Bettina Wege-Lemp hat auf dem blauen Sofa, dem Markenzeichen der Begegnungsstätte "Sofa", Platz genommen. FOTO: PAD
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Bettina Wege-Lemp hat auf dem blauen Sofa, dem Markenzeichen der Begegnungsstätte "Sofa", Platz genommen. FOTO: PAD

Ein Leben für die Diakonie

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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27 Jahre hat Bettina Wege-Lemp in und um Grünberg für die Diakonie gearbeitet. Nun ist sie im Ruhestand - und zieht eine positive Bilanz.

Sie hat Messies geholfen, ihren Haushalt wieder in den Griff zu bekommen. Sie hat Schwangeren in schweren Zeiten beigestanden. Sie hat sich um die Integration von Spätaussiedlern und Flüchtlingen gekümmert. Zudem hat sie sich für die Tafel eingesetzt. Nach 27 Jahren ist Bettina Wege-Lemp nun im Ruhestand. Ihr Fazit: "Ich habe sehr gerne in der Diakonie gearbeitet."

"Es gab eine große Bandbreite an menschlichen Schicksalen", sagt sie rückblickend. An manchen Tagen war die Arbeit auch frustrierend - etwa wenn man zu einem Messie kam, dessen Wohnung man noch vor Kurzem entrümpelt hatte, und nun schon wieder auf Berge von alten Zeitungen stieß. In solchen Situationen habe ihr stets geholfen, belastende Situationen im Team zu besprechen, um neue Kraft und Motivation zu finden. "Du musst eine professionelle Distanz haben, darfst dich nicht von dem Problem verschlingen lassen", sagt sie.

1993 begann Wege-Lemp in der Aussiedlerberatung der Diakonie. Damals lebten viele Spätaussiedler in Grünberg, Beltershain und Lauter in Übergangswohnheimen. Danach war sie als gesetzlich bestellte Betreuerin tätig, erlebte dabei die gesamte Bandbreite menschlicher Schicksale. Ihr wurde bewusst, wie wenige Menschen sich rechtzeitig um eine Betreuungs- und Patientenverfügung gekümmert hatten. Darum hielt sie Info-Veranstaltungen dazu in zahlreichen Vereinen ab.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit war das Seniorenbüro. Dahinter stand die Idee, Senioren zu helfen, die sich engagieren wollen, eine Aufgabe zu finden.

Ab 2006 hatte Wege-Lemp die Bereichsleitung der Beratungsstelle in Grünberg inne, übernahm zudem die Organisation der Tafel in Grünberg. Diese war 2005 mit dem Ziel gestartet, Lebensmittel zu retten und Menschen zu helfen. Der Bedarf war so groß, dass 2007 eine Außenstelle der Tafel in Laubach öffnete. Heute nutzen rund 340 Personen das Angebot regelmäßig.

Möglich sei dies nur dank einer großen Gruppe ehrenamtlicher Helfer, welche die Lebensmittel einsammeln, verteilen und sortieren. Da es vor allen Dingen Ältere sind, die sich in der Tafel engagieren, war die Sorge groß, dass diese wegen Covid-19 aufhören könnten. Doch fast alle haben nun ihren Dienst wieder aufgenommen.

Schlaflose Nächte

Die Tafel habe ihr manche schlaflose Nacht bereitet: "Das ist eine Organisation mit 70 Ehrenamtlichen und einem Fahrzeug." Ohne Lebensmittelspenden hätte nichts verteilt werden können, mehrfach mussten Spenden für ein neues Kühlfahrzeug gesammelt werden. "Aber es fanden sich immer Leute, die das unterstützt haben."

"Wenn es jemanden gibt, der Diakonie gelebt hat, ist es Bettina Wege-Lemp", sagte Holger Claes, Leiter Diakonisches Werk Gießen, zum Abschied. "Sie hat ein Gespür dafür, was für andere Menschen gut ist."

Ganz hat der Ruhestand allerdings noch nicht begonnen: Wege-Lemp arbeitet nun noch ihren Nachfolger Tobias Lux ein.

Dass Wege-Lemp für das Foto auf einem Sofa Platz genommen hat, ist kein Zufall. Der "Soziale Ort für alle", die Begegnungsstätte im Grünberger Stadtzentrum, wird "Sofa" abgekürzt. Seit 2016 finden dort zahlreiche Beratungen und Angebote statt. "Die Menschen brauchen Orte, an denen man sich begegnen kann", sagte Wege-Lemp. Derzeit laufen etwa wieder die Hilfsangebote für Flüchtlinge an.

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