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So ist’s recht (v.l.): Hauptmann Günter Hoffmann und Hammelschütze Hartmut Schmidt sowie Sven Feuchert und Jan Hoffmann.

Hammelschießen

Laubacher Ausschuss: Tausende Besucher bei dreitägigem Volksfest

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Die Laubacher haben am Montag eine 500 Jahre alte Tradition erneut hochleben lassen: Beim Ausschussfest samt Hammelschießen war auch in diesem Jahr viel los. Und es gab ein Novum in der Ausschuss-Geschichte.

"Schütze der Hammelsgabe ist Jan Keller, Hammelschütze ist Hartmut Schmidt." Als Hauptmann Günter Hoffmann dies gestern Abend verkündete, da tobte das Zelt. Die Laubacher schließlich kennen vor allem "ihren Hartmut", war er doch erst 2018 Hauptmann der Ausschussgesellschaft. Ironie des Schicksals zum Höhepunkt des Volksfestes.

So gegen acht, als der Hammel traditionsgemäß vom Balkon des Hauses Schmidt schaute, geschah das weniger zu seinem, sicher aber zum Wohlgefallen von Hauptmann Günter Hoffmann. War doch der wichtigste Programmpunkt des Ausschussfestes "gegessen". Und alles hatte geklappt.

Für den 63-Jährigen dürfte der gestrige Tag einer der aufregendsten in seinem Leben gewesen sein. Erst recht die neunte Stunde, als er im Schlosshof zur Rede ansetzte, vor immerhin gut 900 Menschen. Sicher das Highlight für jeden Hauptmann. Ein Amt, das Hoffmann nach eigenen Worten als "Ehre und Pflicht zugleich ansieht". Der Haupttag des Volksfestes hatte für ihn in aller Frühe begonnen. Für 7 Uhr bereits hatten sich der Vorstand des Vereins, Honoratioren und Ehrengäste zum Frühstück angekündigt. Kurz darauf aber hieß es schon Marsch zum Schloss, Abnahme des Zeltes, Begrüßung der am Marktplatz versammelten Sektionen.

Laubacher Ausschuss: Kein Wort zu einer Frau!

Spätestens jetzt erreicht der Ausschuss seinen "pittoresken Overkill": In Erinnerung an die Ursprünge vor fast 500 Jahren haben sich Laubachs Männer ordentlich herausgeputzt: Eichenlaub am Hut, das Erkennungsmerkmal der alten Solmser Gefolgschaften, ein Stock als symbolisiertes Gewehr und strengste militärische Disziplin sind Pflicht. Vor allem Hauptmann, Major, Adjutanten und Hauptführer ziehen die Objektive auf sich: Schwarzer Rock, goldbestickte Schärpe über der Brust, weiße Handschuhe, blitzender Säbel - ein Fest für Fotografen.

Weh dem, der sich da nicht an die überlieferten, heute mehr oder weniger sanktionierten Pflichten hält. So darf kein Ausschussmann das Wort an eine Frau richten, bevor am Schießstand sein Können bewiesen hat.

Köstliche Proben dieser liebenswert-schrägen Sitten werden den Zaungästen frei Haus geliefert: "Fünf Euro Strafe für den Alkoholiker in der letzten Reihe", macht etwa Major Hartmut Schmidt einem Schützen unüberhörbar klar. Bei der Begrüßung, "Guten Morgen, Sektion! - Guten Morgen Herr Major", zur Flasche greifen? Geht gar nicht.

Bald darauf marschiert der Zug der Ausschussmänner, von Blaskapellen begleitet, zum Schloss. Vorneweg die alten Stadtfahnen, die jungen Festdamen und Kinder mit den rund 100 "Gaben", wie die Preise beim Ausschießen heißen - abgesehen vom vierbeinigen Hauptgewinn, versteht sich.

Was Hoffmann jüngst gemutmaßt hatte, jetzt dürfte es eingetreten sein: erhöhter Puls. Doch souverän und ohne einen "Hänger" wird er seine Hauptmannsrede halten - "in Demut und Dankbarkeit". Ein ganz besonderer Tag sei dies für ihn, auch da sein Sohn Jan Hauptführer geworden sei. Ein Novum in der Geschichte des Ausschusses.

Laubacher Ausschuss: Ausdruck von Heimatverbundenheit

Hoffmann geht auf die militärischen Ursprünge ein, wendet sich bald jedoch der Gegenwart zu: "Wir können heute auf über 70 Jahre Frieden und Grundgesetz zurückblicken, und aufs 70. Ausschussfest nach dem Krieg." Doch solle man sich nicht täuschen lassen, auch jetzt werde der Frieden bedroht: indem die Weltordnung infrage gestellt werde, durch Terrorismus, in Zukunft vielleicht auch durch digitale Kriege. Dies gelte es rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren. "Darum ist unser Fest bedeutsamer denn je, um uns in Erinnerung zu rufen, warum wir heute hier stehen."

Das Gefühl von Heimat nennt er wichtig, veranlasse es doch jedes Jahr viele Laubacher, von weit her zum Ausschuss zu kommen. Eine Verbundenheit, mit der sich so manche Herausforderung meistern ließe. Daher sein Aufruf, in der Ausschussgesellschaft mitzutun, ihre Ideale zu unterstützen. Am Ende der Dank an alle Helfer, den Musikverein und die gräfliche Familie für die Spenden und der Appell, einzustimmen in den frohen Ruf: "Unsere alte Vaterstadt Laubach, das gräfliche Haus und das Ausschussfest, sie leben hoch, hoch, hoch!"

Zum steten Einsatz für eine friedliche Welt ruft ebenfalls Graf Karl Georg in seiner Rede auf: "Gerade die jüngere Generation sollte sich klarmachen, wie privilegiert wir sind, in der heutigen Zeit zu leben." Dabei sei dieses Land auch wehrhaft, nur anders als früher: "Wir rennen keiner Ideologie hinterher, sondern sorgen dafür, dass wir und unsere Kinder mit Vernunft und Sachverstand die Probleme dieser Welt lösen."

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