Konzentriert lauschen die Kinder mit Sabine Hug der Geschichte vom "Esel Pferdinand".
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Konzentriert lauschen die Kinder mit Sabine Hug der Geschichte vom "Esel Pferdinand".

Lesen und Lernen - mit Eseln

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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"Stur wie ein Esel" spricht der Volksmund. Was da dran ist (und was nicht), das hat eine Handvoll Kinder auf dem Hobby-Bauernhof der Ranchgemeinschaft Obbornhofen gelernt. Und zwar beim bundesweiten Vorlesetag

Ist der Esel wirklich so stur, wie man ihm nachsagt? "Jein", sagt Sabine Hug. "Es sind einfach sehr vorsichtige Tiere". Sie muss es wissen, denn sie kümmert sich in der Ranchgemeinschaft in Obbornhofen um sechs gar nicht so sture Esel. Und ist zugleich Vorstandsmitglied im Deutschen Zuchtverband für Esel. "Der ursprüngliche Lebensraum der Tiere sind steinige Halbwüsten", klärt sie auf. Und würden die Esel dort (so wie Pferde) bei Gefahr einfach flüchten, dann würden sie sich wohl die Haxen brechen. Also meiden sie, was sie für gefährlich halten oder wo sie unsicher sind. Im Zweifelsfall gehen Esel aus der vermeintlichen "Gefahrenzone", bleiben stehen und denken nach. Und das kann dauern. Was wir Menschen dann gerne als Sturheit (fehl-)interpretieren.

Wo lernt man so was über die Grautiere? Beim bundesweiten Vorlesetag. Diese Initiative der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutschen Bahn Stiftung findet seit 2004 jedes Jahr am dritten Freitag im November statt und gilt als das größte Vorlesefest Deutschlands. Gestern wurde zwischen Flensburg und Garmisch in Kindertagesstätten, und Schulen, in Buchhandlungen und Bibliotheken vorgelesen - und eben im Eselstall in Obbornhofen. Die Kinder hörten auf der Ranch am Rande des Dorfes von Sabine Hug die Geschichte von "Esel Pferdinand" aus der Feder von Suza Kolb. Die Autorin beschreibt einen Esel, der sich wünscht ein Pferd zu sein. Doch vor dem Lesen war erst einmal Kennenlernen, Spielen und Pflegen angesagt . Die Grundschülerinnen und Grundschüler schnappten sich auf der Ranch Putzzeug und bürsteten und striegelten Elvis, Flori, Dornröschen, Schneewittchen Rosi und Anita, bevor sie es sich im Stall gemütlich machten und der Geschichte lauschten, während die Esel genüsslich ihr Heu mampften. Bereits zum 16. Mal findet auf Initiative der Stiftung Lesen, der "ZEIT" und der Deutsche Bahn Stiftung der Vorlesetag statt. Neben Lehrern und Erzieher/innen, Bibliothekaren, Buchhändlern und vielen anderen ehrenamtlich Engagierten lesen Prominente und Politiker vor. Auch an vielen Orten in Stadt und Landkreis Gießen Motto war in diesem Jahr: "Sport und Bewegung". Dazu passte, dass beispielsweise in der Gesamtschule Gleiberger Land in Launsbach gleich mehrere Sportler zu Gast waren: Hendrik Schreiber, der Neuzugang beim TV Hüttenberg, Johannes Lischka von den Gießen 46ers und Annabell Breuer von den Rollstuhlbasketballerinnen Lahn-Dill. Doch auch alle anderen Themenfelder waren und sind jederzeit willkommen, denn die Idee des Vorlesetags ist, ein öffentlichkeitswirksames Zeichen für das Vorlesen setzen und so Freude am Lesen wecken, wie es seitens der Stiftung Lesen heißt.. Wenn es gelingt, bei Kindern Begeisterung für das Lesen und für Bücher zu wecken, dann ist das Ziel erreicht.

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