Ziel: 42 Mio. kWh grüner Strom aus dem Windpark Freienseen

Laubach (tb). 2012 setzte Laubach die Prüfung der Windenergienutzung in ihrer Gemarkung in Gang. Für die Potenzialfläche in Freienseen erhielt "hessenENERGIE" den Zuschlag. Jetzt wurde der städtebauliche Vertrag mit der OVAG-Tochter unterzeichnet. Das ehrgeizige Ziel: 42 Mio. kWh grüner Strom aus dem "Windpark Freienseen".

Bei der Vertragsunterzeichnung am Montag im Laubacher Rathaus zugegen waren Bürgermeister Peter Klug, Erster Stadtrat Hans-Georg Teubner-Damster sowie für die "hessenEnergie" Geschäftsführer Dr. Horst Meixner, Planer Manuel Esterle sowie Dr. Hans Peter Frank, Prokurist der OVAG Energie AG und dort verantwortlich für Stromerzeugung und Energiehandel.

Nach dem Vertragsabschluss mit "iTerra" für den interkommunalen Windpark in Lauter/Weickartshain in der Vorwoche sei dies bereits "die zweite wichtige Unterschrift", die er binnen weniger Tage leiste, schickte Bürgermeister Klug voraus. Und betonte, es gehe hier nicht allein ums Geld, sondern auch um einen Beitrag zur Energiewende.

"Ding der Unmöglichkeit"

Nicht unerwähnt ließ er die Ablehnung gewünschter Standorte im offengelegten Entwurf des Teilplans Energie durch die Regionale Planungsversammlung: "In Absprache mit ›hessenENERGIE" werden wir jetzt dagegen vorgehen." Bei den Laubacher Potenzialflächen handele es sich um Randgebiete von FFH- bzw. Natura 2000-Gebieten, "meiner Ansicht muss nicht das eine das andere ausschließen." Dass erst 163 Mühlen, dann zehn und am Ende gar keine möglich sein sollten, das ist für Klug ein "Ding der Unmöglichkeit".

Vertragsgemäß hat "hessenENERGIE" jetzt den Auftrag, das Areal an der Gemarkungsgrenze zu Sellnrod "planerisch für die Errichtung eines Windparks mit bis zu sechs Mühlen inklusive einer Bürgerbeteiligung vorzubereiten." Sämtliche Kosten und damit auch das gesamte Risiko "im Umfang eines sechsstelligen Eurobetrags" trägt allein das Unternehmen, das mit über 110 Windenergieanlagen Marktführer in Hessen ist.

Wie gestern betont wurde, legt "hessenENERGIE" großen Wert auf das Einvernehmen mit den Standortgemeinden. Frank: "Wir haben damit an anderen Orten gute Erfahrungen gemacht und konnten Windparks in Gegenden realisieren, wo andere Projektentwickler und Investoren aufgrund konfrontativer Methoden nicht über das erste Planungsstadium hinaus gekommen sind." Dass mit dieser Herangehensweise ein Beitrag zur "lokalen Akzeptanz" geleistet werde, fügte er hinzu.

Da "hessenENERGIE", so wieder Meixner, das einzige hessische Planungsunternehmen sei, das dieserart Anlagen mittels Kommanditkapital, Genussrechtsanteilen oder Windsparbriefen sowie auch kommunale Windparks errichtet habe, sollten "keine Zweifel am Willen und Vermögen" zum Bau eines Windparks mit Beteiligungskonzept bestehen. Ebenso die Kooperation mit ortsansässigen Banken – ein Wunsch von Klug als weiterer Beitrag zur "Wertschöpfung vor Ort" – sicherte er zu.

Auch die Stadt Laubach, so Klug, sei sich sicher, dass die OVAG das Großprojekt (Investitionsvolumen laut Meixner: 22 bis 24 Mio. Euro) stemmen, langfristig den Betrieb zu aller Zufriedenheit wahrnehmen und auch die Stromeinspeisung permanent sicherstellen könne. Klug: "Die Größenordnung des Projektes erlaubt keinerlei Experimente."

Momentan ist "hessenENERGIE" damit beschäftigt, die Details der Zeitabläufe der Genehmigungsplanungen auch im Blick auf den Teilraumordnungsplan Energie vorzubereiten. Entscheidend sind dabei naturschutzfachliche Belange (etwa windkraftempfindliche Vogelarten wie Rotmilan und Schwarzstorch). Hierfür werden jetzt avifaunistische Gutachten in Auftrag gegeben.

Auf den Hinweis, dass Laubach doch bereits bis zum 4. April eine Stellungnahme zum Teilplan Energie – dieser sieht bekanntlich aus Gründen des Naturschutzes kein einziges Vorranggebiet in Laubacher Gemarkung vor – einreichen müsse, verwies Meixner auf bereits vorliegende Voruntersuchungen. Aber: Ob und wie viele Anlagen errichtet werden können, das hänge letztlich von den Ergebnissen der Gutachten, der Vor-Ort-Kartierung ab.

"Rotmilane jagen tiefer"

Meixner: "Wir meinen, es müsste gehen, müssen das aber erst genau prüfen." Geplant sind übrigens Mühlen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern, deren Rotoren bis 82 Meter reichen – und damit laut Meixner rund 20 Meter über der regulären Jagdhöhe eines Rotmilans liegen. Sicher zeigte sich Meixner, dass in Sachen "Windhöffigkeit" der Standort "eine auskömmliche Stromproduktion" erlaube. Andere Voraussetzungen einer Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz, etwa Mindestabstand zu Siedlungen oder Schattenwurf, seien längst geprüft und bestätigt. Alles in allem zeigte sich der "hessenENERGIE"-Chef zuversichtlich, dass aktuelle "Divergenz zwischen dem RP und der Stadt Laubach aufzulösen sei." Man gehe optimistisch an die Sache heran, doch könne es sein, "dass etwas in die Quere kommt." Dann stünde eine Verkleinerung oder schlimmstenfalls der Verzicht an. Bei "vollständiger Realisierung" aber könnten mit den sechs Mühlen – verteilt auf einem 90-Hektar-Areal ("keine Riesenrodungen nötig") – 42 Millionen kWh grüner Strom produziert werden. Meixner: "Hierdurch würden jährlich 25 000 Tonnen klimaschädlicher CO2-Emissionen vermieden."

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