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Ein "altes Schätzchen" kommt zu neuer Geltung: Gerd Römers Ansicht von Bellnhausen/Lahn (Aquarell und Kreide, 2006).

Ein Auge für Landschaften

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Lich (usw). "Neue Bilder - alte Schätzchen" nennt Gerd Römer seine Ausstellung im Dormitorium des Klosters Arnsburg. An die 200 Werke sind derzeit zu sehen, darunter finden sich die bewährten Landschaften, aber auch verschiedene neue Werke - Römer hat das Hessenland durchaus schon mal verlassen und seinen analytischen Blick angewendet. Samstagnachmittag war Vernissage. Die ehrwürdige Halle war sehr gut gefüllt, zur musikalischen Erbauung musizierten die bewährten "Poco Piu" einen kurzen Set. Die Ausstellung zeigt Bilder der 80er Jahre neben neuen Werken.

Gerd Römer, geboren 1936 in Laubach, wuchs in Grünberg auf. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt und erhielt dort eine künstlerische Ausbildung durch Bruno Müller-Linow, Wilhelm Loth und Hans Gerhard Evers. Seitdem betreibt er Aquarellmalerei mit Schwerpunkt Landschaft. Seit 1977 zeigte er zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen, seit 1979 schuf er erste Radierungen.

Von 1980 bis 1988 war Römer Geschäftsführer des Sonderbaufonds zur künstlerischen Ausgestaltung von Bauten des Landes Hessen; er arbeitete mit im Fachbeirat Kunst der Hessischen Staatsbauverwaltung, und betreute unter anderem das Projekt "Gießener Kunstweg". 1981 wurde er in den Oberhessischen Künstlerbund (OKB) aufgenommen, dem er einige Jahre vorstand. Zudem trat er dem "Malerstübchen Willingshausen" bei. 1982 begann Römer in Öl zu malen.

Zu seiner Arbeitsweise sagt Römer: "Ich arbeite meine Aquarelle am liebsten vor dem Motiv, also Auge in Auge mit dem Gegenstand oder der Landschaft, mit der ich mich malerisch auseinandersetze. Dagegen entstehen die Ölbilder immer im Atelier, wo der Malprozess kontrollierter und ohne äußere Störung verläuft, aber leider auch ohne direkte Anschauung des Motivs. Den Mangel beheben Fotos oder eben Aquarelle."

Souveräne Lichtgestaltung

Man kann an einem historischen Prozess teilnehmen: "Meine Malreisen ergaben zwar eine reiche Ausbeute an Aquarellen, Zeichnungen und Fotos, deren Umsetzung in Ölbilder Jahre, manchmal Jahrzehnte später erfolgte - oder gar nicht. Ich kam einfach nicht nach. Schließlich stellte ich fest, dass sich die alten Fotos farblich verändern." Römer wollte aber die gesammelten Eindrücke umsetzen. "So war Eile geboten. Ich fing also an, mich wieder mit den länger zurückliegenden Reisen zu beschäftigen, das alte Material zu sichten, wobei so manches "Schätzchen" auftauchte - und in kleinformatige Ölbilder umzusetzen. Das Ergebnis: Interpretationen der gleichen Landschaft, die 30 Jahre auseinanderliegen."

Der Besucher ist zunächst leicht überfordert ob der Üppigkeit des Angebots. Römer ist eine der kreativen Säulen der heimischen Landschaftsmalerei und war stets hochaktiv. Am bekanntesten sind vielleicht seine Ansichten aus der Wieseckaue und dem Vogelsberg; in der aktuellen Ausstellung in Arnsburg zeigt er auch Ansichten von Borkum und dem Gardasee.

Römers Bilder strahlen eine grundsätzliche Ruhe aus. Seine souveräne Lichtgestaltung und die enorme Detailfülle vermitteln zugleich eine ungewöhnlich intensive Vitalität. Ein Beispiel dafür ist sein "Blick ins Salzachtal", wo sich die Naturelemente ein energiereiches Stelldichein geben. Und sein Blick auf "Vetzberg im Sommer" (Aquarell, Tusche und Kreide) hat bei aller Vertrautheit nichts von seiner Energie verloren - Gerd Römers Bilder leben einfach.

Zu sehen bis 8. September im Dormitorium des Klosters (Mo. bis Fr. 14 bis 18 Uhr, Sa, und So. 10 bis 18 Uhr).

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