"Für dich soll es Konfetti regnen": 46 Jahre lang hat Marianne Schneider Kinder betreut. Jetzt geht sie in den Ruhestand. FOTO: US
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"Für dich soll es Konfetti regnen": 46 Jahre lang hat Marianne Schneider Kinder betreut. Jetzt geht sie in den Ruhestand. FOTO: US

Abschied von Janni

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Lich(us). Mit bürgerlichem Namen heißt sie Marianne Schneider. Aber in Lich kennt man sie als "Janni". Und es dürften ziemlich viele Licher sein, die Janni kennen. Denn erstens ist sie hier aufgewachsen. Und zweitens hat sie viele Generationen auf einer wichtigen Etappe ihres Lebenswegs begleitet. Marianne Schneider war 46 Jahre lang Erzieherin in den städtischen Kindergärten. Gestern wurde sie in der Kita Oberstadt in den Ruhestand verabschiedet. Mit ihr verließ auch Nicole Häuser die Einrichtung. Sie wechselt in die Kita am Fuchsstrauch.

Als Marianne Schneider nach einer Ausbildung zur Kinderpflegerin am 1. August 1974 ihren Dienst im Kindergarten Oberstadt antrat, hieß der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt und der Licher Bürgermeister Konrad Hannes. Viel Zeit ist seither vergangen. "Aber Kinder bleiben Kinder", weiß Schneider. "Die brauchen Bewegung. Das hat sich nicht geändert."

Die Licherin hat ihre Berufslaufbahn als Springerin begonnen und so verschiedene Einrichtungen kennengelernt. Sie war in der Oberstadt, in Muschenheim und in Eberstadt eingesetzt. Aber die längste Zeit war sie im Kindergarten Am Gründchen tätig. Und schon früh war sie dort in der Ganztagsbetreuung eingesetzt. Die dauerte damals von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 13.30 Uhr bis 17 Uhr. "Mittagsbetreuung gab es noch nicht", blickt die Licherin zurück.

An einen Blondschopf namens Julien, der Anfang der 1990er Jahre den Kindergarten Am Gründchen besuchte, kann Janni sich bis heute erinnern. Und er sich an sie. Bürgermeister Dr. Julien Neubert war damals in der Nachbargruppe. Manchmal sei er ausgebüxt, erzählte er nun bei der Verabschiedung. Von anderen sei man in solchen Fällen schon mal ermahnt worden. "Aber von Janni nie. Sie hat alle Kinder gleich behandelt. Bei ihr waren immer alle willkommen."

Daran hat sich bis heute nichts geändert. "Wer diesen Beruf ergreift, sollte Freude mitbringen", sagt Marianne Schneider. "Und Humor." Sie hat ganz offensichtlich beides. Immer wieder hört man bei der Abschiedsfeier ihr tiefes Lachen, auch wenn ihr ein bisschen wehmütig zumute ist. "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so beschreibt sie ihre Gemütslage an ihrem letzten Arbeitstag.

Als Marianne Schneider 2014 nach 39 Jahren Am Gründchen zurück in die Oberstadt wechselte, übernahm sie die Krippengruppe, die "Bären". "Die Arbeit mit den Kleinen war noch einmal was anderes", erzählt sie. Dass die anderen im Team alle jünger waren als sie selbst, gefiel ihr ebenfalls. Sie arbeite gern mit jungen Leuten. "Da kommt frischer Wind rein und man lernt voneinander. So eine Mischung ist nicht verkehrt", sagt die 63-Jährige, die selbst zwei Kinder und zwei mittlerweile große Enkel hat. Und noch etwas weiß sie im Rückblick zu schätzen: "Ich hatte immer das Glück, es mit super netten Eltern zu tun zu haben."

Ein rührendes Abschiedslied der Kinder, Konfettiregen, ein gesungenes und gesprochenes "Danke" des Elternbeirats sowie gute Wünsche vom Personalrat in Gestalt von Norbert Oelke begleiteten Marianne Schneider in den Ruhestand, für den sie noch keine konkreten Pläne hat. "Ich schaue, was kommt. Langeweile kenne ich nicht."

Für den Fall, dass sie sich ausruhen möchte, hat sie jedenfalls das Equipment beisammen. Der Bürgermeister überreichte neben Blumen einen kuscheligen Lich-Kolter, von den Kolleginnen gab’s eine coole Gartenliege. Erhole dich erst mal", gab Kita-Leiterin Heidi Becker der scheidenden Kollegin mit auf den Weg. "Und wenn’s bei uns klemmt, rufen wir dich an."

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