Glücksspiel

Warum das Silvesterwürfeln in Laubach so beliebt ist

Früher ging’s um die Wurst, jetzt sind auch Donuts oder Döner im Spiel. Aber Glück muss man schon haben, wenn man beim Silvesterwürfeln in Laubach satt werden will.

"Elf ist hoch", ruft der Croupier im Café Göbel in die Runde. Die Augen der Mitspielerin leuchten, doch nur so lang, bis ein Konkurrent 18 Augen würfelt. Die Wurst geht an ihn. Beim Silvesterwürfeln in Laubach waren Einheimische wie Gäste auch am letzten Tag des Jahres 2018 vom Spielfieber befallen.

In den Cafés und Kneipen der Stadt wurde mit Feuereifer um Torten, Bratwürstchen, Donut-Boxen oder Pizza- und Dönergutscheine gewürfelt. Nachweislich wird das Glücksspiel seit über 100 Jahren in der früheren Grafenstadt betrieben. Die Rede geht von französischen Soldaten, die das Spiel im Dreißigjährigen Krieg mit an den Fuß des Vogelsberges gebracht haben sollen. Geknobelt wird mit drei Würfeln. Jeder Mitspieler wirft solange, bis zwei Würfel die gleiche Augenzahl zeigen, dann zählt der Wurf. Die Zahl des dritten kleinen Spielgerätes wird dann addiert.

Bereits vor dem offiziellen Beginn um 15 Uhr waren die Spieltische im Café Göbel dicht umlagert, berichtet eine Bedienung. Gut drei Stunden dauert das Spektakel, zu dem sich zahlreiche Mitspieler durch die Innenstadt bewegten. Wie kundige Laubacher berichten, hält sich Anzahl einheimischer und auswärtiger Gegner die Waage.

"Zwei können noch mitspielen", fordert der Spielleiter auf und muss nicht lange warten, bis die Einsätze zwischen 50 Cent und fünf Euro in den oberen Porzellanteller geworfen werden. Seit 15 Jahren kommt eine Familie aus Langd ununterbrochen nach Laubach. Sie erfreuen sich an der schönen Tradition, berichten sie, verbinden das Glücksspiel mit einem Spaziergang durch die schöne Innenstadt. Der Vater erzählt von der bereits gewonnenen Torte und ist zuversichtlich, dass auch noch Würstchen hinzukommen. "Die landen heute Abend dann gleich bei der Silvesterfeier auf dem Grill", kündigt der Mann an.

Währenddessen hat sich vor dem Café Seligmacherei eine lange Schlange gebildet, die Glückritter müssen jedoch geduldig warten, bis ein Platz an einem Spieltisch frei wird. In der Nachbarschaft berichtet der Wirt der Gaststätte Litfaß, dass er bereits zum 23. Mal das Silvesterwürfeln ausrichtet, bei den reinen Kneipen somit am längsten dabei sei. Auch hier finden Einheimische wie Auswärtige Zugang. Mit dabei ist u.a. eine vierköpfige Wandergruppe aus Grünberg, die den Weg in die Nachbarstadt zu Fuß zurückgelegt hat. Überhaupt trifft man auf weitere Gäste aus der Nachbarstadt, wie ein Großelternpaar, das an diesem Nachmittag seine Enkel "bespaßen" möchte.

Mit dabei ist erneut die Feuerwehr, die den Saal in ihrem Gerätehaus zum Kasino verwandelt hat. Zugegen ist hier ein älteres Laubacher Ehepaar. Beide kommen gerne zum Silvesterwürfeln und berichten, dass es den Einheimischen früher wie heute um die Gaudi gehe. Die Geselligkeit werde gepflegt und in früheren Jahren habe man erst bei einbrechender Dunkelheit mit dem Würfeln begonnen, das dann unmittelbar in die Silvesterfeiern überging.

Die Ehefrau erinnert sich, dass man nicht auf das Einsatzgeld geschaut habe, sondern nur die Anzahl der gewonnen Würste im Auge hatte. Dass dabei auch ruhig eine Torte sein konnte, verrät das Paar augenzwinkernd, habe man doch gleich im Januar einen Geburtstag und müsse dann nicht so viel backen.

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