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Der Poitou-Esel wirkt massig und hat ein langes, zotteliges Fell.

Leidenschaft für zottelige Riesen

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
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Spaziergänger oder Wanderer haben sie bestimmt schon einmal gesehen, die zotteligen Riesenesel, die auf den Weiden in und um Langgöns grasen. Es sind besondere, aber auch gefährdete Tiere. Die Poitou-Esel sind heute fast nur noch in Zoos zu sehen - oder in der Asinerie Cleeberg. Puck Plötz züchtet sie.

Es ist eine ganz besondere Leidenschaft, die Puck Plötz mit seinen Eseln verbindet. Vor etwa 35 Jahren hat der heute 54-Jährige in Italien seinen ersten Großesel gekauft. Schnell wurde klar, dass er irgendwann noch ein zweites Tier haben wollte. »Wenn man sich mit großen Eseln beschäftigt, kommt man an Poitou-Eseln einfach nicht vorbei«, erzählt der Langgönser.

Als er vor 25 Jahren auf einen Hof nach Frankreich gezogen ist - seine Mutter ist dort geboren - hat er seinen ersten Poitou-Esel gekauft. Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick.

Seit vielen Jahren betreibt er nun eine staatlich anerkannte und kontrollierte Poitou-Esel- Zucht. Den Hof in Frankreich hat er noch immer. In den Asinerien (traditionelles, französiches Wort für Eselzucht) Cleeberg und Plombieres in Frankreich werden heute die schwersten Esel der Welt gezüchtet. Dafür hat Puck Plötz vier eigene Zuchthengste, weltweit sind etwa 60 Tiere für diesen Zweck zugelassen.

Plötz’ Tiere stehen abwechselnd in Cleeberg und in Plombieres. Und sie sind wirklich besonders: drei seiner Hengste haben in den vergangenen Jahren bei einem jährlich stattfindenden Wettbewerb in der französischen Heimat der Tiere den Titel »Nationalchampion« geholt. Der Poitou-Esel wirkt massig und hat ein langes, zotteliges Fell, das meist dunkelbraun ist.

Fünf bis sechs Zoos in Deutschland halten Poitou-Esel. Zu den »Kunden« des Cleebergers gehören zum Beispiel die Zoos in Nürnberg und Münster. »Die kommen dann in der Saison fürs Decken mit ihren Stuten zu uns«, erzählt Plötz. Denn die Hengste seien sehr eigen, was ihr Revier betreffe.

Mit seinen Asinerien beteiligt er sich an einem weltweiten Rettungsprogramm für die vom Aussterben bedrohte Eselrasse Baudet du Poitou. Doch die Erhaltungszuchten werden immer weniger. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. »Den einen ist es schlicht zu teuer, den anderen sind die Wege zu weit«, versucht Plötz die Entwicklung zu erklären. So gebe es immer weniger Fohlen der Poitou-Esel. Auch private Eselhalter kommen hin und wieder mit einem Zuchtwunsch zu ihm. Zum Beispiel mittelalterliche Gruppen und Vereine. »Aber die sind eher die Ausnahme.« Gezüchtet wird unter strengen Tierschutzgesichtspunkten. »Wir bewerben diese Art der Erhaltungszucht und helfen interessierten Menschen dabei, neue Zuchten auf- oder bestehende auszubauen«, sagt Plötz. Die Zucht ist europaweit vernetzt.

Der Langgönser vermittelt auch Tiere von anderen Farmen in verschiedene Länder. Hier kommt ihm zugute, dass er fließend Französisch spricht. »Die Sprachbarriere ist für manche schon eine echte Hürde.« Und das macht er ehrenamtlich.

Hauptberuflich ist Puck Plötz ebenfalls eng mit Tieren verbunden. Wenngleich er sich seinen ursprünglichen Berufswunsch erst relativ spät erfüllte. Seit sieben Jahren ist der Cleeberger nun Tierarzt, kümmert sich - natürlich - um Esel und Pferde. »Ich wollte schon nach dem Abitur Tiermedizin studieren«, erinnert sich Plötz. Doch ein bestimmter Grund habe ihn davon abgehalten: zu dieser Zeit waren noch viele Tierversuche Bestandteil des Studiums. Stattdessen schlug er einen ganz anderen Weg ein.

Mit 18 Jahren begann er als Straßenkünstler. Er jonglierte, zauberte, fuhr Hocheinrad. Zu dieser Zeit holte er auch seinen ersten Riesenesel aus Italien, mit dem er später durchs Land zog und die Menschen bespaßte. Er spielte auf zahlreichen Bühnen - unter anderem beim Neujahrsvarieté in Bad Nauheim -, war als Conferencier, Entertainer und Komiker erfolgreich. »Ich trat auch vor den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und Roman Herzog auf«, sagt der Künstler rückblickend.

2008 nahm er an der Uni in Gießen schließlich doch noch sein Studium auf. »Ich war der Älteste, aber das war mir egal.« Dass er heute als Tierarzt arbeitet, erleichtert ihm auch die Arbeit mit seinen Eseln. »Ich kann mich bei Problemen einfach selbst um sie kümmern, und spare somit auch einiges an Kosten.«

Die Versorgung der Riesenesel nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, täglich minimum zwei Stunden. »Wenn die Feldwege stark verschneit sind, kann eine Runde auch schon mal fünf Stunden dauern.« Braucht ein Tier im Krankheitsfall seine besondere Aufmerksamkeit, sind auch mehrere Besuche am Tag nötig. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau, die ebenfalls Tierärztin ist.

Die Erfahrungen und das umfangreiche Wissen, das Puck Plötz im Laufe der Jahre gesammelt hat, gibt er heute übrigens in Esel-Kursen weiter. Auch die Besichtigung der Poitou-Esel ist nach Vereinbarung möglich. Bei der zweistündigen, kostenpflichtigen Führung vermittelt Plötz umfangreiche Informationen über die zotteligen Riesen, und die Esel der Asinerie können hautnah erlebt werden. Alle Informationen dazu finden Interessierte auf der Homepage unter www.poitouesel.de.

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