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Der Projektchor sorgt zusammen mit zwei Solisten für ein beeindruckendes Oratorium.

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Lich (jou). Einen erfolgreichen Abschluss fand am Samstag der Kirchentag der evangelischen Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg: In der stark besuchten Marienstiftskirche widmeten sich ein Projektchor und zwei Solisten in Begleitung einer versierten Band Hartmut Naumanns Pop- und Gospel-Oratorium "Jesaja". Die hingebungsvolle Aufführung unter Leitung der Kantorin Daniela Werner riss das Auditorium zu begeistertem Applaus hin; der Abend klang mit einer Zugabe und einer Feuershow vor der Kirche aus.

Mehr als 100 Chorsänger aus den drei Dekanaten brachten, vorzüglich unterstützt von der neunköpfigen Band, das 2015 komponierte Werk zu Gehör. In der Geschichte aus dem Alten Testament geht es um das Volk Israel, das nach der Zerstörung Jerusalems 587 vor Christus nach Babylon deportiert wird und erst nach langer, entbehrungsreicher Zeit mit göttlicher Hilfe die Freiheit wiedererlangt. Die um Integration und das Überschreiten von Grenzen kreisende Thematik wies aktuelle Züge auf. Auf die Leinwand projizierte Bibelzitate sowie Aufnahmen historischer Stätten und Skulpturen regten zusätzlich die Fantasie der Besucher an; Fotos von Flüchtlingen sowie dem Mauerfall spannten den Bogen in die heutige Zeit.

Die Ouvertüre legte mit ohrwurmhaften Instrumentalsoli die Basis für den Chor, der zunächst bloße Vokalisen sang, ehe die Textebene hinzutrat. Spätestens bei der Trilogie "An den Ufern von Babylon" ließ sich kaum mehr übersehen, wie geschickt Daniela Werner die Musiker zu begeisterndem Vortrag zu animieren vermochte. Ausgezeichnet erschien das Rhythmusgefühl aller Beteiligten. In der Trilogie verband Sopranistin Julia Noske überzeugend die Erzählerrolle mit ausdrucksstarken Gesangspassagen.

Der energische dritte Satz "Redet nicht so von unserem Gott" vermittelte Zweifel an der göttlichen Existenz angesichts leidvoller Erfahrungen und wurde unterstrichen durch brillante Trompeten- und Posaunenstimmen sowie rockige E-Gitarrensoli (hervorragend: Frank Warnke).

Hörer sichtlich ergriffen

Eine ganz ruhige, nach innen gekehrte Sphäre rückte demgegenüber in "Ohne Heimat" in den Fokus; hier ging der erneut beseelte Gesang Noskes nahe.

Eindringlich geriet die dynamische Steigerung in "Wer ist dieser Jesaja?" vom geflüsterten Beginn hin zum markanten Ausruf. Gott verspricht dem jüdischen Volk durch den Propheten Jesaja in "Für eine kleine Weile habe ich dich verlassen" baldige Freiheit. Nuanciert mutete hier nicht allein der Vortrag des Tenors Noah Bergmann-Franke an, sondern auch die E-Gitarren- und Sopransaxofonsoli. Besonders modern wirkte das streckenweise gerappte "Lasst euch nicht verführen", eine nachdrückliche Warnung vor "leblosen Götzen".

Im Ganzen verband die klangstarke Musik in sich stimmig Pop und Gospel und ergriff die Hörer sichtlich; sie folgten der Aufführung bis zum Schluss gebannt. (Foto: jou)

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