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Die Laubacher und die Entmachtung des Ältestenrats durchs "Erste Triumvirat"

  • Thomas Brückner
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Niemand hatte oder hätte jemals die Absicht, die Sitzungen von Laubachs Parlamentariern dröge und leer zu nennen. Würde den Akteuren gar das Talent absprechen, mit rhetorischen Arabesken zu verzücken. Völlig daneben wäre ebenfalls der Vorwurf emotionsloser Debattenkultur; erinnert sei nur an jenen Abend, als gar unschuldige Gläser und Flaschen der Hitze des Wortgefechts zum Opfer fielen.

In der jüngsten Sitzung des zum "Ersatzparlament" aufgestiegenen Ausschusses für Haupt-, Finanz- und auch noch Bausachen bestätigte Grünen-Sprecher Michael Köhler - mag aber auch sein, er litt unter pandemiebedingter Debattierabstinenz - besagte Einschätzung: Per Dringlichkeitsantrag betrieb der die Entmachtung des Ältestenrats. An dessen Stelle möge das "1. Laubacher Triumvirat" treten. Darin Gaius Iulius Klug (Foto: nicht mal typähnlich/Qualifikation: Caesar und König von Flieden/), Gnaeus Pompeius Kühn (Qualifikation: Bundeswehr) und Marcus Asbestus Crassus Bantz (Qualifikation: Der Unvergängliche, kann fast alles).

In der aktuellen Situation, begründete Köhler den Vorstoß im Forum, sei es schier unerträglich, wenn der örtliche SPD-Chef Hartmut Roeschen in "majestätsbeleidigender Weise" Falschbehauptungen über einen Stillstand in Laubach verbreite. Um das Ansehen aller Vater- und Residenzstadt zu schützen, sei schnelle Reaktion geboten. Und also erwähntes Dreigestirn einzusetzen. Hilfreich erachtete er es dabei, "dass Laubach, inklusive seiner Wüstungen, reichlich Erfahrungen mit autokratischen Formen der Verwaltung hat sammeln können." Der Grünen-Politiker, jetzt aber im Ernst, verband den bald wieder zurückgenommenen Antrag mit der Kritik an Stadtverwaltung und -verordnetenvorsteher: Ohne Rücksprache mit den Fraktionen seien so alle Termine aus dem Sitzungsplan gestrichen, sei der Ältestenrat nicht einberufen worden. Womit er auch SPD-Mann Roeschen aus der Seele sprach, der zudem mit Blick auf den wegen Corona eingerichteten Verwaltungsstab mangelnde Transparenz moniert hatte. "Die Zeit autokratischer Verwaltungsführung ist spätestens seit 1949 vorbei", sei nochmals Köhler zitiert. Der wie bereits Roeschen eine rasche Sitzung des regulären Plenums anmahnte, auch weil nur dort auch die Ein-Mann-Fraktion FDP Stimmrecht habe.

"Der Ältestenrat besitzt keine Entscheidungsbefugnis, ihm gehören Menschen aus der Risikogruppe an", rechtfertigte Parlamentschef Joachim M. Kühn sein Handeln, avisierte sodann aber doch Videokonferenzen. Weiter: Dem Hauptausschuss dürften gemäß Ergänzung der Gemeindeordnung Aufgaben des Parlaments übertragen werden, auch habe er sich hierzu bei der Kommunalaufsicht rückversichert. Sic concludi Pompeius Kühn: Omnia secundum legem. Soll (möglichst) heißen: "Somit kam Pompeius Kühn zum Schluss: Alles nach Recht und Gesetz."tb/FOTO: DPA

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