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Auf einmal wird es kurvig: Schilder warnen vor der "S-Kurve" kurz vor Laubach, trotzdem und trotz Tempo 60 ereignen sich hier relativ viele Unfälle. Pläne von Hessen Mobil, den Bereich auf 600 Metern zu begradigen, treffen unter Laubachs Politikern auf Kritik.

Unfallstrecke

Zu viele Unfälle: Motorradstrecke soll Kurve verlieren, doch es gibt Protest

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Die B 276 gehört zu den unfallträchtigsten Straßen im Kreis. Hessen Mobil will die gefährlichen Kurven kurz hinter der Stadt begradigen, doch aus der Lokalpolitik kommt Protest.

Das Jahr 2019 droht zu einem weiteren traurigen Höhepunkt der Unfallstatistik für die B 276 zu werden: Seit dem Frühjahr starben bereits drei Menschen im Abschnitt Laubach-Schotten, darunter zwei Biker. Hinzu kommen mehrere schwerverletzte Motorradfahrer. Die scheint die kurvenreiche und landschaftlich reizvolle Strecke geradezu magisch anzuziehen, insbesondere an Wochenenden.

Zum Leidwesen vieler Anwohner, die unter dem Lärm leiden, sowie mancher Autofahrer, von denen einige die Strecke sogar meiden. Wohlgemerkt: Es sind auch hier die wenigen "schwarzen Schafe", die auch noch in der Ortslage die Motoren aufheulen lassen oder durch riskante Fahrweise an den Nerven der Autofahrer zerren. Bestätigt wurde dies erst jüngst, als bei Polizeikontrollen kaum Regelverstöße festgestellt wurden.

Doch ändert diese Momentaufnahme nichts an dem erhöhten Gefährdungspotenzial, insbesondere für Biker - auch wegen des zunehmenden Verkehrsaufkommens sind die Unfallzahlen weiter viel zu hoch. So sieht es auch die Straßenbauverwaltung und plant daher mehrere Maßnahmen. Herausragend, auch was die Kosten von 750 000 Euro angeht, ist die Begradigung des Abschnitts kurz hinter Laubach: Auf 600 Metern, ab dem Abzweig Freienseen in Richtung Schotten, soll so die gefährliche Stelle mit ihrer S-Kurve entschärft werden. Wofür Hessen Mobil bereits die Grundstückverhandlungen aufgenommen hat - auch mit der Stadt. Nur stocken die Gespräche, vom Magistrat befürwortete "Besitzüberlassung" stößt im Stadtparlament auf Kritik.

Alternative: Fahrbahnschwellen

"Ohne die Kurve wird noch schneller gefahren, dann passiert noch mehr", argumentiert etwa SPD-Fraktionschef Hartmut Roeschen. Ähnlich sieht es FBLL-Sprecher Dirk Hofmann, nähme doch die Lärmbelastung mit der dann erhöhten Geschwindigkeit noch zu; als bessere Alternative sollte man Fahrbahnschwellen ins Auge fassen. Auch dass der Ortsbeirat Laubach die Pläne abgelehnt hat, dürfte diese Entscheidung des Plenums kurz vor der Sommerpause befördert haben: kein Flächenverkauf jetzt, weiter beraten, nicht zuletzt im Gespräch mit Hessen Mobil. Die Warnung von Bürgermeister Peter Klug, man möge sich nicht mit einem Nein die "Chancen für künftige Maßnahmen" auf der B 276 verbauen, doch der Expertise der Straßenbauer zu vertrauen, wurden somit zumindest teilweise erhört.

Die Argumente der Laubacher Politik, das zeigt sich jetzt, ziehen bei den Experten von Hessen Mobil nicht: "Die bestehende Linienführung im geplanten Ausbaubereich der B 276 ist für alle Verkehrsteilnehmer ungenügend, nicht nur für Biker", heißt es ihn einer Stellungnahme der Marburger Behörde. Aufgrund der Kurvigkeit komme es trotz des Tempolimits gehäuft zu Unfällen; die beträfen insbesondere den Motorradverkehr. Doch ebenso Unfälle von Pkw seien in den vergangenen Jahren hier registriert worden. "Es zeigt sich also, dass ausschließlich durch eine geschwindigkeitsreduzierende Beschilderung in diesem Streckenbereich keine entscheidende Abhilfe zu schaffen ist."

Verkaufen die Grundbesitzer?

Weiter weisen die Verkehrsplaner auf GAZ-Anfrage auf den guten Ausbaustandard der B 276 hin, der einen "so unsteten Streckenverlauf" nicht erwarten ließen. Die Folge sei, dass viele Fahrer die Kurvensituation nicht richtig einschätzten. Heißt: Viele unterschätzen den engen Radius, fahren zu schnell in den gefährlichen Bereich ein. Ebenso die zahlreichen Flickstellen - ein Hinweis auf ein "strukturelles Problem des Fahrbahnoberbaus" - sprechen laut Hessen Mobil für den Ausbau. In absehbarer Zeit stünde daher auch regulär eine grundhafte Erneuerung an. "All diese Defizite werden durch den Ausbau dieses besonders unfallträchtigen Abschnitts behoben, die Sicherheit der B 276 erhöht", lautet das eindeutige Fazit der Straßenbauer.

In deren Auftrag sondiert die Hessische Landgesellschaft aktuell die Verkaufbereitschaft der Grundeigner, zu denen neben der Stadt auch Landwirte gehören. Auf eine Einigung hofft Hessen Mobil, bedürfte es so doch keines (zeitaufwendigen) Planfeststellungsverfahrens. Nächstes Ziel aber ist zunächst einmal, die Entwurfsplanung möglichst noch im Herbst abzuschließen. Bleibt somit abzuwarten, ob es mit dem Erwerb der städtischen Flächen klappt, obwohl größere Teile der Laubacher Politik die Kurvenbegradigung krumm nähmen.

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