnen. Man spürt deutlich, wie ihre musikalischen Gemeinsamkeiten gewachsen sind, ihr zuweilen geradezu inniges Zusammenspiel ist Ausdruck dieser hörenswerten Entwicklung. Am Ende gibt es sehr starken Beifall und zwei Zugaben. FOTO: USW

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