Hermann Otto Solms (l), Bundestagsabgeordneter der FDP, wird im Impfzentrum Gießen geimpft.
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Hermann Otto Solms (l), Bundestagsabgeordneter der FDP, wird im Impfzentrum Gießen geimpft.

Bundestagsabgeordneter aus Lich

Bundestagsabgeordneter Hermann Otto Solms: „Regierungen schwimmen ständig hinter der Welle“

  • vonLena Karber
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Als wohl erster Bundestagsabgeordneter wurde Hermann Otto Solms (FDP) aus Lich am Donnerstag geimpft. Dabei kritisierte der Alterspräsident des Bundestages die Impf-Politik der Bundesregierung deutlich.

Am Donnerstagabend wurde der FDP-Politiker Hermann Otto Solms aus Lich als wohl erster Bundestagsabgeordneter geimpft – und zwar medienwirksam. Der 80-jährige Alterspräsident des Bundestages lies sich zu seinem Impftermin in Heuchelheim von einem Kamera-Team des Senders RTL begleiten. Nach eigener Aussage ging es ihm dabei darum, „ein Signal zu geben, dass alle Menschen sich impfen lassen sollten“. Die Aufmerksamkeit nutzte Solms jedoch auch für deutliche Kritik an der Impf-Politik der Bundesregierung: sowohl die Vergabe der Impftermine als auch das Vorgehen der Bundesregierung bei der Beschaffung des Impfstoffs hält der 80-Jährige aus Lich für falsch.

Impftermin in Heuchelheim: Hermann Otto Solms als erster Bundestagsabgeordneter geimpft

Im Gespräch mit Thilo Schwandner, dem Ärztlichen Direktor der Asklepios-Klinik, und der Gießener Allgemeinen Zeitung hatte Bundestags-Alterspräsident Hermann Otto Solms bereits im Januar den mangelnden Vorausblick der Bundesregierung kritisiert. »Eine vernünftige Strategie ist nicht erkennbar«, bemängelte der FDP-Politiker damals. »Die Regierungen auf Bundes- und Landesebene schwimmen ständig hinter der Welle. Dabei müssten sie vor der Welle schwimmen.«

Bei seinem Impftermin am Donnerstag im Impfzentrum des Landkreises Gießen in Heuchelheim kritisierte Hermann Otto Solms nun auch explizit die Impfterminvergabe, die in Hessen und in zahlreichen anderen Bundesländern sehr chaotisch abgelaufen ist und viel Zeit und Nerven kostete. Der Alterspräsident des Bundestages hat diese Erfahrung ebenfalls gemacht: Mindestens 150 Anläufe hätten er und seine Mitarbeiter gebraucht, um einen Impftermin für ihn zu vereinbaren, berichtete der 80-Jährige aus Lich. Meistens sei eine Computerstimme in der Leitung gewesen, die gesagt habe, dass zur Zeit keine Impftermine zur Verfügung stehen würden. „So kann doch die Verwaltung mit den alten Menschen nicht umgehen“, befand Solms im Video bei RTL.

Impftermin-Vergabe und Impfstoff-Beschaffung: Hermann Otto Solms kritisiert Bundesregierung

Im Anschluss an den Impftermin konkretisierte der Bundestagsabgeordnete Hermann Otto Solms seine Kritik an der Vergabe der Impftermine gegenüber der „Bild“-Zeitung noch einmal. So stößt es dem FDP-Politiker offenbar bitter auf, „dass die Verwaltung glaubt, die Bürger müssten kommen und um einen Impftermin betteln“. Stattdessen, so Solms, hätte der Staat die Menschen anschreiben und sie über ihre Termine informieren müssen.

Doch die Impftermin-Vergabe ist nicht das einzige, was Hermann Otto Solms an der Impf-Politik der Bundesregierung auszusetzen hat. Seiner Meinung nach hat diese auch bei der Impfstoff-Beschaffung einen Fehler gemacht, indem sie zu sehr auf die EU gesetzt hat. „Man hätte zweigleisig fahren sollen. Als man gemerkt hat, dass es in der EU nicht funktioniert, hätte man wenigstens dann national einkaufen müssen“, sagte der Alterspräsident des Bundestages und verwies auf Länder wie England oder Israel, wo die Impfungen deutlich besser voranschreiten würden. „Das hätte einige tausend Todesfälle und schwere Verläufe verhindert“, so Hermann Otto Solms.

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