"Wir sind alt, wir sind laut, weil man uns die Schule klaut": Helga Moos, Heide Kausch und Ingrid Hofmann kämpfen für den Erhalt der alten Schule in öffentlicher Hand. FOTO: SO
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"Wir sind alt, wir sind laut, weil man uns die Schule klaut": Helga Moos, Heide Kausch und Ingrid Hofmann kämpfen für den Erhalt der alten Schule in öffentlicher Hand. FOTO: SO

Launsbach kämpft für die "nau Schul"

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Transparente künden im Dorf davon, Handzettel liegen in allen Briefkästen: Die Launsbacher machen sich für ihre frühere Schule stark, wehren sich gegen einen Verkauf.

Für Ingrid Hofmann ist die Sache klar: "Die nau Schul" gehört den Launsbacher Bürgern. Zusammen mit Heide Kausch und Helga Moos kämpft Hofmann seit Monaten schon dafür, dass das ortsbildprägende Gebäude mitten in Launsbach nicht verkauft wird, sondern vielmehr öffentlich genutzt werden kann.

Die drei älteren Damen und weitere Mitstreiter haben bereits im vergangenen Jahr weit über 600 Unterschriften gesammelt, um ihrem Ansinnen Nachdruck zu verleihen.

Am Samstag dieser Woche laden sie um 15 Uhr in den Garten der einstigen Schule an der Gießener Straße ein, um über ihr Anliegen und den Sachstand zu informieren. Durchaus vorstellbar, dass diese Info-Nachmittage dann ihre Fortsetzung erfahren als eine Art Mahnwache. So lange jedenfalls, bis eine Entscheidung getroffen ist. Plakate weisen im Dorf auf das Thema hin; zudem werden Handzettel in alle Briefkästen verteilt.

Der Hintergrund: Die Gemeinde Wettenberg will das denkmalgeschützte Backsteingebäude verkaufen. Ein Sanieren der in die Jahre gekommenen und teils maroden Bausubstanz gilt als zu aufwendig und zu teuer. Das Geld will man nicht in die Hand nehmen. Überschlägige Schätzungen gehen von einer Summen jenseits der 300 000 Euro aus. Der Verkauf war 2017 erstmals Thema und dann im vergangenen Jahr ausgeschrieben worden - Mindestgebot 230 000 Euro. Mehrere Interessenten haben sich unterschiedlichen Konzepten für eine künftige Nutzung beworben. Das war der Zeitpunkt, zu dem die Launsbacher mobil machten und ihrerseits ein Konzept für eine wenigstens teilweise öffentliche Nutzung vorlegten. Die Idee: Die Räume im Erdgeschoss einer öffentlichen Nutzung - Seniorengruppen, Volkshochschule, Vereine, Privatpersonen, etc. - zuzuführen und in den Obergeschossen zu vermieten, um das Gebäude wirtschaftlich auf gesunde Füße zu stellen. Dem wollte man im Rathaus nicht nähertreten mit Verweis auf andere öffentliche Begegnungsräume in der Verwaltungsstelle, im Bürgerhaus, in der Belzgass…

Vor rund 14 Tagen hat sich ein Workshop mit Vertretern aus der Kommunalpolitik mit den vorliegenden Konzepten von vier Kaufinteressenten und eben den engagierten Launsbachern befasst. Eine Entscheidung in der Gemeindevertretung steht noch aus.

Die Befürchtung von Hofmann und ihren Mitstreiterinnen: Es fehlt der politische Wille, die frühere Schule für Launsbach und seine Bürger zu erhalten.

"Das alte Haus hat Geschichte. Es hat einen Wert und Symbolkraft für unser Dorf", sagen die drei engagierten Damen. Sie wissen noch sehr wohl, wie das war, als dort noch Schule gehalten wurde. "Es sollte nicht das Geld das ausschlaggebende Kriterium sein, sondern hier geht es um unsere Geschichte, um unsere Kultur", sagt Heide Kausch.

1896 war der Grundstein für diese damals "neue" Schule gelegt worden, die einen maroden Schulbau in der Nachbarschaft ersetzte. Daher bis heute die Bezeichnung "Nau Schul". Auch wenn die heutige Grundschule schon 1955 gebaut wurde, mithin ebenfalls schon 65 Jahre alt wird. Die "nau Schul" jedenfalls hat im kommenden Jahr ihr "125-Jähriges". Das Haus wurde seinerzeit von der Launsbacher Bürgerschaft allein gebaut und bezahlt, alles mit Erlösen aus dem Holzverkauf aus dem kleinen Launsbacher Wald. Zuschüsse gab es 1896 keine.

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