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Das Frauentrio VickiKristinaBarcelona aus New York begeistern die Zuhörer im Kino »Traumstern« mit einem erfrischenden Programm mit Liedbearbeitungen von Tom Waits.

Alles passt zusammen

  • VonAxel Cordes
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Lich (axc). Der Programmtitel schien verwirrend: Was hat ein Woody-Allen-Film mit Tom Waits zu tun? Und wie würde es klingen, wenn sich drei US-Frauen des riesigen Werks des so kaputt wirkenden Musikers mit der versoffenen Stimme annehmen? Am Ende des Auftritts des Trios am Donnerstag im Licher Kino »Traumstern« passte alles auf höchst genussvolle Weise zusammen.

Rachelle Garniez scheint den meisten im gut besetzten Saal noch in bester Erinnerung zu sein: Im Oktober 2019 gestaltete sie mit Gitarrist Erik Della Penna einen eindrucksvollen »Evening in New York«. Jedenfalls wurde sie mit ihrem aktuellen Trio VKB herzlich und mit Vorfreude begrüßt.

Garniez schnallt sich ihr Akkordeon um, Terry Radigan ihre E-Gitarre. Amanda Homi bedient ein Standschlagzeug mit weiteren Klangkörpern aus Holz oder Metall sowie ein Harmonium (pump organ). Das Trio beginnt mit dem melancholischen »Yesterday Is Here« vom 1987er Album »Frank’s Wild Years«. Schon das Original ist berückend schön, aber der präzise, nie artifiziell wirkende dreistimmige Gesang der Frauen erhöht die Wirkung noch beträchtlich.

Das abgründige »Way Down in the Hole« mit fast unverzerrter Twang-Gitarre und »Du-duh«-Gesang stammt ebenso vom genannten Album wie das zum Heulen schöne »Innocent When You Dream« im Zeitlupen-Dreivierteltakt. VKB haben sich, wie sie später erzählen, bei der Auswahl der Songs mal von der Musik, mal von den Texten leiten lassen. Aber es fällt auf, dass die Lieder meistens aus der Zeit nach 1985 stammen - nachdem der 1949 geborene Kalifornier mit seiner Frau und Co-Komponistin, Kathleen Brennan, nach NYC gezogen war.

Die Verbindung zu Woody Allen ist offensichtlich, die Wahl des Bandnamens eine Anspielung auf die komplexen Beziehungen dreier Frauen zu einem Mann in »VickiKristina Barcelona«.

Bei VKB gefällt vor allem die Abwechslung: In vielen Stücken wechselt Garniez an das sechssaitige Banjo, und Homis Gehör für stimmige Details, etwa die Kuhglocke, begeistert immer wieder. Zum steinerweichenden »Temptation« tanzt sie schlangengleich mit Kastagnetten auf und vor der Bühne. Terry Radigan bleibt ihrer einzigen Bühnengitarre treu, der sie präzise Rhythmen und Arpeggi entlockt. Das Nach- und Miteinander der drei Stimmlagen ist eine weitere Wohltat - vor allem für diejenigen, die mit Tom Waits wegen dessen bellender Whisky-und-Zigaretten-Röhre eher fremdeln. Zudem singen VKB die Texte sehr deutlich.

Besonders charmant gerät der Abend aber auch wegen des Drahts, den die Musikerinnen zum Publikum aufbauen. Sie haben - auch wegen der langen Zwangspause - spürbar Spaß am Spielen vor einem aufmerksamen Publikum und ebenso offensichtlich auch an Deutsch(land). Radigan bezeichnet New Jersey augenzwinkernd als das »Bielefeld von New York«, und Garniez ist ganz stolz, jetzt das Wort »Quetschkommode« zu kennen. Ihr Satz »Wir sind Glückpilze« gilt nach 90 Minuten für die Band genauso wie für die Fans.

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