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Von Rittern, Fürsten und Kaisern

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Laubach (bf). Die Befürchtung, nach Corona werde nichts mehr sein, wie es einmal war, soll sich bei der Bücherschau 2021 der Laubacher Schlossbibliothek nicht bewahrheiten.

Während im Vorjahr die Pandemie ihren thematischen Niederschlag fand, kehrt Bibliothekarin Trautel Wellenkötter zurück zum Alleinstellungsmerkmal einer Fürstenbibliothek. Sie präsentiert Texte, Holzschnitte und Kupferstiche zur deutschen Geschichte der frühen Neuzeit: Ritter Fürsten und Kaiser. Zum Aufstieg Preußens zur Großmacht und den Konkurrenten um die Vorherrschaft in Europa, Österreich und Frankreich.

»Krankheit und Literatur«

Aber auch Covid-19 soll nicht ganz abgetan sein: Burkhard Wellenkötter präsentiert als Nachlese einen Büchertisch: »Krankheit und Literatur«.

Die Ausstellung beginnt mit einer Gruppe, deren Faszination bis heute lebendig ist: die Ritter. Als Königssohn Parzival, ein »tumber Tor«, zum ersten Mal ihrer ansichtig wird, ist er regelrecht geblendet. Die von Kopf bis Fuß in schimmerndem Stahl gekleideten und gepanzerten Reiter in ihrer Pracht erscheinen ihm wie göttliche Wesen. Einer der Männer auf hohem Ross beugt sich herab zum Knaben und dieser fragt: »Du nennst Dich Ritter, »waz ist daz?«

Die Antwort muss lauten: Kämpfer auf dem Schlachtfeld, Verteidiger des Glaubens - man denke an die Ritterorden -, galante Kavaliere (Minnesang), die sich in Turnieren (»tjosten«) stählten, aber auch oft ein eher armes Dasein fristeten auf ihren kalten Burgen. Wenn auch bevorzugtem Stand angehörig, blieben sie doch abhängig von ihren Lehensherren.

In Zeiten des allmählichen Niedergangs gibt der »letzte Ritter«, Kaiser Maximilian, ein Werk in Auftrag, das dem Rittertum noch einmal ein literarisches Denkmal setzt: »Theuerdanck«, den edel Denkenden.

In der Goldenen Bulle, dem kaiserlichen Gesetzbuch von 1356, wird das Prinzip der Kaiserwahl durch die Kurfürsten (von »küren« = wählen) festgeschrieben. Diese sieben Territorialherrscher - hier zu sehen in der Schedel’schen Weltchronik von 1494 - lösen mit ihrer Macht das Rittertum ab, bedrohen im Lauf der Zeit auch des Kaisers Vorherrschaft.

Unfreiwilliger Narr des Preußenkönigs

In Mitteleuropa etablierten sich die Dynastien der Hohenzollern, Habsburger und Bourbonen, die in Preußen, Österreich und Frankreich das Sagen haben und deren Ringen um Vormachtstellung in diversen Kriegen Ausdruck fand.

Preußen, als Staat erst seit 1701 so benannt durch die Königswürde, die sich der Kurfürst Friedrich von Brandenburg erkauft hatte, macht den Anfang. In der Ausstellung folgen Szenen aus Leben und Wirken der Nachfolger: der »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II., der »alte Fritz«.

Die Machtentfaltung der preußischen Könige beleuchtet aber auch ein Kontrapunkt: Auf dem Gemälde, das Friedrich Wilhelm und seine Hofschranzen im Tabakskollegium abbildet, ist am Kopfende ein Hase zu erkennen. Das ist der arme Gundling, Professor und unfreiwilliger »Narr des Königs«. Ängstlich wie ein Hase, zeichnete er sich doch aus durch Bildung und Verständnis für die Künste und die Wissenschaften. Womit er den Spott und die ganze Geringschätzung erntete, die die geistfernen Machthaber für Menschen seiner Art übrig hatten. Er wurde verspottet, gequält, mit unbegreiflich-rohen Scherzen gedemütigt - so musste er mit seinem Sarg im Schlafzimmer nächtigen und zur Gaudi der Zuschauer unbewaffnet mit zwei Bären kämpfen.

Vom Glanz der Kaiserkrönungen fiel 1705 auch ein Schimmer auf die kleine Grafschaft Solms-Laubach. Kaiser Joseph I. wollte nicht nach Frankfurt reisen und beauftragte Laubachs Grafen Friedrich Ernst, ihn zu vertreten. Aufmarsch der Stände, Huldigung und Gastmahl erregen in der Wiedergabe auf Kupferstichen noch heute Bewunderung. - Kaiserkrönungen in Wien, Ludwigs des XIV. Selbstvergötterung in Paris, prächtige Schlösser wie Schönbrunn und Sanssouci, elegante Parks, erlesene Roben zu prunkvollen Bällen, Jagdvergnügen, aber auch kriegerische Eroberungen - das Ancien Régime wusste sich selbst zu inszenieren, bevor es am 14. Juli 1789 mit der französischen Revolution blutig hinweggefegt wurde.

Der Verfall der Monarchie, die Revolution sowie die darauf folgende Schreckensherrschaft, endgültig beendet mit der Selbstkrönung Napoleons, beschließen den Rundgang durch die Ausstellung.

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