Wildzäune statt Vereinsförderung?

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Laubach(pm). Vorstand und Kuratorium der Stadtwald- stiftung Laubach ließen sich in ihrer jüngsten Sitzung vom Dienstleister KB Forst GmbH über das laufende Forstwirtschaftsjahr auf den neuesten Stand bringen. Die Beseitigung der Käfer- und Trockenheitsschäden bei Fichte und Buche laufe auf vollen Touren und sei voraussichtlich bis Ende April abgeschlossen, so der Bewirtschafter.

Bis auf den aufgrund nasser und frostfreier Witterung verzögerten Aufarbeitungsfortschritt liege man bei allen Zahlen besser als geplant. So seien bereits im Herbst 2019 fast sieben Hektar Wald wieder aufgeforstet worden.

Aktuell seien mehrere Arbeitsgruppen an weiteren Kulturmaßnahmen tätig. Das größte Problem der Stadtwaldstiftung seien nach wie vor die Wildschäden: Viel zu viele Rehe und Hirsche gefährdeten den Anwuchserfolg der wertvollen Forstkulturen.

Neue Baumarten

Der Klimawandel verlange einen Umbau im Baumartenspektrum. Der Wald der Zukunft brauche Baumarten, die wärme- und trockenheitstolerant sind. Diese Baumarten seien aber sehr empfindlich gegen Wildverbiss und müssten einzeln oder flächig mit Kulturzäunen geschützt werden. Die Verbissschutzkosten liegen bei etwa 3000 Euro pro Hektar, die zusätzlich zu den Kosten für die Wiederaufforstung aufgewendet werden müssten. Bis zur Sicherung der Kulturen müssen die Zäune in den nächsten Jahren regelmäßig kontrolliert und repariert werden, bis sie wieder abgebaut werden können.

Bei der Vielzahl und Größe der zu sanierenden Waldflächen sei eine komplette Umzäunung unrealistisch, viel zu teuer und unvernünftig. Zudem fehle diese gewaltige Summe, die Stiftung nennt 500 000 Euro, später bei den Stiftungsmitteln, also für die Förderung sozialer Aufgaben oder der Vereine.

Der Vergabekommission stehen noch Mittel für die dringlichsten Aufgaben in den nächsten vier Jahren zur Verfügung. Spielraum für Fördermaßnahmen im bisherigen Umfang sieht man kaum und schon gar nicht, wenn die Investitionen in den Umbau des Waldes wieder "aufgefressen" werden und viele Jahre nachgebessert werden müssen. Dieser "Vermögensverzehr" dürfe unter keinen Umständen tatenlos hingenommen werden, heißt es in der Pressemitteilung von Vorstand und Kuratorium. "Wir müssen den Stadtwald fit für die Zukunft machen. Es ist unsere Verantwortung, dass das nachhaltig und mit vertretbarem Aufwand gelingt.

Ein generelles Umdenken bei der Jagd sei alternativlos. Man müsse mehr Reh- und Rotwild zur Strecke bringen, um den Verbissdruck auf der gesamten Fläche spürbar zu reduzieren. Für die Zeit der Anpassung des Waldes an die geänderten Klimabedingungen empfiehlt das Kuratorium, die Eigenjagdbezirke des Stadt-waldes in Eigenregie zu bejagen und die Verpachtung zu beenden. Nach aller Erfahrung könne nur so eine waldgerechte Bejagung sichergestellt werden.

Die extrem angespannte Lage des Waldes erfordere konsequente Maßnahmen, fordert Dr. Jens Borchers, der Vorsitzende des Kuratoriums. Das Stiftungsvermögen dürfe nicht länger durch viel zu hohe Wildschutzkosten geschmälert werden.

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