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Orts-Turn- und Sportfest auf dem Heuchelheimer Geiersberg Ende der 40er Jahre: Elli Rinn beim Weitsprung.

Ein Leben für das Ehrenamt

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Turn- und Sportfreunde, Gemeindebücherei, Kreisvolkshochschule - Elli Rinn ist seit mehr als 70 Jahren das personifizierte Ehrenamt in Heuchelheim.

Seit 1949 Helferin und Übungsleiterin in der Kinderturnabteilung", heißt es schlicht und einfach in der vereinsinternen Auflistung der ehrenamtlichen Tätigkeit von Elli Rinn bei den Turn- und Sportfreunden Heuchelheim. Stolze 71 Jahre ist dies her! Und da ist noch viel mehr. Denn fast genauso lange betreut sie die gemeindliche Bücherei, war zudem über Jahrzehnte Außenstellenleiterin der Kreisvolkshochschule. Ein Leben im Dienst der Menschen in Heuchelheim. Das darf mit Fug und Recht gesagt werden. Auch wenn sie dies mit der ihr eigenen Bescheidenheit gar nicht gerne hört.

Seit 1951 bringt sich Elli Rinn in der Bücherei im Alten Rathaus ein. Zunächst beruflich, später im Ehrenamt. Der Bestand ist über viele Jahrzehnte gewachsen. 400 Bücher waren es zu Beginn, damals noch untergebracht im Haus von Bürgermeister Otto Bepler. Mittlerweile sind es weit über 6000 Bände geworden. "Ich muss doch die etwa 200 Bücher, die ich jährlich neu für die Bücherei einkaufe, zuerst selber kennenlernen, um bei Nachfragen, Empfehlungen an meine Leser geben zu können", hat Elli Rinn vor Jahren einmal erläutert. Was bei ihr ausgeliehen wird, ist auch durch ihre Hand gegangen. Anlässlich des "60-Jährigen" in Diensten der Gemeinde sagte sie seinerzeit schlicht: Das Betreuen der Bücherei sei "keine Arbeit. Mehr ein schönes, interessantes Hobby". Ihren Dienst bei der Gemeinde hat Elli Rinn, die dieser Tage 89 wird, 1947 angetreten. Es war die Zeit des Eintreffens der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen. Die Wohnungsnot war groß. Es war eine schwere Zeit für den damaligen Bürgermeister Albert Schmidt und die Bediensteten im Rathaus, zu denen Elli Rinn gehörte. Sie war für vieles zuständig, die Ausgabe von Bezugsscheinen und zu erstellende Ausweispapiere der Flüchtlinge. Später arbeitete sie im Einwohnermeldeamt, bearbeitete Wassergeldzahlungen und Versicherungen.

Vor allem aber schlug (und schägt) ihr Herz für den Sport: Seit 1949 im Kinderturnen engagiert, übernahm sie 1959 die Leitung der Turnabteilung der Turn- und Sportfreunde Heuchelheim für 32 Jahre - und machte selbstverständlich als Übungsleiterin weiter. Die Arbeit mit Menschen in der Halle und auf dem Sportplatz wurde ausgeweitet. Rinn hatte - und hat - Freude am Umgang mit anderen. "Ich habe so viele Menschen kennengelernt", berichtet die Seniorin und bezieht sich nicht nur auf die TSF, sondern auch auf ihre Tätigkeit im Turngau Mittelhessen und darüber hinaus.

Kurz nach dem Krieg mussten erst einmal die Voraussetzungen für geordneten Sportbetrieb geschaffen werden. In Heuchelheim gab es zwar die 1926 gebaute vereinseigene Turnhalle, doch die hatte die US-Army nach Kriegsende in Beschlag genommen. "Als die Amerikaner weg waren, haben wir erst einmal die Halle geputzt", erklärt sie. Weil die anderen Sporthallen in und um Gießen im Krieg weitgehend zerstört waren, entwickelte sich Heuchelheim zur zentralen Anlaufstelle des Turngaus. "Alle Lehrgänge fanden hier statt, erinnert sich Rinn. "Und so hat auch der Sportkreis Gießen, der seit 75 Jahren besteht, seine Wurzeln in Heuchelheim", ergänzt der TSF-Vorsitzende Wolfgang Schleer.

Bis ins hohe Alter engagierte sich Elli Rinn für Neues; zum Beispiel durch Gründung der Stuhl-Gymnastik-Gruppe, die sie 2004 gemeinsam mit Elvira Pöhlsen ins Leben gerufen hatte. Deren Leitung gab sie nach 15 Jahren letztes Jahr ab. "Erstaunlich, wie man im Sitzen seine Muskeln und Gelenke gezielt bewegen und stärken kann", freute sich die Seniorin über den Nutzen der Übungen.

Elli Rinn war auch dem Turngau Mittelhessen verbunden, in dem sie eine Reihe von Aufgaben übernahm und für den sie mehr als 65 Jahre als Kampfrichterin tätig war. Mit weiteren Turnern aus dem Gau hat sie eine Reihe von Turnfesten, sei es auf Landes- oder Bundesebene, besucht.

Auch hier wurden Kontakte geknüpft, die immer wieder aufgefrischt wurden. Man kennt sich eben in der großen Turngemeinde in Hessen und Deutschland; ganz besonders dann, wenn man wie Elli Rinn seit 1954 als Kampfrichterin wirkte. Für ihr jahrzehntelanges, ehrenamtliches Wirken ist sie vielfach ausgezeichnet worden. So mit dem Ehrenbrief ihrer TSF und des Deutschen Turnerbundes oder der Ehrennadel des Landessportbundes. Aber auch die Gemeinde Heuchelheim ehrte sie, ebenso das Land mit dem Ehrenbrief. 2001 erhielt sie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Nach über 70 Jahren als Übungsleiterin und vielen Jahren als Kampfrichterin hat sie kurz vor ihrem 89. Geburtstag ihre Ämter in jüngere Hände gelegt und nimmt nur noch als "einfache" Sportlerin an den Übungsstunden teil.

"Es war für mich eine schöne Zeit", rief sie ihrer Gruppe zum Abschluss zu und bedankte sich ausdrücklich für die "Loyalität und Kameradschaft".

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