Künstlerin Anahita Parhami.
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Künstlerin Anahita Parhami.

9.-November-Reihe online erleben

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Lich(nab). Kaum hatten in der vergangenen Woche die Veranstalter das Programm für die Reihe zum 9. November 1938 in Lich bekanntgegeben, machten ihnen die neuen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Die Verlegung weiterer Stolpersteine, die heute stattfinden sollte, wird nun auf das kommende Jahr verschoben. Doch es gibt eine Reihe von Programmpunkten, die online zu erleben sein werden. Den Anfang machte nun Anahita Parhami mit ihrer Ausstellung in der Kinokneipe "Statt Gießen".

"Aufgrund der Pandemie mussten wir schauen, dass wir andere Formen finden," sagt Karla Katja Leisen vom Verein künstLich. Als die Künstlerin am Wochenende die Bilder aufhängte, hat Anika Danielle Wagner am Wochenende ein Video gedreht, das in Kürze online zuzu sehen sein wird. Ein Link soll dann auf www-kuenstlich- ev.dezu finden sein. Und die Werke selbst kann man sich im Internet ansehen. "Auch in der Kinokneipe können Besucher die Ausstellung anschauen", kündigt Leisen an. Sie müssen dann eben nur einzeln in den Raum hineingehen (Anmeldung per E-Mail über info@kuenstlich-ev.de).

Anahita Parhami stammt aus dem Iran. Im Februar 2017 ist sie nach Deutschland geflüchtet, kam in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen an. Mittlerweile lebt die 35-Jährige in Frankfurt. Noch im Iran hat sie ein Bachelorstudium in Grafikdesign an der Universität in Teheran absolviert. "Aber ausstellen konnte ich im Iran nie", sagt Parhami, die ihren Werken Namen wie "Meerjungfrau auf der Flucht", "Versteinerter Schrei" oder "Aufgeben oder Mitspielen?" gibt. Denn all ihre Zeichnungen, die sie mit Fineliner, Aquarell, Tusche und mit Wasserfarben anfertigt, zeigen geflüchtete Menschen, Menschen, die etwas hinter sich lassen mussten. "Sie stehen im Zentrum meiner Bilder", sagt Parhami, die die Entstehung ihrer Werke wie einen Traum beschreibt. "Ich kenne das Ergebnis vorher nicht." Parhamis Bilder zeigen Menschen, unterschiedlicher Nationalitäten und Lebensbedingungen, die kämpfen und versuchen, ein glückliches Leben zu führen. Beeindruckend sind beispielsweise die kleinen Notizblockblätter, auf die sie das, was sie in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen sah, zeichnete. "Wir sind nicht nur Nummern" lautet der Titel.

Auch für weitere Veranstaltungen setzen die Organisatoren der 9.-November-Reihe auf Online-Formate. "In Rücksprache mit Torsten Denker, dem Leiter der Kreisvolkshochschule, möchten wir einen YouTube-Kanal einrichten, um die Veranstaltungen digital zu setzen," sagt Leisen. Aufgezeichnet werden sollen eine Lesung sowie ein Konzert mit Sven Görtz. "Das Gong-Konzert von Sukawave am 22. November könnte sogar live übertragen werden", kündigt Leisen an.

Nicht digital, sondern ganz real stattfinden wird nach Absprache mit Bürgermeister Dr. Julien Neubert die Mahnwache mit Pfarrerin Barbara Lang am 9. November. Beginn ist um 17 Uhr mit einer Andacht in der Marienstiftskirche. FOTO: NAB

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