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Nun doch das Aus: Bernd Seibert ist mit seiner Frau Betreiber des Gnadenhofs »Felloase« in Laubach.

Gnadenhof

„Nicht genehmigungsfähig“: Traurige Wende im Fall des Gnadenhofs „Felloase“

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Der Gnadenhof „Felloase“ in Laubach stand vor wenigen Wochen vor dem Aus. Wegen Mietschulden drohte die Zwangsräumung. Die konnte dank der Unterstützung vieler Tierfreunde abgewendet werden. Jetzt aber müssen die Betreiber den Standort doch aufgeben. »Nicht genehmigungsfähig«, lautet das Urteil der Behörden.

Laubach – »Wir hören auf, was bleibt uns anderes?« - Dunja Marcinkowski hat sich offenbar mit ihrem Schicksal abgefunden. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd Seibert betreibt sie am früheren Gasthof »Jägerhaus« zwischen Laubach (Kreis Gießen) und Schotten seit rund anderthalb Jahren die »Felloase«. Das Paar hat es sich nach eigenen Worten zur Aufgabe gemacht, alten, misshandelten, kranken, vor der Schlachtung geretteten oder einfach nur unerwünschten Tieren einen artgerechten Lebensabend zu schaffen.

Damit aber ist es bald vorbei, der Gnadenhof mit seinen rund 70 Tieren steht vor dem Aus. Schon wieder, jetzt aber endgültig. Zumindest an diesem Standort. Dort, wo Karl Georg Graf zu Solms-Laubach 2009 für den Naturerlebnispark »Grünes Meer« einen kleinen Streichelzoo genehmigt bekommen hatte. Der sollte nun, zwölf Jahre später, wieder eine Rolle spielen.

Gnadenhof „Felloase“ im Kreis Gießen: Keine Zukunft am Standort in Laubach?

Im Frühjahr hatten die Betreiber erstmals um die Existenz bangen müssen. Nicht zuletzt wegen der Pandemie fehlten Einnahmen aus ihrer Hundepension und dem Kiosk an der B 276, beliebt gerade bei Motorradfahrern. Mietschulden beim Grafen häuften sich an, die Zwangeräumung stand bevor. Doch eine Welle der Solidarität sorgte für die Rettung. Mit so vielen Sach- und Geldspenden - kürzlich erst überbrachte Gießener Landrätin Anita Schneider 2500 Euro der OVAG - hatten selbst Dunja Marcinkowski und Bernd Seibert nicht gerechnet. Und wohl auch nicht mit der jüngsten Entwicklung: Am letzten Mittwoch, so Marcinkowski, hätten plötzlich gleich mehrere Behördenvertreter auf dem Hof gestanden, Wie es dazu kam? »Keine Ahnung.«

Wenige Tage später dann die Mitteilung aus dem Landratsamt: Darin wurde ihr nahegelegt, den Standort aufzugeben. Zur Begründung teilte auf GAZ-Anfrage die Pressestelle beim Landkreis Gießen mit: »Weder die derzeitige Nutzung noch die Pläne für eine Erweiterung sind genehmigungsfähig.« Dass der Gnadenhof, was Form und Umfang der Nutzung angeht, weit über das hinausgehe, was der Kreis 2009 für den Streichelzoo erlaubt habe, wurde angemerkt.

Wie aus dem Gießener Kreishaus weiter verlautete, waren sowohl die Bauaufsicht, die Untere Naturschutz- und Wasserbehörde als auch das Veterinäramt mit der Thematik befasst. Als zentrale Frage stellte sich den Fachbehörden: »Ist der Gnadenhof aus Sicht des Baurechts, des Natur-, Tier- und Wasserschutzes genehmigungsfähig?«

Landkreis Gießen: „Felloase“ in Laubach bekommt Probleme mit Behörde

Vorausschickte der Kreis Gießen Einzelheiten der im März 2009 erteilten bau- und naturschutzrechtlichen Genehmigung des Streichelzoos. Auf 1155 Quadratmetern war danach lediglich ein Besatz mit sechs bis zehn Kaninchen, drei Schafen, drei Ziegen, zwei Zwergeseln und zwei Alpakas erlaubt worden. Dazu ein Stall innerhalb des Geheges sowie ein Wildunterstand von gerade mal 25 Quadratmetern. Das Jahr darauf dann habe auch das Veterinäramt sein Placet für die »Zurschaustellung einer geringeren Anzahl von Tieren und Tierarten« erteilt. Dass diese Erlaubnis nicht auf spätere bzw. andere Halter übertragbar sei, das unterstreicht der Kreis.

Im Vordergrund allerdings steht für die Behörde, dass der Gnadenhof sich auf geschützten Flächen befinde: im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet »Laubacher Wald«, im Vogelschutzgebiet Vogelsberg und auch noch in einem Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiet. Der Schutz des nahen Ruthardshäuser Baches und seiner Randstreifen komme noch hinzu.

Aufgrund dessen sowie nach Bekanntwerden der Pläne für eine Erweiterung habe die Untere Naturschutzbehörde - abgestimmt mit den weiteren eingebundenen Stellen des Landkreises Gießen - die Betreiber der Einrichtung beziehungsweise den Förderverein um einen Vor-Ort-Termin zur Klärung gebeten. Mit erwähntem Ergebnis, wonach weder die aktuelle noch die geplante Nutzung genehmigungsfähig sind.

Aufnahmestopp auf bekanntem Gnadenhof im Kreis Gießen

Das Veterinäramt habe darüber hinaus wegen »Tierschutzmängeln« einen Aufnahmestopp ausgesprochen. Ein Punkt, der Dunja Marcinkowski seltsam erscheint, sei doch bei früheren Kontrollen davon keine Rede gewesen. Abgesehen von kleineren Mängeln am Ziegengehege. Auch dem Förderverein hat der Kreis Gießen bedeutet, von Planungen am Standort abzusehen und eine Alternative zu erwägen.

Bis zum November haben die Betreiber nun Zeit, ein neues Domizil für sich und ihre Schützlinge zu suchen. Über Angebote - möglichst mit einer großen Wiese neben dem Wohnhaus - würden sie sich freuen. Bis dahin sind die Tiere anderweitig unterzubringen. Marcinkowski: »Erste Stellplätze haben wir, brauchen aber noch einige.«

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