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Leichte Engel, schwere Stollen

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Die Entscheidung, bereits am Donnerstag zum "Winter- zauber" auf Schloss Laubach einzuladen, war goldrichtig: Auf bis zu 4000 schätzte Projektleiter Fabian Hartung am Abend die Besucherzahl. Bei blauem Himmel und angenehmer Kälte freilich bereitet der Gang über den vorweihnachtlichen Markt noch mal so viel Spaß.

Zur siebten Auflage des "Winterzaubers" hat der Veranstalter "Evergreen" nicht nur einen Tag drangehängt, auf dass sich die Besuchermassen etwas verteilen. Auch wurden bisher ungenutzte Räume reaktiviert: In der Remise, erzählt der für den Markt verantwortliche Projektleiter Hartung, wurden die heute als Garagen genutzten alten Ställe zu neuen Ausstellungsräumen.

In einem bietet Beate Hermann ihre Weihnachts-Deko an. Die Frau aus dem südlichen Westfalen ("oder war es Hagen?") mag ihren neuen Verkaufsraum. Doch nicht nur deshalb nimmt sie die zweieinhalbstündige Fahrt gerne in Kauf. "Uns gefällt es hier super gut, das Publikum ist so nett", erzählt sie. Das Besondere an ihrem Stand: in Handarbeit gefertigte kleine Engel, einige nur wenige Gramm leicht. Gern gewährt Beate Hermann Einblicke ins Engelmacher-Handwerk: Bei 1060 Grad brennt sie zunächst die in eine Form eingebrachte Gießkeramikmasse, grundiert, patiniert und bemalt schließlich die filigranen Figürchen. Mehrere Stunden sitze sie daran.

"Wer in aller Ruhe und nicht auf den letzten Drücker in märchenhaftem Ambiente nach schönen Dingen für die Liebsten sucht, ist hier genau richtig", reklamiert wiederum Projektleiter Fabian Hartung. Das werden besondere all jene bestätigen, die am späteren Nachmittag über den vorweihnachtlichen Markt schlendern: Die Illumination des rund 500 Jahren alten gräflichen Schlosses sorgt dann für einen ganz eigenen Zauber.

Thomas Rimkus ist "Der Kräuterzwerg". Er bereichert die noch bis Sonntag geöffnete Verkaufs- und Informationsausstellung mit "rustikalen Ideen". Der Mann aus dem Ostfriesischen wartet mit alten Kisten, Fenstern und Türen, Holz- und Eisen-Deko im weihnachtlichen Outfit auf. Warum aber nennt er sich bloß "Kräuterzwerg"?

Bei nicht weniger als 110 Ständen ist die Auswahl natürlich riesig. Neben all den Deko-Artikeln, duftenden Badezusätzen, Wohnaccessoires im Vintage-Stil, Zirbenholzkissen, Blumenkränzen, Weihnachtsfiguren und dem Holzspielzeug sei der "Tee-Mann" Dirk Rüfereck hervorgehoben.

Schließlich kommt er bereits seit Anfang an und jedes Jahr wieder nach Laubach, sorgt stets aufs Neue für einen wundervollen Duft in der Alten Schlossküche. Die weite Anfahrt aus Hannover lohne sich immer, sagt er. Nicht nur der guten Geschäfte wegen: "Das Ambiente, die tolle Stimmung, die Stammkunden, die ich hier immer treffe - in bin bundesweit unterwegs, nach Laubach aber komme ich am liebsten."

Und was ist diesmal der Renner unter den gut 100 Teesorten? "Das ist ›Knusperhäuschen‹, den brühen Sie auf, und das ganze Haus riecht nach gebrannten Mandeln."

Artverwandte Genüsse gibt es einige Meter weiter, vis à vis von der "Herrenscheune" bei Volker Sauer, Seniorchef der gleichnamigen Bäckerei aus Pretzschendorf im Erzgebirge. Beim Probieren seiner Stollenvariationen drängt sich die Frage auf, was den erzgebirgischen Christstollen vom Dresdner Stollen als geschützter Regionalmarke unterscheidet. "Das Grundrezept ist fast das Gleiche", verrät Sauer. "Unser Stollen ist nur sehr schwer." Was übrigens nichts mit dem spezifischen Gewicht zu tun hat. Sondern mit den Zutaten: "Viel Butter und jede Menge anderer Fettigkeitseinsatz", klärt der sympathische Stollenbäcker mit leicht sächsischem Zungenschlag den Laien auf.

Unter nahezu idealen äußeren Bedingungen - einzig der Schnee fehlte - öffnet am gestrigen Donnerstag der "Winterzauber" auf Schloss Laubach erstmals seine Pforten. Über den großen Besucherandrang freuen sich auch Tee-Verkäufer Dirk Rüfereck und der Stollen-Bäcker aus dem Erzgebirge, Volker Sauer.(Fotos: tb)

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