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Ein brutaler Überfall beschäftigt seit Freitag das Landgericht Gießen.

Landgericht

Verrat und brutale Gewalt: Prozess um Überfall in Gonterskirchen hat begonnen

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Es sollte ein schneller Raub werden und endete fast mit einem Toten: Wegen eines brutalen Überfalls in Gonterskirchen stehen vier Männer seit Freitag vor Gericht. Die Tat kam wohl nur zustande, weil ein vermeintlicher Freund das Opfer verriet.

Gespannte Stille herrscht, als das Opfer schwer gezeichnet Saal 207 des Landgerichts betritt. Der 54-jährige, hagere Mann zieht ein Beatmungsgerät mit einem Schlauch neben sich her. Er berichtet von Panikattacken, die ihn seit jener Schreckensnacht Ende März heimsuchen. Durchschlafen könne er kaum noch. "Es ist eigentlich kein Leben mehr", sagt er mit ruhiger Stimme. Ein Bekannter habe damals geklopft "und sagte, er sei daheim rausgeflogen, ob er bei mir pennen könne. Das war für mich selbstverständlich". Doch es war nur ein Vorwand. Die nächsten Momente, die Schläge mit einem Baseballschläger hat er nur knapp überlebt. "Ohne ärztliche Maßnahmen wäre er gestorben", sagt der Rechtsmediziner vor Gericht.

Prozess um brutalen Überfall: Verwirrende Antworten

Wie es zu dem brutalen Überfall in Laubach-Gonterskirchen gekommen ist und wer welchen Anteil daran hatte, das versucht die 1. Strafkammer am Gießener Landgericht seit Freitag herauszufinden. Am ersten Verhandlungstag standen neben der Anklageverlesung die Aussagen des Geschädigten, des Gerichtsmediziners und der Angeklagten auf dem Programm. Die vier Beschuldigten, allesamt junge Männer aus Mittelhessen mit deutschem Pass, geben zu, am Tatabend vor Ort gewesen zu sein. Doch was war ihre Motivation? Wie hatten sie die Tat geplant? Und warum wechselten sie teilweise im Vorfeld der Tat die Seiten? Zu diesen Fragen gab es am Freitag mitunter verwirrende Antworten.

Laut Anklage sollen zwei der Beschuldigten am Nachmittag zuvor mit einem ebenfalls angeklagten Fahrer nach Gonterskirchen gefahren sein und das spätere Opfer ausgekundschaftet haben. Zwei Wochen zuvor, sagt einer der Männer, habe ein "Tippgeber" sie auf einen "Hinterweltler" hingewiesen, der dort wohne und Marihuana verkaufe. So sei der Entschluss gereift, ihn auszurauben. Wer der ominöse Hinweisgeber war und warum er sich an die Angeklagten wandte, bleibt im Dunkeln. Schwer zu sagen, ob es ihn überhaupt gab.

Für mehrere Stunden hielten sich die beiden Hauptangeklagten und der Fahrer im Ort auf. Sie fuhren umher - angeblich auf der Suche nach Handyempfang. Die mutmaßlichen Haupttäter waren "voll druff", wie einer sagte, zogen stündlich Kokain. Das Opfer hatte Lunte gerochen. Es bat deshalb einen Bekannten, der mit dem Auto unterwegs war, die Umgebung im Auge zu behalten. Bald waren der Bekannte und sein Mitfahrer hinter dem Wagen der Angeklagten. Diese fühlten sich nun selbst verfolgt und hielten das Auto an. Was folgte, ist ein Verrat unter Freunden. Der Bekannte des Opfers einigte sich mit den Hauptangeklagten, gemeinsame Sache zu machen. Der Vertraute des späteren Opfers sollte dieses aus dem Haus locken, damit die Räuber freie Hand haben. Dieser Plan misslang - und die Gewalt nahm ihren Lauf.

Prozess um brutalen Überfall: Angriff mit Baseballschläger

Während zwei Angeklagte im Auto warteten, näherten sich die anderem dem Haus des Opfers. Dessen Bekannter klopfe, fragte laut Opfer nach einem Schlafplatz - und bewog damit den 54-Jährigen zum Öffnen

Es folgten ein Angriff mit Pfefferspray und mehrere Schläge mit dem Baseballschläger. Mit letzter Kraft konnte sich das Opfer ins Haus retten und die Tür zuziehen. Der Hauptangeklagte räumte die Schläge ein, entschuldigte sich beim Opfer. "Ich wollte ihn nur kampfunfähig machen, nicht verletzen geschweige denn töten." Die Waffen habe man nur mitgenommen, weil man gedacht habe, der Mann im Haus sei ebenfalls bewaffnet. Auch eine Schreckschusspistole kam zum Einsatz - ein Beschuldigter sagte, er habe sie in einiger Entfernung zu dem Haus in Panik abgefeuert. Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord und Raub aus.

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