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Italienische Lebensfreude macht Appetit auf Frühling und Sommer. Doch wegen der Corona-Krise müssen der Eisfahrrad-Fahrer Luigi und seine Kollegen nun auf unbestimmte Zeit eine Pause einlegen. FOTOS: PM

Corona und Events

Ein volles Auftragsbuch - und was davon übrig bleibt

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Das Auftragsbuch von "Wiesel Events" war prall gefüllt - dann kam das Virus. Doch Jörg Wießmann hat Ideen, wie er die Krise übewinden kann.

Alles war gut vorbereitet, manches bis ins kleinste Detail geplant. Die bevorstehende Saison versprach noch besser zu verlaufen als im ohnehin schon sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2019. Da war die im Laubacher Stadtteil Münster ansässige Event- und Künstleragentur "Wiesel Events - we sell events" allein in Deutschland mit beispielsweise 100 "Eisfahrrad"-Gastspielen gebucht, etwa für große Messen, Firmenveranstaltungen oder Einkaufszentren.

Ähnliches zeichnete sich für das laufende Jahr ab. Auch am noch jungen zweiten Geschäftssitz in Brienz (Schweiz) lief die Nachfrage für die vergleichsweise hochpreisigen, weil handverlesenen Unterhaltungsangebote aus dem umfangreichen "Wiesel"-Portfolio mit um die 30 Aufträgen ziemlich vielversprechend. "Wir sind eine der wenigen Agenturen, die im deutschsprachigen Raum eine solche Vielfalt anbieten", versichert Wießmann.

Der Aufschlag kam plötzlich und hart: Mit der Corona-Pandemie hagelte es massenweise Absagen. Bis in den Spätsommer sind sämtliche Aufträge weggebrochen, die einst so große Nachfrage nach Kleinkunst und Künstlerprojekten quasi auf Null gestellt. "Von einem Tag auf den anderen ist mein Einkommen gekappt", resümiert der 54-Jährige auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Seine Prognose mit Blick auf das Geschäft der kommenden Monate: "Der Sommer ist durch".

Der Mitarbeiterstab von "Wiesel Events" ist überschaubar. Wießmann arbeitet weitgehend mit Aushilfen, konnte den Personalbedarf damit relativ schnell zurückschrauben. Anders dagegen sieht es für die Solokünstler und Künstlergruppen aus, die von der Agentur für einzelne Veranstaltungen unter Vertrag genommen werden. Sie hoffen auf unkomplizierte staatliche Unterstützung, um über die Runden zu kommen und die Durststrecke bis zum nächsten Engagement zu überbrücken.

Außergewöhnlicher Unterhaltung jenseits des Mainstream hat sich Wießmann seit 2001 mit ganzem Einsatz verschrieben: Damals hatte er seinen sicheren und gut dotieren Job als Anwalt eines großen deutschen Unternehmens an den Nagel gehängt, um sich fortan ausschließlich den schönen Künsten zu widmen. Das sei "riskant, aber erfüllend", hatte er seinerzeit im Interview bekundet. Die von ihm gegründete Agentur "Wiesel Events" nahm zunächst im Gießener Land an Fahrt auf. Nicht zuletzt durch die exklusive "Gail’sche Tafelrunde" im historischen Park mitten in Rodheim-Bieber. Noch heute schwärmt so mancher Besucher mit glänzenden Augen davon, wenn die Rede auf diese zehn ausnahmslos ausverkauften "Landpartien" der besonderen Art kommt.

Seinen früheren Spitznamen und das dazugehörige Tier hat der Jurist einst als Firmenlogo gewählt: Schließlich gilt das Wiesel als clever, schnell und wendig - genau das, was man braucht, um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein. Renommierte Firmen vertrauen Wießmann ihre Veranstaltungen an; die Liste der Referenzen unter www.wieselevents.comerscheint schier endlos. "Ich bin niemand, der im Büro sitzt und abwartet", lacht Wießmann, der längst die Aktion "Rettung des Wiesel" ausgerufen hat. "Ein paar Ideen" habe er schon, wo er ansetzen könne, sagt der Kaufmann.

Da ist beispielsweise die zurzeit ungenutzte "Wiesel"-Fahrzeugflotte: Mittels der vier Transporter könnte bei Bedarf ein Service für Abholungen und Lieferungen jeglicher Art auf Kurz- und Langstrecken eingerichtet werden. Denkbar wären etwa Lebensmittellieferungen für ältere Menschen oder auch die Überführung von Warenkontingenten für den Lebensmittelhandel. Das Rote Kreuz habe bereits Interesse bekundet, berichtet Wießmann. Außerdem verfügt seine Agentur über mobile Kühltruhen, die bis zu acht Stunden ohne Stromversorgung arbeiten.

Der 54-Jährige ist zuversichtlich: "Wenn alles gut läuft, werden wir zum Wintergeschäft wieder am Start sein". Der Flyer mit dem "Winterprogramm 2020/21" ist längst fertig - 56 Seiten stark: "Meine Künstler warten auf die Zeit ›danach‹", so der Impresario.

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