Danziger Hochflieger sind seine große Leidenschaft: Erwin Kammer ist einer von zwei Züchtern in ganz Deutschland, die sich Altmeister nennen dürfen. FOTO: NAB
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Danziger Hochflieger sind seine große Leidenschaft: Erwin Kammer ist einer von zwei Züchtern in ganz Deutschland, die sich Altmeister nennen dürfen. FOTO: NAB

Ein Leben für die Danziger Hochflieger

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Die Danziger Hochflieger haben es Erwin Kammer aus Muschenheim angetan. Seit sieben Jahrzehnten züchtet er die Taubenrasse. Er hat viele Preise gewonnen und ist vor Kurzem sogar zum Altmeister ernannt worden. Davon gibt es zwei im ganzen Bundesgebiet. Doch alles hat auch mal ein Ende.

Es ist faszinierend, wenn sich die Danziger Hochflieger in die Lüfte schwingen. Sie werden auch die Könige der Lüfte genannt. Die Rasse ist bekannt für ihren schraubenartigen Flug, bei dem die Tauben nach und nach an Höhe gewinnen. "Am Himmel sind sie dann nur noch so groß wie ein Fünfmarkstück", sagt Erwin Kammer. "Und der Danziger Hochflieger kann vier, fünf Stunden in dieser Höhe verharren."

Preise bei Flugwettbewerben und Zuchtausstellungen hat der Kleintierzüchter aus Muschenheim schon viele gewonnen. Sein Hobbyraum ist voll mit Pokalen und Auszeichnungen. Kein Wunder, züchtet er doch schon seit sieben Jahrzehnten diese eine Taubenrasse. "Tauben habe ich schon als Siebenjähriger gehabt", sagt Kammer, der heute 84 Jahre alt ist und dieses Jahr siebzig Jahre Mitglied im Kleintierzuchtverein Muschenheim ist.

29 Jahre lang war er der Vorsitzende des Vereins, seit sieben Jahren ist er Ehrenvorsitzender. "Durch einen Bekannten bin ich zu den Danziger Hochfliegern gekommen", erinnert sich Kammer. Diese Rasse hat ihn nicht mehr losgelassen. Es ist eine alte Rasse, bereits 1810 wurde sie nachweislich gezüchtet und schon 1909 wurde der Sonderverein der Danziger Hochflieger in Berlin gegründet.

In diesem Verein ist Kammer schon seit 1964 Mitglied. "Er hat den Danziger Hochflieger vor allem im Farbschlag blau und blaugehämmert geprägt", sagt Willi Günther, der Zuchtwart im Hauptverein der Danziger Hochfliegertaube, über die Leistungen Kammers. "Im Hochflug war er sehr erfolgreich", fügt Günther hinzu. "1973 belegte er mit seinen Tauben den ersten Platz und danach mehrmals die Plätze zwei und drei." Kammer war damit deutscher Meister und auch schon mehrmals Hessenmeister.

In den vergangenen 56 Jahren hat er keine Sommertagung und Sonderschau verpasst. Entsprechend lang ist die Liste von Kammers Ehrungen: Er erhielt die goldene und silberne Ehrennadel des Sondervereins und die silberne und goldene Ehrennadel im Verband Deutscher Rassetaubenzüchter, er ist Ehrenmitglied im Sonderverein und hat nun auf der Sommertagung in Schwäbisch Hall auch noch die Ehrung erhalten, die als einzige noch fehlte: Die Auszeichnung zum Altmeister.

"Um diese Auszeichnung zu erhalten, muss man zum einen das gewisse Alter haben", erläutert Heinrich Windhaus, Vorsitzender der Gruppe Hessen im Verein der Danziger Hochfliegertaube. "Und man muss für den Sonderverein mit ganzem Herzen dabei gewesen sein." Bundesweit gibt es nur zwei Züchter, die diesen Titel tragen. Und Kammer ist jetzt einer von ihnen.

"Wir hoffen, dass wir mit unserem Erwin noch viele schöne Stunden verbringen können. Und wir würden uns freuen, wenn noch mehr Menschen die Begeisterung für diese wunderbare Tümmlerrasse teilen", sagt Windhaus. Doch die Züchter wissen auch: Es fehlt an Nachwuchs. Die Jugend von heute habe andere Interessen. Einen Computer kann man ausschalten, um ein Tier muss man sich jeden Tag kümmern. Allein das Beobachten der Tiere im Flug bedeute Ausgleich und Erholung in der Hektik und dem Stress der heutigen Zeit. Dazu bedürfe es keiner zu großen Anstrengungen: ein Sommertag, ein Liegestuhl und ein paar Danziger Hochflieger im Freiflug.

Doch für Erwin Kammer ist bald Schluss. Aus Altersgründen möchte der 84-Jährige nun aufhören. Die besten Tiere verteilt er an seine Zuchtkollegen. Aber ganz ohne Federvieh muss er in Zukunft nicht leben. Ehefrau Irene hält im Garten noch Hühner, und die wollen auch zweimal am Tag besucht werden.

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