Alltägliche Szenen aus der Arbeit der Polizei

Lich (us). 17 Elftklässler aus der Blindenstudienanstalt in Marburg waren einen Tag lang zu Gast bei der Bereitschaftspolizei in Lich, um bei der Ausbildung künftiger Polizeibeamter zu helfen. Gut 50 Studierende übten in Rollenspielen mit den jungen Marburgern den Umgang mit Menschen, die nicht so gut sehen können.

Gustav ist der perfekte Beamte. Er jault vor Freude, wenn’s an die Arbeit geht. Dass der ausgebildete Schutz- und Drogenspürhund seine Aufgaben so geräuschvoll erledigt, war gestern von besonderem Vorteil. Seine Fähigkeiten demonstrierte Gustav vor 17 blinden und sehbehinderten Schülern der Blindenstudienanstalt (Blista) in Marburg. Die waren einen Tag lang zu Gast bei der Bereitschaftspolizei in Lich. Dort lernten sie verschiedene Aspekte der Polizeiarbeit kennen. Vor allem aber halfen sie bei der Ausbildung künftiger Polizeibeamte.

»Polizeiarbeit lebt vom Miteinander«, sagte der Organisator des Tages, Florian Langecker, bei der Begrüßung der Gäste im Tagungszentrum der Bereitschaftspolizei in Lich. Umso wichtiger sei es also, künftige Polizeibeamte mit Personengruppen in Kontakt zu bringen, die einen besonderen Umgang erfordern.

Im Zentrum der gestrigen Veranstaltung standen verschiedene Rollenspiele, bei denen Situationen aus dem Polizeialltag realitätsnah simuliert wurden. Eine Körperverletzung in einer Sehbehinderten-Wohngruppe, ein Einbruch in ein Wohngebäude, eine Verkehrsunfall mit Fahrerflucht und ein Bankraub wurden dabei nachgestellt. Im Anschluss befragten die künftigen Polizisten die Elftklässler aus Marburg nach ihren Wahrnehmungen. Und die sind naturgemäß anders als die von sehenden Menschen. So kann zum Beispiel bei der Täterbeschreibung der Geruch, etwa von einem Parfüm, eine wichtige Rolle spielen. Nebenbei sollten durch das Miteinander auch Berührungsängste abgebaut werden. »Wir suchen ganz bewusst den Kontakt nach außen«, berichtete Dr. Christian Roos, der an der Carl-Strehl-Schule, dem Gymnasium der Blista, PoWi unterrichtet. »Unsere Schüler sind ganz normale Jugendliche. Sie sehen nur ein bisschen schlechter.«

Auch die Eltfklässler konnten von dem Tag in Lich viele neue Eindrücke mitnehmen. Wann hat man schon mal Gelegenheit, eine Polizeipistole in die Hand zu nehmen, sich Handschellen anlegen zu lassen oder die volle Schutzausrüstung anzuprobieren? Und auch den japsenden Gustav, der in Windeseile ein Heroinpäckchen aufspürt, erlebt man nicht alle Tage. (us)

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