Gunter Demnig verlegt vier Stolpersteine auf dem Laubacher Marktplatz. FOTO: FP
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Gunter Demnig verlegt vier Stolpersteine auf dem Laubacher Marktplatz. FOTO: FP

Ein Zeichen gegen Hass und Gewalt

  • vonHans-Joachim Losert
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Laubach(fp). Dem Gedenken an die 34 Menschen jüdischen Glaubens, die ihre Heimat Laubach aufgeben mussten und vor der Nazi-Schreckensherrschaft flüchteten oder in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden, galt die zweite Verlegung von "Stolpersteinen" mit Gunter Demnig am Samstagmorgen auf dem Marktplatz in Laubach.

Warnung vor Leugnern und Hetzern

"Laubacher Männer, Frauen und Kinder wohnten einst mit allen übrigen Bürgern zusammen, arbeiteten und gingen zur Schule oder feierten gemeinsam den Ausschuss. Aber dann geschah etwas Unerhörtes. Schritt für Schritt, boshaft und gemein, wurden ihnen die Rechte entzogen, sie wurden aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Schließlich bekamen sie für alle sichtbar als Kainsmerkmal den Judenstern angehängt. Auf einmal waren sie keine Laubacher mehr, sie waren Laubacher Juden." Mit diesen Worten leitete Roland Wilhelm von der Friedenskooperative seine Rede ein und hob die Bedeutung hervor, sich immer wieder daran zu erinnern, wie leicht eine ganze Zivilisation in den Strudel von Hass und Gewalt geraten kann. Gemeinsam mit der Friedenskooperative hatte Stadtverordnetenvorsteher Joachim Kühn dazu eingeladen, und zahlreiche Bürger verfolgten die feierliche Handlung. Nach einleitenden Worten von Kühn und der Ersten Stadträtin Isolde Hanak trug Jonathan Zientek seine Gedanken vor. Der junge Schottener ist Mitglied der Schülervertretung des Laubach-Kollegs. Zientek appellierte, über diese Steine gewissermaßen zu stolpern.

Sie mahnten, dass sich die Ereignisse nie wiederholen dürften. Doch immer wieder tauche rechtsradikales Gedankengut auf, sei es in den USA oder jüngst bei der deutschen Polizei. Der Schüler rief dazu auf, niemals wegzuschauen.

Musikalische und geistliche Akzente

Wilhelm verdeutlichte, dass es heute eine Vielzahl von Lügnern, Leugnern, Hetzern und Kreuz- und Querdenkern gebe. Diese nutzten die inflationären Medien zur Desinformation und zur Verbreitung von Hassbotschaften.

Zeitgleich verlegte Gunter Demnig vier Stolpersteine vor der Volksbank und drei vor dem Salon Kircher. Vor der Volksbank wird an Michael Alfred Katz sowie Ella, Lieselotte und Margot Katz erinnert. Die Familie des Viehhändlers emigrierte 1938 nach Amerika.. Meyer Wallenstein mit Emilie und Ilse werden mit drei Steinen vor dem Salon Kircher in Erinnerung gerufen. Dem Verkäufer gelang mit seinen Verwandten die Ausreise über Italien nach Brasilien.

In der Kaiserstraße sollen Max und Meta Katz nicht vergessen werden, die einen Textilladen betrieben und 1939 in einem Konzentrationslager umgekommen sein sollen. Ein Stein ist dort Edith Katz gewidmet, sie starb 1942 in Sobibor. Gegenwärtig sollen auch Ernst und Amalie Zodick bleiben. Beide emigrierten 1938 in die USA.

Musikalisch umrahmten Sigrun Bepler, Andreas Müller und Michael Wild von der Laubach Jazz-Formation die Veranstaltung auf dem Marktplatz, während Hilde Kammer an der ehemaligen Synagoge musizierte, wo auch Christa Just von der Friedenskooperative sprach. Geistliche Akzente setzten der evangelische Pfarrer i. R. Hartmut Miethe sowie Diakon Hans-Joachim Schaaf von der katholischen Kirchengemeinde.

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