“Zäsur als Chance für Veränderung„

  • Thomas Brückner
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Laubach (tb). In seiner “Kampagne„ - den Begriff Wahlkampf vermied Matthias Meyer als zu konfrontativ - habe er eines vor allem gelernt: “Viele wollen einen neuen Aufbruch.„ Jetzt, da es eine neue Verwaltungsleitung und ein neues Stadtparlament gebe, sei die Zeit günstig. Also biete auch diese Zäsur die Chance, “miteinander viele Dinge zu verändern und voranzukommen„.

Worte, mit denen sich Laubachs neuer Rathauschef am Dienstag nach der Amtseinführung an das neu konstituierte Plenum wie an die Besucher wandte. Meyer versprach, ein parteiunabhängiger Bürgermeister zu sein und auf jede Fraktion zuzugehen.

Kreuzchen bei allen Fraktionen

Mit einem Schmunzeln lüftete er nun ein Wahlgeheimnis: “Ich habe bei Kandidaten aller Listen Kreuzchen gemacht.„ Bei jenen, die er als vertrauenswürdig kennengelernt habe, die gut für Laubach seien. Also trage er “ein wenig Mitschuld, wer hier sitzt„. An alle Stadtverordneten richtete der 51-Jährige - als Unabhängiger angetreten und von Grünen und SPD unterstützt - dann diesen Appell: “Sehen Sie die positiven Ansätze, auch wenn sie von anderen Fraktionen kommen.„

Wer Programmatisches erhofft hatte, sah sich enttäuscht. “Das kommt später„, sagte Meyer. Doch nicht so ganz: Gerade in einer globalisierten Welt, so seine Ansage, bringe Nabelschau nicht weit. Zuvörderst mit den Nachbarn im Ostkreis, am Dienstag vertreten durch ihre Bürgermeister, gelte es die Zusammenarbeit zu vertiefen. “Lebendiger, für die Bürger zugänglicher„, lautete sein Wunsch, was den Verwaltungsverband mit Lich betrifft.

Kein Geheimnis: Laubach verfügt nicht über einen Tresor mit einem Goldschatz. Das weiß auch der Ex-Banker. Doch verfüge diese Stadt über ein anderes Vermögen - die Natur. Und vor allem die Bürger: Ein Potenzial vielfältiger Kompetenzen, oft im Ehrenamt erbracht, das es wertzuschätzen und zu nutzen gelte. Am Ende bat Meyer um Nachsicht: “Ich werde gewiss Fehler machen, aber mich stets bemühen, dies gemeinsam wieder hinzubekommen.„

Stadtverordnetenvorsteher Kühn erinnerte an die ersten Impulse, die schließlich zur Bürgermeister-Kandidatur geführt hatten: der erfolgreiche Kampf auch von Meyer für den Naturkindergarten Freienseen. Der Einsatz für Kinder habe sich also in zweifacher Hinsicht ausgezahlt. Im Ökonomiestudium und der Erfahrung als Banker sah Kühn gute Grundlagen für die Aufgaben, die nun auf den gebürtigen Cuxhavener zukommen.

Beide Seiten stünden vor einem Neuanfang, meinte dann der FW-Politiker, Und meinte natürlich neben dem Bürgermeister das Stadtparlament, zu dessen Aufgaben die Kontrolle der Verwaltung zählt, ab Juni unter Ägide Meyers. Dem gab er am Ende auf den Weg, dass alle Fraktionen den festen Willen betont hätten, aufeinander zuzugehen, Politik gemeinsam zu gestalten, Vergangenes mit der zurückliegenden Legislatur abzuschließen. “Einen besseren Start können Sie sich nicht wünschen.„

Langer Applaus für Peter Klug

Namens der Amtskollegen aus dem Ostkreis hieß Lichs Verwaltungschef Dr. Julien Neubert den “Neuen„ willkommen. Bürgermeister, so werde gern bei solchen Gelegenheiten gesagt, sei ja das “Mädchen für alles„ - und im Zweifel für alles verantwortlich. Tatsächlich müssten ja zuweilen Kollegen eine “fast eheähnliche Verbindung„ zur Verwaltung eingehen - “als glücklicher Junggeselle darf ich das sagen.„ Das Plenum forderte er schließlich auf, die Kooperation im Ostkreis weiter zu stärken und gemeinsam mit Meyer neue Wege zu wagen, auch im Verwaltungsverband.

“Laubach braucht einen Wandel, dafür ist er der Richtige„, unterstrich Kirsten Repp, Vorsitzende des Gewerbevereins. Die Politiker mahnte sie eindringlich zu einem respektvollen Umgang. “Negativpresse bringt Laubach nicht weiter.„

Zum Ende der Sitzung dankte Parlamentsvorsteher Kühn dem scheidenden Bürgermeister, würdigte dessen erfolgreiche Arbeit in zwölf Jahren. Das Plenum schloss sich dem an, spendete einem sichtlich bewegten Peter Klug minutenlang stehenden Applaus.

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