Laubachs Kämmerer im Glück

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Laubach (tb). Die Druckwelle reicht von Down Under bis nach Oberhessen: Dem australisch-britischen Konzern Greensill Capital droht Finanzexperten zufolge der Gang zum Konkursrichter, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat den deutschen Ableger geschlossen - die Stadt Gießen bangt um ihre Einlage in Höhe von zehn Millionen Euro (die GAZ berichtete).

Vergleichsweise entspannt geben sich da die Kollegen in Laubachs Kämmerei. Dabei hätte es ganz anders ausgehen können: Die Ostkreiskommune hatte immerhin zwei Millionen Euro bei der Greensill Bank AG in Bremen festgelegt, doch lief der Vertrag im Spätsommer 2020 aus, das (immerhin) niedrigverzinste Kapital floss zurück. Also noch vor der Herabstufung der Bonität der Bremer Privatbank durch die Ratingagentur S&P von BBB + auf BBB -, und lange bevor die Finanzaufsicht die Reißleine zog.

Auch die Stadt Laubach - die Finanzabteilung ist seit 2018 unterm Dach des Verwaltungsverbandes mit Lich angesiedelt - hatte sich an einen für Kommunen tätigen Financial Broker gewandt. Der vermittelte die auf ein knappes Jahr befristete und vorerst letzte Festgeldanlage bei Greensill.

Neue Richtlinien

Wie Jakob Fischer, seit Jahresbeginn Leiter der Finanzabteilung, erklärt, habe auch Laubach so die Zahlung von Strafzinsen vermeiden wollen. Seien doch die Zeiten schon lange vorbei, da es sich für Kommunen lohnte und gang und gäbe war, freies Geld bei heimischen Kreditinstituten anzulegen.

Im Mai 2020 und überhaupt das erste Mal hatten Laubachs Stadtverordnete Anlagerichtlinien beschlossen. Demgemäß darf die Kommune Geld nur bei Banken festlegen, deren Bonität von S&P mit mindestens BBB - bewertet wird. Das Rating kann sich dabei auf den Emittenten wie den Mutterkonzern beziehen. »Da haben wir wohl alle gepennt«, kommentieren dies nun Laubachs Grüne - samt Verweis auf Gießen, wo eine Bonität von BBB + gefordert werde. Deren Forderung, mehr Wert auf Sicherheit zu legen, stößt bei Kämmerer Fischer auf offene Ohren. Gegenüber der GAZ kündigte er eine Vorlage ans neu gewählte Stadtparlament an, wonach künftig BBB + oder vergleichbare Einstufungen verlangt würden. Womit man den wenn auch nur leicht spekulativen Bereich hinter sich ließe, künftige Anlagen aber mit Strafzinsen einhergingen. Da Laubach aber Kurs auf Abbau des Investitionsstaus gesetzt hat, gibt es Fischer zufolge weder 2021 noch 2020 Geld »auf der hohen Kante«.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare